Von jetzt auf gleich Diese Verbindung vom Flughafen Saarbrücken ist ab sofort ersatzlos gestrichen

Exklusiv | Saarbrücken · Überraschende Abkehr vom Saar-Airport: Am Flughafen Saarbrücken fällt eine Destination ersatzlos weg – und das ab sofort. Um welche Verbindung es sich handelt.

Kurzes Gastspiel für griechische Lumiwings in Saarbrücken. (Archivaufnahme)

Kurzes Gastspiel für griechische Lumiwings in Saarbrücken. (Archivaufnahme)

Foto: BeckerBredel

Das war ein kurzes Gastspiel: Nur wenige Wochen hat die Verbindung einer griechischen Fluggesellschaft von Saarbrücken nach Südeuropa gehalten. Da kappt die betreffende Airline diese schon wieder. Und auch die Verantwortlichen am Saar-Airport scheint die kurzfristige Nachricht darüber überrascht zu haben.

Saar-Airport-Sprecher bedauert Abzug von Saarbrücken außerordentlich

So bestätigt Flughafen-Sprecher Jochen Wagner entsprechende Informationen der Saarbrücker Zeitung und kommentiert diese: „Wir bedauern dies außerordentlich.“ Über die Hintergründe der plötzlichen Absage indes hüllt er sich in Schweigen. Dies sei Angelegenheit der Airline, sich dazu zu äußern.

So trifft es die Destination nach Bosnien-Herzegowina. Erst ab Dezember vergangenen Jahres hatte Lumiwings die Strecke zweimal wöchentlich geflogen. Ziel war die bosnische Stadt Tuzla. Und genau so schnell, wie damals die Ankündigung für die Aufnahme entsprechender Flüge kam, so rasch ist jetzt auch wieder Schluss damit.

Bereits regulärer Flug am Samstag ausgefallen

Bereits der für den vergangenen Samstag geplante Flug war ausgefallen. Nach Angaben von Airport-Sprecher Wagner habe die Fluglinie dafür technische Probleme angegeben. Diese hätten jedoch nichts mit Saarbrücken zu tun gehabt. Was tatsächlich dahintersteckte, blieb unklar. Hinter dieser Angabe kann nach Expertenaussagen ziemlich viel stecken: von Problemen an der Maschine bis hin zum Piloten, der nicht rechtzeitig zum Abflug aufkreuzt.

Warum jetzt mit sofortiger Wirkung das erst junge Engagement von Lumiwings in Saarbrücken beendet wird, geht aus einer knapp verfassten E-Mail hervor. Diese verschickte die Gesellschaft am Montag, 26. Februar, an alle fünf Airports in Europa, von denen Lumiwings bislang Flüge nach Tuzla angeboten hat. Allesamt sind nun Vergangenheit.

Womit Airline den Abbruch begründet

Darin begründet ein nicht namentlich genannter Vertreter der Gesellschaft dies damit, dass Tuzla offenbar finanzielle Anreize gestrichen habe mit der bislang die Strecke subventioniert wurde. Darum habe Lumiwings mit sofortiger Wirkung alle Flüge gecancelt. Bereits gekaufte Tickets würden erstattet. Mit einer einzeiligen Entschuldigung für die daraus resultierenden Unannehmlichkeiten endet die unterschriftslose Datei. Der Redaktion wurde diese von einem Branchen-Insider zugespielt.

Bei dem jetzt annullierten Angebot handelte es sich um Flüge in eine rund 100 000 Einwohner zählende Industriestadt. Tuzla liegt im Nordosten der ehemaligen jugoslawischen Republik Bosnien-Herzegowina. Veranstalter war die griechische Airline Lumiwings. Sie besitzt nur einige wenige Chartermaschinen und ist erst seit 2017 am Start.

Griechische Gesellschaft nur noch mit Schrumpfangebot

Nach dem Aus für Tuzla und die davon betroffenen Routen in fünf weitere europäische Städte besteht lediglich noch die Verbindung zwischen den beiden italienischen Städten Mailand und Foggia. Das geht aus Angaben auf der Lumiwings-Internetseite hervor.

Lumiwings war seit dem Jungfernflug am 20. Dezember von Saarbrücken nach Tuzla mittwochs und samstags gestartet. Die Direktverbindungen bis zu ihrer Einstellung: mittwochs ab Saarbrücken um 17.20 Uhr, samstags um 9.55 Uhr. Von Tuzla ins Saarland ging’s mittwochs um 14.25 Uhr und samstags um 7 Uhr. Lumiwings setzte auf der Strecke einen Jet der brasilianischen Marke Embraer E190 ein. Diese Flieger bieten bis zu 124 Passagieren Platz. Damit war sie zwischen Tuzla und Saarbrücken etwa zwei Stunden unterwegs.

Destination war kein touristisches Angebot

In Fachkreisen war bei Saarbrücken-Tuzla nicht etwa von einem touristischen Angebot die Rede. Vielmehr galt die Verbindung jenen Menschen aus Bosnien, die hier in Deutschland arbeiteten und Kontakt zu ihren Familien in der fernen Heimat hielten. In der Luftfahrt werden solche Pendelflüge oftmals als Visiting Friends and Relatives (VFR) – zu deutsch: Freunde und Verwandte besuchen – genannt. Dieser Markt, der auch als „ethnischer Verkehr“ tituliert wird, sei längst noch nicht gesättigt.

Allerdings schien er die Erwartungen bei Lumiwings nicht zu erfüllen. Zwar sollen sich die Flüge von und nach Saarbrücken nach SZ-Informationen rentiert haben. Allerdings machte das verlustreiche Geschäft auf anderen Verbindungen nach Tuzla dem Unternehmen zu schaffen. Die Airline bediente reihum mit einer einzigen Maschine alle fünf Airports, darunter eben auch den saarländischen.

Lumiwings im Fokus der EU-Flugsicherheit

Die Saarbrücker Zeitung fragte bei der Fluggesellschaft nach den Gründen für die plötzliche Absage. Eine Antwort blieb wie schon bei früheren Kontaktaufnahmen aus. Etwa auch zu Kontrollen. So war die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) auf die recht junge Gesellschaft aufmerksam geworden.

Sun-Express verlängert sein Angebot in die Türkei.

Sun-Express verlängert sein Angebot in die Türkei.

Foto: Flughafen Saarbrücken

Dazu hieß es im Herbst vergangenen Jahres in einem Bericht, dass Easa „Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit der Aufsicht durch die griechische Zivilluftfahrtbehörde (HCAA)“ habe. Konkret: Die EU-Aufsichtsbehörde habe demnach „Informationen über ernsthafte Sicherheitsbedenken erhalten, die sich aus der Analyse von Sicherheitsberichten“ ergab.

Pilot kreist bei bestem Wetter über Saarland und Pfalz

Damit rückten auch gleich zwei Fluglinien in den Fokus, die ihren Sitz in dem südeuropäischen Land haben – darunter Lumiwings. Saar-Airport-Sprecher Wagner räumte damals Befürchtungen aus, wonach Lumiwings unsicher sei. „Es wird nichts abheben, was nicht zu hundertprozentig sicher ist“, reagierte er damals.

Zuletzt war die Airline aufgefallen, weil ihr Pilot die Maschine mehrfach über dem Saarland und der angrenzenden Pfalz kreisen ließ, bis sie in Saarbrücken landete. Passagiere und Beobachter gleichermaßen waren verwundert, als dies Mitte Januar bei bestem Wetter geschehen war. Was der Auslöser dafür war, darauf gab Lumiwings auf Anfrage keine Antwort. Jochen Wagner vom Flughafen in Ensheim dazu prinzipiell: „Der Pilot im Cockpit trifft alle flugrelevanten Entscheidungen.“ Die Funktionalität des Flughafens sei ganztägig „voll gewährleistet“ gewesen.

Sun-Express kündigt weitere Flüge bis in den November an

Während sich Lumiwings von Saarbrücken verabschiedet, kündigt Sun-Express an, das Angebot „aufgrund großer Nachfrage“ zu erhalten. Wie Wagner am Dienstag, 27. Februar, ankündigt, bleibt die Airline im Saarland. So verlängere sie ihr Sommerangebot nach Antalya in der Türkei. Die Flüge können bereits gebucht werden.

Es bleibe demnach bei sieben Abflügen pro Woche. Dies war bisher für den Sommer-Flugplan vorgesehen. Jetzt gelte das Angebot bis 18. November. Den Grund dafür sieht Flughafen-Chef Thomas Schuck in der Beliebtheit der Türkei als Reiseziel ab Saarbrücken. „Die Verlängerung des Angebots durch Sun-Express zeigt, dass die Strecke attraktiv und wirtschaftlich zugleich ist.“ Das wirke sich aus: Passagiere profitierten von einem verbesserten Angebot“ ab Saarbrücken, der Airport von einer höheren Auslastung.

Wer hinter Sun-Express steckt

Flüge nach Antalya gibt es nach Angaben von Flughafen-Sprecher Jochen Wagner seit dem Winterplan 2023/24 erstmals durchgängig. Während der Weihnachtsferien wurde dies um Izmir, ebenfalls in der Türkei, ergänzt. In beiden Fällen ist Sun-Express der Anbieter. Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa und Turkish Airlines. Es ist seit 1989 am Start.

(hgn)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort