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Interview mit Messer // Konzert am 06.07. in SB
„Die Stimmung in der Ukraine schien mir aufgeheizt zu sein“

Die Band Messer gastiert auf dem Theaterschiff Maria-Helena.
Die Band Messer gastiert auf dem Theaterschiff Maria-Helena. FOTO: Katja Ruge
Saarbrücken. Die Band Messer hat schon in China und in Kiew große Konzerte gegeben und Erfahrungen gesammelt. Am 7. Juli spielt sie in Saarbrücken.

Die Münsteraner Post-Punker Messer haben trotz ihrer deutschsprachigen Texte auch schon fernab ihrer Heimat gespielt. 2014 gastierten sie in China, im letzten Jahr waren sie in der Ukraine zu Gast. Am 6. Juli spielen sie in Saarbrücken. Und zwar an besonderem Ort: auf dem Theaterschiff Maria-Helena. Ein Gespräch mit dem 1984 geborenen Sänger Hendrik Otremba.


Die Mitglieder von Messer wohnen mittlerweile in Münster, Hamburg,
Rheine und Berlin. Ist das als Band manchmal problematisch oder dank des Internets kein Problem?

Hendrik Otremba: Wir haben die Band in einem Alter gegründet, als unsere weiteren Lebenswege noch recht offen waren. Da war auch klar, dass wir nicht für immer Nachbarn sein würden. Unser letztes Album „Jalousie“ haben wir daher auf dem Wege produziert, dass wir sehr fragmentarisch daran gearbeitet haben. Auch, weil wir nicht mehr in derselben Stadt wohnen. Gerade versuchen wir aber, Zeiträume zu finden, um wieder mehr gemeinsam im Raum zu stehen. Ich habe das Gefühl, das entspricht der Musik mehr.



Wenn von Messer die Rede ist, werden oft die lyrischen Texte hervorgehoben. Müssen Sie in einer bestimmten Stimmung fürs Texten sein?

Hendrik Otremba: Die Texte kommen einfach – das kann ich nicht steuern. Aber ich kenne diesen Zustand mittlerweile und versuche, ihn gut zu nutzen. Darüber sollte man nicht zu viel wissen und ich denke auch nicht wirklich darüber nach.

Gehen Ihnen die Texte generell leicht von der Hand oder steckt viel
Feinarbeit in ihnen?

Hendrik Otremba: Mit den Texten von Messer verhält es sich immer schon recht impulsiv. Da muss ich nicht mehr wirklich dran arbeiten. Manchmal bleibe ich aber ewig an einem winzigen Detail hängen. Das erfordert dann keine Arbeit, sondern etwas Geduld, bis mir eine Lösung zukommt.

Im April 2014 hat Messer im Auftrag des Goethe-Instituts drei
Konzerte in China gegeben. Welche Eindrücke haben Sie dort sammeln können? Es ist ja nicht alltäglich, dort zu touren.

Hendrik Otremba: Ich denke noch oft an diese Zeit, denn sie hat mich sehr inspiriert. Die Städte, die wir gesehen haben, waren beeindruckend. Ich möchte eines Tages wieder dorthin fahren. Auch unsere Konzerte waren krass, da wir auf viel größeren Bühnen gespielt haben als sonst. Das Publikum war sehr begeistert, was uns bestätigt hat, dass Musik auch sprachliche Grenzen überwinden kann.

Verfolgen Sie seitdem die gesellschaftliche und politische Entwicklung in China? Sprich: Haben Sie seit Ihrem China-Trip eine engere Bindung zu dem Land entwickelt?

Hendrik Otremba: Vielleicht mehr als vorher. Ja. Solche Momente, vor Ort zu sein also, sensibilisieren einen für eine Region. Der Zugang ist dann intensiver, als wenn man nur etwas über das Land liest. Schlagzeilen, Artikel oder Nachrichtenbeiträge sind doch etwas anderes, als mittendrin zu sein und
die Bevölkerung eines Landes kennenzulernen.

Im letzten Jahr haben Sie zum Auftakt des deutsch-ukrainischen Sprachenjahres auf dem Kontraktova Ploscha, einem der ältesten Plätze Kiews, gespielt. Wie war das? War diese Erfahrung mit der in China vergleichbar?

Hendrik Otremba: Nein, das war ganz anders. Die Stimmung im Land schien mir nach den letzten Umbrüchen aufgeheizt zu sein. Schön war aber auch dort, dass wir
beobachten konnten, wie die Energie der Musik ankommt, ohne dass die Sprache der Texte verstanden wird.

Wie ist es generell, in einem Land aufzutreten, dessen Heimatsprache Sie nicht sprechen und in dem die allermeisten Zuschauer wahrscheinlich weder Ihre Texte verstehen können noch Ihre Musik je zuvor gehört haben?

Hendrik Otremba: Man lernt vielleicht eine gewisse Demut und kommt mal aus der Komfortzone heraus und realisiert, wie verschieden das Leben der Menschen ist und wie viele Berührungspunkte es trotzdem gibt. Das waren mit die wichtigsten Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe. Ich glaube, den anderen in der Band geht es da ähnlich.

Ihr letztes Album „Jalousie“ erschien 2016. Arbeiten Sie an neuen Songs beziehungsweise wann ist mit dem Nachfolger zu rechnen?

Hendrik Otremba: Ja, das tun wir, aber das verrate ich noch nicht.

Die Fragen stellte Kai Florian Becker.

Das Konzert ist am Freitag, 6. Juli, 19.30 Uhr, auf dem Theaterschiff Maria-Helena (Liegeplatz an der Alten Brücke). Karten gibt’s unter Telefon (06 81) 6 58 17.
www.theaterschiff-maria-helena.de