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Die Überzwerge spielen Fabrice Melquiots Stück „Die Zertrennlichen“

Vor der Premiere : Radikal auf der Seite der Kinder

Warum die Überzwerge Fabrice Melquiots preisgekröntes Stück „Die Zertrennlichen“ spielen. Premiere ist am Sonntag.

Das Theater Überzwerg spielt das preisgekrönte Kinderstück „Die Zertrennlichen“ von Fabrice Melquiot. Der Autor ist hierzulande kein Unbekannter. Unter anderem wurde er bereits beim Saarbrücker Festival Primeurs ausgezeichnet. Wir haben Überzwerge-Geschäftsführer Christoph Dewes zu Stück und Werdegang befragt.

Was macht für Sie die Stärke der „Zertrennlichen“ aus? Warum wollten Sie das Stück für die Überzwerge?

Christoph Dewes: Stücke über interkulturelle Verständigung gibt es ja viele, aber nur wenige schaffen es wie Fabrice Melquiot mit seinem Stück „Die Zertrennlichen“, dies mit solcher Sensibilität, Ernsthaftigkeit, aber auch Humor und Liebe zu seine Figuren zu erzählen. Romain und Sabah wohnen zwar direkt gegenüber, kommen jedoch aus ganz verschiedenen Welten. Aber diese Unterschiede werden im Stück nicht nivelliert und in ein einfaches „Gut-Böse-Schema“ gepresst. Es ist einfach ein berührende Geschichte zweier junger Menschen, die sich anzunähern versuchen über alle Vorurteile und den Alltagsrassismus der jeweiligen Eltern hinweg. In einer Hinsicht ist das Stück aber parteiisch und das ist für das Überzwerg immer ein Argument: Es ist auf der Seite der Kinder und Jugendlichen. 

Hatten Sie den Autor schon vorher auf dem Schirm oder waren die Auszeichnungen für „Die Zertrennlichen“ der Auslöser, sich um die Aufführungsrechte zu bemühen?

Christoph Dewes: Da lässt mich mein Gedächtnis zumindest bei den Einzelheiten etwas im Stich. Ich glaube, ich las im Programmheft des Primeurs-Festivals 2016 davon, dass im Le Carreau in Forbach in einer Lesung dort ein französischsprachiges Stück mit dem Titel „Les séparables“ vorgestellt wird. Ich war zwar damals dann nicht dort, aber wir sind von einigen Personen darauf angesprochen worden, unter anderen auch von der damaligen Staatstheater-Chefdramaturgin Ursula Thinnes. Fabrice Melquiot gewann dann ja auch mit einem anderen Text den Autorenpreis. Und als „Les séparables“ 2017 als deutsche Übersetzung bei einem Verlag vorlag, haben ich den Text gleich bestellt, gelesen und ihn unserem künstlerischen Leiter Bob Ziegenbalg ans Herz gelegt. Und so ging es seinen Weg. Bei der Verleihung des Deutschen Kindertheaterpreises im November 2018 saß ich übrigens im Frankfurter Römer mit im Publikum und drückte die Daumen. Es waren da noch drei Stücke in der engeren Wahl. „Die Zertrennlichen“ waren mein Favorit und gewannen dann ja auch. In der Reihe hinter mir saß dann wieder Ursula Thinnes, die nach ihrer Zeit in Saarbrücken ja ans Schauspiel Frankfurt gewechselt war. Und dort hatte das Stück im November 2017 seine deutschsprachige Erstaufführung. Noch eine Verbindung nach Saarbrücken.

War es schwierig, die Rechte zu bekommen? Es haben ja bereits Theater unter anderem in Berlin, Bremen, Heidelberg und eben Frankfurt zugegriffen.

Christoph Dewes: Nein. Das Stück ist ja regulär beim Theaterverlag Felix Bloch Erben erschienen, und dort können die Aufführungsrechte erworben werden. Und in aller Bescheidenheit: Das Überzwerg ist ein renommiertes und bundesweit anerkanntes Kinder- und Jugendtheater. Auch die Theaterverlage kennen uns als zuverlässigen Partner.

Sie haben Melquiot ja über Umwegen bei Primeurs in Saarbrücken kennengelernt. Bei diesem Festival werden neue Stücke junger frankophoner Autorinnen und Autoren vorgestellt. Allerdings nur Erwachsenen-Stücke. Wäre es nicht eine Idee, bei Primeurs auch Kinderstücke einzubeziehen? Oder vielleicht sogar ein eigenes Festival für Kinder- und Jugendtheater-Texte zu gründen? Immerhin haben wir hier ja schon das deutsch-französische Kindertheater-Festival Loostik.

Christoph Dewes: Na ja, das mit den Erwachsenen-Stücken stimmt meiner Ansicht nach nicht so ganz. 2008 gewann mit „Kiwi“ von Daniel Danis ein Stück den Primeurs-Preis, das im gleichen Jahr auch den deutschen Jugendtheaterpreis gewann. Und ein Text wie David Paquets „2 Uhr 14“, bei dem es um einen Amoklauf an einer Schule geht, wurde bei Primeurs vorgestellt und auch an deutschen Kinder- und Jugendtheatern gespielt. Die Grenzen zwischen Jugend- und Erwachsenentheater sind ja auch tatsächlich fließend. Im Kindertheaterbereich könnte eine solche Veranstaltung aber tatsächlich interessant sein. Ein ganzes Festival wäre vielleicht etwas zu ambitioniert. Aber als zusätzlicher Programmpunkt bei Primeurs oder dem Kindertheater-Festival Loostik sicherlich gut denkbar...

Regie wird Lejla Divanovic führen, die bei den Überzwergen auch schon „Nathans Kinder“ inszeniert hat, ein Stück mit einer ähnlichen Thematik wie „Die Zertrennlichen“. Ist sie jetzt die neue Fachfrau der Überzwerge für interkulturelle Themen?

Christoph Dewes, Geschäftsführer der Überzwerge. Foto: Kerstin KRämer

Christoph Dewes: „Nathans Kinder“ war damals 2017 die erste Regie von Lejla Divanovic bei uns. Danach hat sie dann aber auch „Patricks Trick“ inszeniert – mit einer ganz anderen Thematik. Ich würde sie als Fachfrau für einen klugen Umgang mit Texten bezeichnen, mit einem klaren Inszenierungs-Stil und gutem Gespür für die Stärken und Schwächen ihrer jeweiligen SchauspielerInnen.