Diskussion um Ex-Kultusministerium: Saarbrücker Ratsmehrheit für Sanierung des Pingusson-Gebäudes

Ex-Kultusministerium : Saarbrücker Ratsmehrheit für den Pingu

CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke unterstützen Kultusminister Ulrich Commercon. Er will das Gebäude erhalten.

Oliver Strauch freut sich. Der Saarbrücker Musikprofessor wirbt seit geraumer Zeit dafür, aus dem Pingusson-Gebäude in Saarbrücken (gebaut als französische Botschaft, genutzt als saarländisches Kulturministerium) ein Haus der Kunst zu machen. Der Beschluss des Saarbrücker Stadtrates  vom Dienstag dieser Woche kommt ihm also recht, ist Bestätigung für ihn. Bekennt sich der Rat doch dadurch zu dem Gebäude, fordert die Sanierung.

Entscheiden kann die Stadt darüber allerdings nicht. Das ist Landessache. Und hier scheint man sich in der Bewertung des Gebäudes nicht ganz einig: Während Kultusminister Ulrich Commercon hartnäckig dafür eintritt, rechnet Bauminister Klaus Bouillon die Renovierungskosten hoch. Abriss kommt für Commercon nicht in Frage. Genauso wenig wie für Oliver Strauch, der für ein Haus der Kunst wirbt.

Im Saaarbrücker Rat haben SPD, CDU, Grüne, FDP und Linke die Landesregierung dazu aufgefordert, eine Sanierung des Gebäudes zu ermöglichen und ein Nutzungskonzept auszuarbeiten.

Um die hohen Kosten für die Sanierung zu stemmen, solle man sich um Unterstützung von Bund, Europäischer Union und aus Frankreich kümmern. Über die Höhe der Kosten gibt es unterschiedliche Angaben: von 40 Millionen ist die Rede, Bauminister Klaus Bouillon (CDU) hat sie gerade in einer persönlichen Schätzung mit 53 Millionen Euro angegeben.

Das Gebäude wird seit vier Jahren nicht mehr als Verwaltungsgebäude genutzt. Das Kultusministerium ist in der alten Post in der Trierer Straße untergebracht. Für 1,1 Millionen Kaltmiete jährlich.

Kultusminister Ulrich Commercon ist einer, der immer wieder für das Pingusson-Gebäude eintritt.  Eine Landesregierung, die sich die „Frankreichstrategie auf die Fahne geschrieben hat“, könne nicht daran interessiert sein, das Gebäude abzureißen, sagte er Anfang August im Sommergespräch in der Staatskanzlei. „Bei einem Abriss würde ganz Europa über uns lachen.“

 „Vive le Pingu“ ist das Motto. Der Kultusminister  verkündet es inzwischen auch in Werbeanzeigen. Darauf ist zu lesen: „Die Botschaft ist: Die Botschaft bleibt!“

Auf SZ-Anfrage begründete er gestern sein Eintreten für das Gebäude erneut. Commercon: „Das Pingusson-Gebäude ist gebaute Geschichte. Die ehemalige Französische Botschaft ist europaweit einzigartig. Kein anderes Denkmal verkörpert die deutsch-französische Geschichte und europäische Versöhnung mehr. Zum Erhalt unseres Pingusson-Baus gibt es für mich keine vernünftige Alternative.“

Die Mehrheit im Saarbrücker Rat möchte neben der Sanierung auch, dass der angrenzende Park für die Bürgerinnen und Bürger geöffnet wird.

Das ist bisher nur zu besonderen Gelegenheiten der Fall, etwa wenn das deutsch-franzöisische Festival „Perspectives“ hier zu Gast ist. Künstlerinnen und Künstler haben das Pingusson-Gebäude nämlich nie ganz aufgegeben.

Auch im Inneren finden immer wieder Veranstaltungen statt. Ein kleiner Teil des Kultusministeriums hat hier auch wieder Büros. Es wirkt ein wenig so, als wache die Kunst über das Haus, das ein Haus der Kunst sein könnte.

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