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Tage der Bildenden Kunst in Saarbrücken
Starke Frauenfiguren warten auf Gäste

Am Samstag und Sonntag öffnen in und um Saarbrücken wieder Ateliers und Galerien zu den Tagen der Bildenden Kunst. Brigitte Schwarz wird ihre Frauenkunst in der St. Ingberter Straße zeigen.
Am Samstag und Sonntag öffnen in und um Saarbrücken wieder Ateliers und Galerien zu den Tagen der Bildenden Kunst. Brigitte Schwarz wird ihre Frauenkunst in der St. Ingberter Straße zeigen. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Tage der Bildenden Kunst: Ein Besuch im Atelier von Brigitte Schwarz. Am Sonntag öffnet sie für Neugierige. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Brigitte Schwarz hat ihr Atelier in der St. Ingberter Straße in Saarbrücken schon aufgeräumt. Der Brennofen wurde in eine Ecke geschoben, die Tonskulpturen auf Regalen und im Raum sind arrangiert, auf dem Tisch wurden Broschüren über ihre Kunstwerke ausgelegt. Wenn an diesem Wochenende die Tage der Bildenden Kunst sind, bei denen in und um Saarbrücken Künstler und Kunstschaffende ihre Ateliers auf Einladung des Kulturamtes hin öffnen, dann macht auch Brigitte Schwarz wieder mit. „Aber nur am Sonntag“, schränkt sie ein.


Brigitte Schwarz hat schon häufig Gäste zu den Tagen der Bildenden Kuns in ihrem Atelier und in ihrem Garten empfangen – und sie schätzt diese Besuche sehr. „Die Spaziergänger interessieren sich wirklich für die Kunst. Da wird Kunst nicht nur konsumiert, sondern es kommen immer gute Gespräche dabei heraus. Die Leute haben echtes Interesse.“ Und das ist ihr sehr wichtig. Denn die Kunstwerke der Autodidaktin transportieren Botschaften. Sie sind für Brigitte Schwarz ein Mittel der Verbindung zu anderen Menschen, auch ein Motiv der Kommunikation.

Die Saarbrückerin arbeitet schon mehr als 40 Jahre künstlerisch und widmet sich seit vielen Jahren ganz ihrer Kunst. Und in all ihren Arbeiten – ob Tonskulpturen, Gipsstelen oder Collagefiguren – dreht sich alles um weibliche Themen, wobei sie nicht nur Frauen darstellt. Daher haben viele der Skulpturen typisch weibliche Formen, vereinfacht, häufig realistisch.



Bekannt ist ihr Motiv der Vorleserin, einer abstrahierten, eher üppigen, nackten Tonskulptur, die auf einem hohen Stapel von Büchern thront. Eine dieser individuell gefertigten Vorleserinnen steht schon seit vielen Jahren in der Frauengenderbibliothek. Und sie ist ein gutes Beispiel für die Kunstwerke von Brigitte Schwarz. „Meine Skulpturen sind Lebewesen. Man lebt intensiv mit ihnen.“

Und tatsächlich versprühen ihre Skulpturen viel Energie. Obwohl auf den Regalen auch kleine, vereinfachte Figuren stehen, die als Engel oder Fischfrauen geformt sind. Oder Nackte, die gemütlich im Sessel sitzen. Die Tonskulpturen haben nichts Süßliches oder Niedliches, sie strahlen Kraft und Energie aus. „Die Zeit und der Prozess des Arbeitens bleiben in den Figuren erhalten. Das strahlen sie aus und das kauft man mit“, sagt Brigitte Schwarz schmunzelnd.

Daneben findet sich in ihrem Atelier auch eine größere, sehr runde Figur, „Die Mitte“. Hier hat Brigitte Schwarz eine Skulptur ganz aus Gips mit einer zarten, schimmernden, weißen Haut erschaffen, die auf der einen Seite männliche Züge hat, auf der anderen Seite weiblich ist. „Es geht mir hier darum, dass man die Balance finden muss“, erklärt die Saarbrückerin.

Die Tage der Bildenden Kunst kommen für Brigitte Schwarz zum richtigen Zeitpunkt. Denn in den vergangenen Jahren hat sie vermehrt an Projekten gearbeitet. Jetzt aber stehen wieder die Tonfiguren im Zentrum ihres Schaffens.

Eines dieser Projekte war die Arbeit „frauen-netzwerk-kunst“, dessen fünfteiliges Ergebnis in einem der Flure des Rathauses St. Johann zu sehen ist. Dann war da auch das Projekt „Spurensuche weiblich“, in dem Brigitte Schwarz in einem Jahr 365 Collagefrauen aus Karton geformt hat, an jedem Tag eine, und jede ist individuell gestaltet.

Diese Collagefrauen nehmen im Atelier auch ihren Platz ein und warten ebenfalls auf die Besucher der Tage der Bildenden Kunst am Wochenende. Aber nicht vergessen: bei Brigitte Schwarz nur am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.