Premiere im TiV : Ein Kinderspiel: Die TiVosi „erklären den Krieg“

Fünf gestandene Künstlerinnen und Künstler erinnern im Theater im Viertel an den Beginn des Zweiten Weltkriegs. Premiere am Donnerstag.

Manchmal gehen auch Männer schwanger. Mit irgendwelchen Ideen. Und was dabei heraus kommt, muss nicht unbedingt eine Kopfgeburt bleiben – im Idealfall holen sie sich weibliche Verstärkung, und dann ist die Realisierung tatsächlich ein Kinderspiel. So wie bei der Collage „Ich erkläre den Krieg . . . Ein Kinderspiel“, die jetzt am Donnerstag, 29. August, im Theater im Viertel (TiV) uraufgeführt wird.

Seit der erfolgreichen Klabund-Revue „Kunterbuntergang des Abendlandes“ vor fast zwei Jahren grübelten Dieter Desgranges, seit 2018 emeritierter künstlerischer Leiter des TiV, und sein langjähriger Freund, der Chansonnier Sigi Becker, über eine Fortsetzung nach – ähnliches Format, anderes Thema. Dann fiel ihnen ein, dass sich am 1. September der Überfall auf Polen 1939 und damit der Beginn des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal jähren.

Diesen Gedenktag nehmen die beiden nun zum Anlass, uns den Krieg zu erklären – nach dem Modell eines alten Kinderspiels aus den 40er Jahren, das sich bis in die 50er Jahre großer Beliebtheit erfreute und das Desgranges und Becker aus eigenen Kindertagen noch gut kennen: Man schoss den „Feind“ mit einem Ball ab und konnte sich dann Teile von dessen Territorium aneignen, das mit Kreide auf dem Asphalt markiert war. Schoss man daneben, durfte der Feind sich Land nehmen.

Mitstreiter fanden Desgranges und Becker (Gitarre) in der Sängerin Ruth Boguslawski, dem Musiker Zippo Zimmermann (Piano) und dem Wortakrobaten und Musiker Karl-Heinz Heydecke (Violine) – die drei waren schon bei der Klabund-Revue mit von der Partie.

Außerdem dabei ist die Journalistin Katharina Fiedler, die sich mit literarischen Programmen einen Namen gemacht hat. Und vielleicht, verrät Desgranges, tauche am Donnerstag auch noch ein Überraschungsgast auf, aber das sei noch nicht sicher.

Kriegserklärungen gebe es heute zuhauf, argumentiert Desgranges: gegen Nationen, gegen Minderheiten, Andersdenkende, sogar gegen die Lebensgrundlagen auf unserem Planeten. „In Zeiten, da Kriege wieder unverhohlen als ‚Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln‘ geführt oder nonchalant ins Kalkül gezogen werden“, bleibt das TiV nun seiner konsequent pazifistischen Linie treu und steht erneut für Frieden auf und ein.

Und für Veränderung – denn jeder der fünf Akteure erklärt einem eigenen Feind den Krieg. In einer Collage aus Literatur, Musik und Videoeinspielungen wettern die Mitwirkenden unter Desgranges‘ Regie als „TiVosi“ gegen Krieg und gegen Kriegsgewinnler, gegen Umweltverschmutzer, Faschisten und Sozialabbau. Mit Texten und Liedern von Matthias Claudius, Andreas Gryphius, Klabund, Erich Kästner, Erich Mühsam, Georg Heym, Bob Dylan, Georges Brassens, Boris Vian, jiddischen Traditionals und von Sonja Ruf – die Wahl-Saarbrücker Schriftstellerin ist die Lebensgefährtin Heydeckes.

Ein sehr persönliches Schicksal spiegelt dabei Katharina Fiedler mit den Kindheits-Erinnerungen von Philipp Eckel, dem älteren Bruder der ehemaligen Staatstheater-Schauspielerin Thessy Eckel: Beide Geschwister haben, unabhängig voneinander, ihre Vertreibung aus Galizien und die folgende jahrelange Flucht aufgezeichnet. Thessy Eckel schildert ihre Lebensgeschichte persönlich in Fiedlers literarischem Streifzug „Heimatlos“ (mit Fred Woywode), der am 28. September als Wiederaufnahme im TiV zu sehen ist.

Premiere: Donnerstag, 29. August, 19.30 Uhr, Theater im Viertel (TiV) am Saarbrücker Landwehrplatz. Weitere Aufführungen: Freitag, 30. August, 19.30 Uhr; Sonntag, 1. September, 17 Uhr. Karten und Infos unter: Tel. (06 81) 390 46 02.
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