Gesundheit: Die Zeit knusprig-brauner Pommes ist vorbei

Gesundheit : Die Zeit knusprig-brauner Pommes ist vorbei

Geteiltes Echo in Saarbrücken auf Verbot hochgradigen Frittierens. Dies soll Verbraucher vor krebserregendem Acrylamid schützen.

„Wir sind da schon manchmal ein bisschen in einer Zwickmühle“, sagt Robert Leppert, Geschäftsführer des Hotels Schlosskrug im Nauwieser Viertel. „Einige Kunden wollen schon mal noch knusprigere Pommes oder Bratkartoffeln, aber der Gesetzgeber lässt das eigentlich nicht zu.“

Als Gastronom sei es schließlich seine Aufgabe, die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen. Meistens gehe er dann einen Kompromiss ein, indem er sie dann zwar etwas dunkler zubereite, aber nicht zu dunkel, um den Acrylamid-Aufbau in Grenzen zu halten.

Denn eigentlich besagt die neue EU-Verordnung zur Reduzierung von Acrylamid im Essen, dass Pommes nicht mehr über 168 Grad erhitzt werden dürfen. Doch auch wenn ihm das in diesen Fällen vielleicht etwas Kopfschmerzen bereitet, so ist er dennoch der Meinung, dass diese Verordnung ein guter Ansatz sei. „Wenn es um die Gesundheit geht, helfen diese Gesetze, ein größeres Bewusstsein zu schaffen“, sagt er. „Ohne das Rauchverbot würde heute wahrscheinlich immer noch überall jeder qualmen.“

Sowieso habe Leppert aber schon vorher feststellen können, dass bei seinen Kunden in den vergangenen Jahren nicht mehr so viel Nachfrage nach ganz braun frittierten oder ganz dunklen Bratkartoffeln bestand. Generell sei ein größeres Bewusstsein für das Essen, was vor einem auf dem Teller liegt, entstanden.

Auf dieses Konzept des sorgfältig ausgewählten Essens, von dem man weiß, wo es herkommt, setzt auch die Wurstwirtschaft Kalinski am St. Johanner Markt. Sowohl das Fleischprodukt für ihre Currywurst als auch die Pommes seien sehr genau ausgewählt worden, und zwar nach vielen Tests, sagt Oliver Dillinger, einer der drei Geschäftsführer. „Am Anfang hatten wir sogar spezielle Maschinen, in denen die Pommes nicht im Fett schwammen“, sagt er. Durch die große Nachfrage nach den normalen Pommes und den Süßkartoffelpommes mussten sie allerdings wieder zu normalen Fritteusen wechseln.

„Trotzdem frittieren wir schonend und nutzen hochwertiges Erdnuss-Öl in den Fritteusen“, sagt er. „Wir werden da auf keinen Fall mit irgendeiner EU-Verordnung kollidieren.“ Das bestätigt auch Martin Neyman, der gerade hinterm Tresen steht. „Bei unserer letzten Personalversammlung wurde das angesprochen, und uns wurde gesagt, dass wir schon alles richtig machen und nix ändern müssen“, sagt er.

Ganz so positiv sieht die neuen Richtlinien allerdings nicht jeder. Ob diese Verordnung der Europäischen Union tatsächlich eine positive Auswirkung auf die Gesundheit der Leute haben wird, daran zweifelt Andrea Thomas aus der Diskonto-Schenke stark. „Zuhause bereiten die Leute ihre Pommes trotzdem bei höheren Temperaturen zu“, sagt sie. Da störe es dann niemanden.

Da würde die Anpassung in der Gastronomie keine großen Unterschiede machen. So seien die Kunden nun im Restaurant unzufrieden mit den Pommes, da diese länger brauchen und dann trockener seien. Sie habe kein Verständnis für diese Verordnung. Sie frage sich, ob es für die EU keine wichtigeren Dinge zu regulieren gibt.

Und diejenigen, die die Pommes am Schluss essen? Die sind eher auf der Seite von Andrea Thomas. Patrick Kristersson, der im Kalinski gerade eine Currywurst mit Pommes isst, sei zwar kein Fan von allzu dunklen Pommes. „Am besten sind sie goldgelb, so wie in der Werbung“, sagt er und lacht. Dennoch denkt der 27-jährige, dass die Arbeit an dieser neuen Verordnung wieder ein wenig „Geldverbrennung“ seitens der EU sei. Und dass es durchaus wichtigere Probleme gebe als der Bräunungsgrad von Pommes.

Ruth Spitzhorn hingegen, Stammkundin im Restaurant des Hotel Schlosskrug, ist ein großer Fan von braunen, knusprigen Pommes. „Ich fürchte ein wenig, dass ich diesem Genuss in Zukunft vielleicht nicht mehr so nachgehen kann“, sagt die 53-Jährige.

Dass dies eventuell den Gastronomen schaden könnte, fürchtet der 19-jährige Claudio Geil. Wenn die Pommes nicht mehr schmecken oder zu labberig seien, dann blieben vielleicht die Kunden aus. Generell sei doch der bessere Ansatz, mehr Aufklärung zu betreiben als Verbote einzuführen. „Im Endeffekt ist schließlich jeder für sich selbst verantwortlich“, sagt er.

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