| 20:28 Uhr

Schlaraffia
Die „Schlaraffia Sarebrucca“ ist im Umbruch

Eine „Sippung“ der „Schlaraffia Sarebrucca“  im Keller der Saarbrücker Casino-Gesellschaft.
Eine „Sippung“ der „Schlaraffia Sarebrucca“  im Keller der Saarbrücker Casino-Gesellschaft. FOTO: Rolf Ruppenthal / rup
Saarbrücken. Die Bruderschaft von Künstlern sucht Nachwuchs. Auch Interessenten aus Lothringen sind willkommen. Von Isabell Schirra

Unter dem Begriff „Schlaraffia“ können sich wohl die Wenigsten Genaueres vorstellen. Dabei gibt es die von Künstlern und Schauspielern in Prag gegründete Bruderschaft bereits seit 159 Jahren. „Schlaraffia“, das erinnert allenfalls an Schlaraffenland. Und genau das will die weltweite, deutschsprachige Vereinigung sein – ein Schlaraffenland des Geistes. Die „Schlaraffia“ pflegt Freundschaft, Kunst und Humor, und hält den herrschenden Klassen den (Eulen-)Spiegel vor. Alles im Rahmen eines wöchentlich stattfindenden Treffens, der „Ceremonie“ – einer Art Schauspiel, in dem die Schlaraffen selbst als Ritter auftreten. So entsteht ein Wechselspiel aller Beteiligten in Wort, Bild und Musik, bei dem die einzigen Waffen Humor und Kunst bleiben.



Seit 1905 haben die Schlaraffen auch in Saarbrücken ein „Reych“, die „Schlaraffia Sarebrucca“. Und wie viele andere Vereine, hat auch die Sarebrucca Nachwuchssorgen. Seit den Anfangstagen in Prag hat sich gesellschaftlich viel getan. Ethische Werte, Kultur, Arbeitswelt und vor allem auch der Stellenwert der Frauen haben sich in den letzten 159 Jahren stark verändert. Hinzu kommt die allgegenwärtige Digitalisierung. Diese Entwicklungen hinterließen bei der Schlaraffia kaum Spuren. Man blieb alten Sitten treu und verkomplizierte die eigenen Richtlinien. Früher umfasste das Regelwerk der Schlaraffen einige Seiten, heute ist es ein dickes Heft. „Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht“,  meint Jürgen Bräumer, einer der leitenden Ritter des Saarbrücker „Schlaraffen-Reyches“. Der Mangel an Nachwuchsrittern ist also mehr oder weniger hausgemacht.

Als wäre das nicht schon genug, wurden die Saarbrücker Schlaraffen in diesem Jahr zusätzlich gebeutelt. Aufgrund von Sanierungsarbeiten in ihrer bisherigen „Burg“, im Gebäude der Casinogesellschaft, müssen die Schlaraffen ihre wöchentlichen „Sippungen“ nun im „Tochterreych“ in Völklingen abhalten. Ein normaler kreativer Betrieb fällt schwer. Allerdings will man in Saarbrücken nicht kampflos aufgeben. „Zurück zur Basis Mensch“, fordert Jürgen Bräumer, Rittername „OPNOP“. Man will Künstler animieren, sich und ihre Werke der „Sarebrucca“ vorzustellen. Dabei freue man sich auch über zweisprachige Nachbarn aus Lothringen oder gar Künstler aus fremden Kulturkreisen. Allerdings sind Politik und Religion tabu. Wer früher bei den Schlaraffen Mitglied werden wollte, musste erfolgreich im Beruf sein. Erfolg allein ist allerdings kein Zeugnis guten Charakters, und so will man sich in Saarbrücken nach dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“ mehr auf die Herzensbildung, soziales Verhalten und Kreativität zukünftiger Mitglieder konzentrieren. Auch über die oft schlechte finanzielle Lage  vieler Künstler sei man sich bewusst. „Über den Monatsbeitrag lässt sich reden, wenn sich die betreffende Person aktiv einbringt“, betont Bräumer. Derzeit ist die „Schlaraffia“ noch ein reiner Männerbund. Ritter „OPNOP“ will sich allerdings dafür einsetzen, dass in Zukunft auch Frauen in den Verein aufgenommen werden. Noch stößt er auf Gegenwind. Aber: „Nur wer gegen den Strom schwimmt, findet zur Quelle“, sagt Bräumer optimistisch.