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Die Theaterpädagogen sorgen für Nachwuchs am Saarländischen Staatstheater

Alles für Kinder : Wie macht der Kugelfisch, wenn er gejagt wird?

Die Theaterpädagogen am Saarländischen Staatstheater müssen sich auch seltsame Fragen stellen, um den Kindern die Theaterwelt nahe zu bringen.

Dass Jakob Jokisch und Johanna Schatke, Theaterpädagogen am Saarländischen Staatstheater, die Zeit finden, ganz in Ruhe, bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee zu erklären, was sie da eigentlich so tun als Theaterpädagogen, ist nicht selbstverständlich.

Zumindest nicht in der Vorweihnachtszeit, denn da hat die Theaterpädagogik am Staatstheater besonders viel zu tun. Schließlich wird dann das kinder- und familiengeeignete Weihnachtsmärchen gespielt, in diesem Jahr ist es „Die kleine Meerjungfrau“ von Michael Schachermaier nach Hans Christian Andersen. 42 Vorstellungen gibt es in knapp zwei Monaten, ganze Reisebusse voller  Schulkinder rollen dann vors Staatstheater.

Für Jokisch und Schatke bedeutet das: jede Menge Arbeit, jede Menge Vor- und Nachbereitungen. Ein Hauptbestandteil ihrer Arbeit als Theaterpädagogen besteht darin, Kinder und Jugendliche langsam an Theater und Musik heranzuführen.

Und damit ein Theaterbesuch für die Kinder nicht nur passives Sich-Berieseln-Lassen bleibt, sondern sie sich schon einmal aktiv mit der Rolle als Kultur-Konsument befassen können, bieten Jokisch und Schatke Workshops zur Vor- und Nachbereitung des Theaterbesuchs für Schulklassen an.

Dabei kann es um ganz grundlegende Dinge gehen, denn: „Woher soll man denn wissen, dass es im Theater kein Popcorn zu kaufen gibt, wenn man noch nie da war?“, erklärt Schatke. „Oder, dass man dort als junger Mensch überhaupt erwünscht ist?“, ergänzt Jokisch.

Diese Workshops können aber auch eine ganz konkrete Auseinandersetzung mit Thematik und Inszenierung des Stücks bedeuten, an die die Kinder verpackt in Spiel und Spaß herangeführt werden. In der Vorbereitung bedeutet das für Jokisch und Schatke dann: Materialien sammeln, sich Spiele ausdenken, und sich eben auch mal überlegen, „wie so ein Kugelfisch denn eigentlich macht, wenn er gejagt wird“, sag Schatke und lacht.

Auch von Seiten des Ensembles besteht für diese Arbeit ehrliches Interesse, manchmal schaffen Jokisch und Schatke es sogar, Schauspieler zu den Workshops mitzubringen. Eine Deutungshoheit wollen sie den Künstlern allerdings nicht zusprechen, vielmehr geht es um einen offenen Dialog mit den Kindern. „Dass man sich Dinge erklären lassen kann und muss, ist generell kein Kunstbegriff, den wir fördern wollen“, betont Jokisch. Die Kinder dürfen lernen, „dass es kein richtig oder falsch gibt“ und, „dass sie ihrer eigenen Wahrnehmung trauen dürfen“, da sind Jokisch und Schatke sich einig.

Solche Workshops gibt es allerdings nicht nur für das Weihnachtsmärchen, sondern prinzipiell für alle Stücke, je nach Alter der Schulklassen, sowie für Konzerte und Opern. Das ist dann das Spezialgebiet von Johanna Schatke, die sich als studierte Musikwissenschaftlerin insbesondere um die Bereiche Musiktheater und Konzert kümmert, während Jakob Jokisch den Schwerpunkt Schauspiel hat.

„Auch Zuhören muss man lernen“, betont Schatke dabei. Und das am besten ganz früh. Daher veranstaltet die Theaterpädagogik auch immer wieder sogenannte „Sitzkissenkonzerte“ für Kinder ab vier Jahren. „Das sind Konzerte für Höranfänger“, zwei bis fünf Musiker und maximal 100 Zuhörer im Mittelfoyer“, erklärt Schatke: „Und die dürfen ganz nah dran sein – daher auch die Sitzkissen“.

Vor allem sind es aber nicht nur Konzerte für Kinder, sondern auch mit Kindern. Da fordern die Musiker auch schon einmal eine aktive Beteiligung der Kinder ein. „Das kleine Ich – bin – Ich“ im Januar ist bereits ausverkauft. Für „Max und Moritz – Schwein gehabt!“ im April und „Naftules Reisen“ im Juni/Juli gibt es noch Karten.

Außerdem gibt es einmal im Jahr ein großes Kinderkonzert, „eine klingende Instrumentenkunde“ sozusagen, das in Form einer AG der Partnerschule des Staatstheaters, des Gymnasiums am Schloss, von einer siebten Klasse konzipiert und organisiert wird. „Die Abenteuer der kleinen Trompete“ heißt es dieses Jahr, Vorstellungen gibt es am neunten Februar und am 25. März.

Zum Kinderkonzert, wie auch zum Weihnachtsmärchen, gibt es in jedem Jahr Malwettbewerbe. Die dürften manche Eltern noch aus eigenen Kindertagen kennen, „schließlich gibt es die schon länger als die Theaterpädagogik selbst“, sagen Jokisch und Schatke. Wer eine Idee hat, welche Abenteuer die kleine Trompete wohl erlebt, kann ein Bild davon malen und noch bis zum 13. Januar an das „Junge Staatstheater“, wie sich die Theaterpädagogen und ihr Angebot auch nennen, schicken.

Aktuell läuft außerdem noch eine Ausschreibung, die sich an alle Musik-Kurse der Oberstufe richtet: Wer als Kurs statt Musikunterricht lieber das Jugendkonzert im Beethoven-Jahr 2020 moderieren will, kann sich beim Jungen Staatstheater bewerben.

Außerdem betreut die Theaterpädagogik alles, was unter den Begriff „Ensemble 4“ fällt: Also den Jugendclub, die Laientheatergruppe, aber auch das Projekt „PRMTHS 2020“, bei dem sich verschiedene Schülergruppen in verschiedenen Ausdrucksformen mit Beethovens Ballettmusik „Die Geschöpfe des Prometheus“ auseinandersetzen, welche dann in zwei Aufführungen in der Alten Feuerwache zusammengeführt werden. Es wird also selten still im Hause der Theaterpädagogen. „Es gibt eine große Bandbreite an Möglichkeiten, wie man an Theater rangehen kann“, erklärt Jokisch. Aber alle haben ein Ziel: Jungen  Menschen die Lust und den Mut geben, überhaupt ins Theater zu gehen.

Weitere Informationen zum „Jungen Theater“ unter www.staatstheater.saarland/theaterpaedagogik oder Telefon (06 81) 3 09 22 48. Karten gibt es unter Telefon (06 81) 3 09 24 86.