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Ärger mit Belegschaft
Die Stiefelbräu-Mitarbeiter warten weiterhin auf mehr Geld

Saarbrücken. Ärger bei Gesellschaft, die zur insolventen Bruch-Brauerei gehört. Gewerkschaft NGG: Geschäftsführung bricht Sanierungstarifvertrag. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

(hgn) Angestellte der drei Lokale Stiefelbräu und Gasthaus zum Stiefel am St. Johanner Markt in Saarbrücken sowie Historische Tabaksmühle im Stadtteil St. Arnual sind verärgert. Denn sie hatten im Juli fest damit gerechnet, dass sie mehr Gehalt bekommen. Zudem war eine abgespeckte Variante Urlaubsgeld fällig. Dies sei ebenfalls ausgeblieben, heißt es aus dem Belegschaftsumfeld. Dabei sei dies in einer Sanierungsvereinbarung festgeschrieben, die Thomas Bruch, Geschäftsführer der Stiefel-Gastronomie als Dachgesellschaft der drei Standorte, mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss und Gaststätten (NGG) unterzeichnet hatte.


Demnach verzichteten die rund 50 Angestellten auf eine tarifliche Lohnerhöhung von 50 Cent pro Arbeitsstunde, um einen Beitrag zu leisten, das Unternehmen über Wasser zu halten. Außerdem zahlte der Betrieb im Vorjahr kein Urlaubsgeld, was je nach Betriebszugehörigkeit bis zu 280 Euro ausmacht. Jetzt wurde stattdessen eine Erholungsbeihilfe von unter 200 Euro fällig. Sie ist für Unternehmer steuerlich vorteilhafter als Urlaubsgeld. „Wir haben fest damit gerechnet, das Geld war schon eingeplant“, berichtet ein Betroffener. Schließlich hätten die Mitarbeiter auf Gehalt verzichtet und dem Betrieb ein zinsloses Darlehen gewährt, um es zu retten.

NGG-Saar-Chef Mark Baumeister droht mit Klage. „Wir werden nun schnellstmöglich arbeitsgerichtliche Schritte einleiten.“ Die Stiefel-Beschäftigten verzichteten „seit Jahren auf eine korrekte tarifliche Entlohnung zu Gunsten einer Arbeitsplatzsicherung“.



Thomas Bruch spricht indes von einer „kleinen Verzögerung“. Auslöser dafür: „Die Tariferhöhung und die Erholungsbeihilfe sind erst jetzt in das Lohnprogramm eingegeben worden.“ Das habe dazu geführt, dass das Lohn-Plus nicht rechtzeitig ankam. Bruch sichert zu: „Die Differenzbeträge werden selbstverständlich gezahlt“ – noch in dieser Woche.

Ungeachtet dessen läuft das Insolvenzverfahren bei der Bruch-Brauerei, ebenfalls von Thomas Bruch geführt. Grund für die Schieflage sind Steuernachforderungen von 250 000 Euro.