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Serie Hilfe für Helfer
Die Wohnungssuche wird schwieriger

Saarbrücken. Das Saarbrücker SOS Kinderdorf ist eine von fünf Einrichtungen, die von der Aktion „Hauptstadt. Bürger helfen“ profitieren. Von Heiko Lehmann

Die Spenden der Aktion „Hauptstadt. Bürger helfen“ gehen an die Abteilung Jugendhilfe, Ausbildung und Beratung beim SOS Kinderdorf.


Etwa 300 jungen Menschen im Alter zwischen 14 und 27 Jahren kommen pro Jahr zu der Jugendhilfe des Kinderdorfes. Viermal pro Woche gibt es von 12 bis 14 Uhr einen offenen Treff, bei dem die jungen Menschen die Möglichkeit haben, sich zu unterhalten, Spiele zu Spielen, ihre Wäsche zu waschen, oder zu duschen. „Jeden Dienstag beginnt der offene Treff bereits um zehn Uhr mit einem kostenlosen Brunch. Alle Angebote, auch das Waschen und das Duschen sind kostenlos“, erklärt Christel Kohls.

Seit 22 Jahren gibt es diese Einrichtung des SOS Kinderdorfes, die sich vor allem an wohnungslose junge Erwachsene richtet und solche, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Christel Kohls ist von Anfang an dabei. „Ich habe das Gefühl, dass es immer mehr Wohnungslose gibt. Der Unterschied zu früher ist, dass diese Menschen heute nicht mehr unbedingt in der Gesellschaft auffallen“, berichtet die Soziologin. In den 90er Jahren seien wohnungslose Menschen noch durch ihr äußeres Erscheinungsbild aufgefallen. Heute sind diese Menschen genau so gekleidet, wie Menschen mit einem Dach über dem Kopf. „Oft haben diese jungen Menschen sich ein Umfeld und ein Netzwerk geschaffen, wo sie hier und da mal übernachten können“, sagt Christel Kohls. Neben dem offenen Treff in der Karcher Straße 18 ist die aufsuchende Arbeit ein weiterer Teil der Jugendarbeit des SOS Kinderdorfes. Ein bis zweimal pro Woche gehen die Mitarbeiter auf die Straße und kümmern sich um die, die kein Dach über dem Kopf haben. „Wir verlangen kein Geld von den Jugendlichen für unsere Hilfe. Wir versuchen alle Ausgaben über Spenden zu finanzieren. Oft werden Jugendliche aus den unterschiedlichsten Gründen auch von den Eltern aus der Wohnung geworfen oder sind aus anderen Gründen auf der Straße gelandet“, weiß die Team-Koordinatorin der SOS-Jugendhilfe.



Das dritte Angebot ist die Beratung. Hilfe – bei der Suche nach einer Wohnung, nach Arbeit oder einfach nach Rat, wie man in unserer Gesellschaft funktionieren kann. „Im Jahr 2016 kamen 194 neue Jugendliche zu uns mit ihren Problemen. 115 davon waren männlich, 79 waren weiblich“, sagt Christel Kohls, die relativ düster in die Zukunft blickt. „Vor allem die Wohnungsversorgung der jungen Menschen wird immer schwieriger. Oft sind Vermieter auch nicht bereit, an solche Menschen ihre Wohnung zu vermieteten. Wir haben hier ein gesellschaftliches Problem, das nicht von der Hand zu weisen ist“, sagt die Soziologin.