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Die Kleingeldprinzessin auf Tour
„Beim Klimawandel bin ich pessimistisch“

 Unlängst war Dota Kehr Gast im ZDF, in der legendären politischen Kabarett-Sendung „Die Anstalt“. Dort sang sie ihren Song „Grenzen“, der sehr  eindrücklich Stellung bezieht zur verzweifelten Situation der Flüchtenden. Im Mai kommt sie mit ihrer Band nach Saarbrücken.
Unlängst war Dota Kehr Gast im ZDF, in der legendären politischen Kabarett-Sendung „Die Anstalt“. Dort sang sie ihren Song „Grenzen“, der sehr  eindrücklich Stellung bezieht zur verzweifelten Situation der Flüchtenden. Im Mai kommt sie mit ihrer Band nach Saarbrücken. FOTO: Annika Weinthal
Saarbrücken. Die Singer-Songwriterin über Greta Thunberg, Fridays for Future und Donald Trump. Am 5. Mai kommt sie nach Saarbrücken. Von Susanne Brenner

Dota Kehr begann ihr Musikerinnenleben als „Kleingeldprinzessin“ auf der Straße. Heute gehört sie zu den interessantesten Künstlerinnen Deutschlands. Ihre Songs sind persönlich und politisch, zugleich sehr poetisch und sprachgewandt – ganz in der Tradition guter französischer Chansons. Dotas aktuelle CD „Freiheit“ versammelt eine Vielzahl beeindruckender Lieder und kommt bei Publikum und Kritik gut an. Am Sonntag, 5. Mai, gastiert Dota mit ihrer Band in Saarbrücken im Kleinen Klub der Garage.


Es läuft gerade gut für Sie, oder? Das aktuelle Album „Die Freiheit“ bekommt nur Lob. Die Konzert-Liste ihrer Tournee wird immer länger, unlängst sangen Sie in der besten Sendung des politischen Kabaretts, in der ZDF-Anstalt, ihren grandiosen „Grenzen“-Song. Würden Sie sagen, Sie haben es geschafft?

Dota Kehr: Nun, es kommt darauf an, was man schaffen wollte. Wenn es darum geht, einen Beruf leben zu können, den man von Herzen gern ausübt – und das ist für mich das Musiker-Dasein – dann habe ich es schon vor ein paar Jahren „geschafft“. Es freut mich sehr, dass das neue Album so gut ankommt und – da ich selber großer Fan der „Anstalt“ bin, war es mir eine Ehre, dass sie mich eingeladen haben. Aber es ist eher ein gradueller Unterschied zu den letzten beiden Alben und kein prinzipieller.



Ihr Song „Raketenstart“ klingt wie die Begleitmusik zu Greta Thunbergs Reden und den „Fridays vor future“-Schülerprotesten. Die Welt geht kaputt, keiner tut was dagegen, und am Ende retten sich Milliardäre, die vom Zerstören unserer Erde reich geworden sind, ins Raumschiff. . . Haben Sie überhaupt noch Hoffnung für die Welt?

Dota Kehr: Hmm, ehrlich gesagt bin ich pessimistisch, gerade was den Klimawandel angeht. Es erfordert sehr viel Einsatz von sehr vielen Menschen gleichzeitig, und es erfordert den Verzicht auf Komfort und auf Profite etc., der ist aber schwer durchzusetzen. Ich mag das Fatalistische eigentlich nicht, das dem Lied anhaftet, weil ich Fatalismus für eine dumme Ausflucht halte, aber ich konnte mich gegen meinen eigenen Pessimismus schwer wehren in den letzten zwei Jahren. Gerade umweltpolitisch ist es doch eine große Frustration und auch immer wieder feige und billig, wie Politik und Wirtschaft dem Konsumenten die gesamte Verantwortung zuschieben. Aber um auch etwas Positives zu sagen: Ich sehe viele gesellschaftliche Fortschritte, die in den letzten 50 oder 100 Jahren gemacht wurden. Zum Beispiel im Bezug auf den Umgang mit Minderheiten oder die Ächtung häuslicher und sexueller Gewalt. Da gibt es vieles, was sich im Zusammenleben der Menschen gebessert hat und mich hoffen lässt.

Ihre Lieder leben von einer außergewöhnlich poetischen, bildhaften Sprache. Manchmal hat man sogar das Gefühl, der Klang der Worte ist fast wichtiger als der Klang der Musik. Ähnlich wie in guten französischen Chansons. Was steht für Sie an erster Stelle: Musik oder Text?

Dota Kehr: Mir ist ein guter Sprachklang wichtig, und es spielt zum Beispiel eine große Rolle, wo welche Vokale zu liegen kommen und wie der Sprachfluss über die holperigen Konsonanten hinwegläuft – vor allem wenn man sich für Refrain-Zeilen entscheidet. Aber dann gibt es natürlich auch den Moment, wo die Bedeutungsebene die Oberhand gewinnt und man entlang der Aussagen oder Geschichten schreibt. Ich vertone nie einen fertige Text, eher betexte ich eine Melodie, die ich mir ausgedacht habe oder entwickele beides gleichzeitig.

Schon mal überlegt, Donald Trump ein Lied zu widmen?

Dota Kehr: Naja, der Wahlausgang in den USA hat natürlich mit reingespielt in den oben erwähnten „Raketenstart“, wo es heißt: „Wir haben die Katastrophe kommen sehen“ – aber darüber hinaus möchte ich mich nicht in Texten mit ihm beschäftigen. So wie es heißt: „Sei ein Teil der Welt, in der Du leben möchtest“, so hilft es vielleicht auch eher, Lieder zu schreiben, die sich mit den positiven Utopien beschäftigen, statt sich mit dem Hass aufzuladen, der in der Welt vorhanden ist.

Gastspiel am Sonntag, 5. Mai, 20 Uhr, im Kleinen Klub, Eingang Neugässchen. Karten gibt es bei allen VVK-Stellen.

www.garage-sb.de