Sauberkeit: Die Stadt kämpft gegen Kippen

Sauberkeit : Die Stadt kämpft gegen Kippen

Zwei Aschenbecher mit Spaßfunktion für 400 Euro pro Stück sollen Saarbrücken sauberer machen. Weitere könnten folgen.

Kurz vor der Oberbürgermeisterin kamen die Männer mit den Spachteln und dem Dampfstrahler. Die beiden Wartehäuschen an der Saarbahn-Haltestelle neben der Johanneskirche wurden gereinigt. Das sei aber Zufall, versicherte Judith Pirrot vom Stadtreinigungsbetrieb ZKE. Der Auftritt der Chefin galt ja auch nicht der Haltestelle, sondern einem Detail, das helfen soll, sie sauberer zu machen, ohne dass dafür Personal notwendig ist. Charlotte Britz hat zwei Aschenbecher eingeweiht.

Nicht irgendwelche Aschenbecher natürlich, sondern sogenannte Kippenwähler. Hinter dem Begriff verbirgt sich eine Mischung aus Aschenbecher und Wahlurne. In dem Kasten sind zwei Einwurflöcher für zu Ende gerauchte Zigaretten. Über der einen Öffnung steht „. . . . am Staden chillen“. Über der anderen „ . . . am Markt Leute gucken“. Beides sind Antworten auf die Frage, die darüber steht: „Lauer Sommerabend, was machst Du?“

Damit jeder sieht, auf welchem Stand die Umfrage ist, ist vor den Behältern, in die die Zigarettenkippen fallen, eine Scheibe. Wie viele Kippen da reinpassen, kann Judith Pirrot nicht sagen. Beim ZKE seien die Raucher deutlich in der Minderheit, da seien nicht genug Kippen zusammengekommen, um zu testen, wie viele in den Kippenwähler passen.

Apropos Minderheit: Die Mehrheit der Saarbrücker, nämlich die Nichtraucher, können ihre Meinung am Kippenwähler nicht kundtun. Dieses „Demokratiedefizit“ nimmt man beim ZKE mit Humor. Man habe sich bewusst entschieden, zur Abwechslung mal eine Mehrheit zu diskriminieren. Und die Wahrscheinlichkeit, dass jemand mit dem Rauchen anfängt, nur um sich an einer Kippenwähler-Umfrage zu beteiligen, sei ja recht gering.

Auch dass die Abstimmung am Aschenbecher den Anforderungen einer geheimen Wahl nicht gerecht wird, weil Innenminister Klaus Bouillon den Platz an der Johanneskirche, wo die zwei Kippenwähler (in jede Fahrtrichtung einer) hängen, bald im großen Stil mit Videokameras überwachen lassen will, sieht der ZKE mit Gelassenheit. Es sei ja „noch viel schlimmer“, raunt Judith Pirrot: Der ZKE könne mit Hilfe einer DNA-Probe an den Kippen herausfinden, wer wie abgestimmt hat.

So unernst es beim Einweihungstermin auch zuging, so ernst ist das Anliegen des ZKE und der Stadtverwaltung. „Das wird jetzt nicht die Welt verändern“, sagte die Oberbürgermeisterin, „aber wir können auf eine sympathische Art und Weise auf ein Problem hinweisen.“

Das Thema Sauberkeit bewege viele Menschen in Saarbrücken. Der Kippenwähler mache „auf humorvolle Weise darauf aufmerksam, dass wir alle etwas für eine saubere Stadt tun können“, findet Charlotte Britz.

Viele Raucher, vermutet Judith Pirrot, sehen in der Kippe - wenn überhaupt - nur ein kleines Problem. „Da gibt es kein Bewusstsein bei einigen Rauchern. Die denken sich, dass die Kippe ja so klein ist. Die schnippt man dann einfach weg“, sagt sie. Die Stadtreinigung hat dann die Arbeit mit dem Zeug, das oft aus den Ritzen des Pflasters nur schwer wieder rauszukriegen ist. Weil das Wegwerfen von Kippen eben keine Kleinigkeit ist, wird es mit 15 Euro Bußgeld geahndet, falls man beim Wegschnippen vom kommunalen Ordnungsdienst erwischt wird.

Das Problem mit den Zigaretten sei vielfältig, erklärt der ZKE: Rauchen ist nicht nur schädlich für die Gesundheit. Achtlos weggeworfen, sind Zigarettenstummel nicht nur ein unschöner Anblick. Durch die darin enthaltenen giftigen und krebserregenden Substanzen verschmutzen sie auch die Umwelt. Auch Menschen werden gefährdet. Bei Kleinkindern könne bereits eine verschluckte Kippe zu Vergiftungssymptomen führen.

Deshalb lohnen sich auch kleine Dinge wie die Kippenzähler, sagt ZKE-Chef Bernd Selzner. Wenn die beiden Aschenbecher zum Erfolg führen, werde man weitere aufhängen. 400 Euro kostet ein solches aus England importiertes Teil zwar, aber man schöpfe alle Möglichkeiten im Kampf gegen die Kippen aus, sagt Selzner und seufzt: „Wenn wir jetzt nur noch etwas für die Hundehaufen finden würden.“

Oberbürgermeisterin Charlotte Britz weiht einen neuen Aschenbecher an der Johanneskirche ein. Foto: BeckerBredel

Wer auf andere Art zur Sauberkeit beitragen und dem ZKE Dreckecken melden will, kann das am Dreckweg-Telefon unter (08 00) 8 88 56 78 tun.

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