| 21:27 Uhr

Absurdes Theater in drei Sprachen
Ein absurdes Vergnügen in drei Sprachen

Saarbrücken. Ionescos Klassiker „Die Unterrichtsstunde“: Birgit Giokas, Alphonse Walter und Christina Murer spielen noch drei Mal. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Als am Mittwochabend das Theaterstück „Die Unterrichtsstunde“ von Eugène Ionesco als Koproduktion des Lothringer Theaters und des Parnass Theaters im Keller des Saarbrücker Schlosses Premiere feierte, war der Saal nur mäßig besetzt. Trotzdem war der Applaus nach dem Stück langanhaltend und entsprechend laut.


Denn die beiden Theatergruppen diesseits und jenseits der Grenze hatten sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie haben das bekannte Stück des französischen Schriftstellers Ionesco in drei Sprachen aufgeführt, in Deutsch, Französisch und in einer Mélange von Lothringer Platt und saarländischem Dialekt (Regie: Nathalie Cellier).

Und das hat überraschend gut funktioniert. Die Handlung des Dramas, das 1951 uraufgeführt wurde, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Ein Professor, empfängt in seinem Arbeitszimmer eine neue Studentin, gespielt von Birgit Giokas, um ihr auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Eltern, Privatunterricht „in allen Fakultäten gleichzeitig“ zu erteilen. Zu Beginn des Unterrichts ist der Professor, gespielt von Alphonse Walter, an Höflichkeit kaum zu überbieten. Seine Unterrichtsmethode ist äußerst bizarr, absurd und daher nicht ohne Komik. Je länger die Unterrichtsstunde aber dauert, desto absurder wird der Unterricht. Und der Professor wird strenger und ungehaltener.



Alphonse Walter spielt den Professor mit sichtlichem Spaß an dem schrägen Charakter. Er ist zu Beginn die Liebenswürdigkeit und Höflichkeit in Person, der im Laufe des Stücks seine Launen jedoch immer schlechter im Zaume halten kann. Trotzdem überwiegt bis zum bitteren Ende die Sympathie, die das Publikum für den  Darsteller empfindet.

Die Schülerin, herrlich naiv und großäugig gespielt von der Saarbrücker Schauspielerin Birgit Giokas, wird im Laufe des Stücks zunehmend unsicher, gequält von Zahnschmerzen möchte sie fliehen, aber es gibt kein Entkommen für sie. Das Ende der Unterrichtsstunde ist der vollkommen unsinnige Mord an der Schülerin.

Genau das hat das Dienstmädchen, ziemlich resolut gespielt von Christina Murer, kommen sehen. Wenn sie die Bühne betritt, folgen die Höhepunkte des Abends. Denn sie und der Professor sprechen ausschließlich in einer Mischung aus saarländischem und lothringischem Dialekt, während der Professor sonst Französisch redet und die Schülerin Deutsch antwortet.

Diese Mehrsprachigkeit funktioniert überraschend gut, denn die Schauspieler sind so gut eingespielt, dass sie die sprachlichen Hürden überspringen, als gäbe es sie gar nicht. Das Hin und Her der Sprachen passt zum absurden Charakter des Dramas. Und die  Mundart verleiht dem Stück einen besonderen Charme.

Weitere Aufführungen am 19. und 20. April, sowie am 9. Mai, jeweils um 20 Uhr im Saarbrücker Schlosskeller. Karten: (06 81) 506-60 06.