Kultur-Tipp : Die Redner und wie (nicht nur) sie die Welt sehen

Christoph Kolumbus? Kennen wir alle. Steve Jobs? Wahrscheinlich auch. Aber wie wenig wir tatsächlich wissen über ihr Hineinwirken in unser heutiges Leben, das erkennt man schlagartig, wenn man sich die neueste Produktion der genialen Saarbrücker Performance-Gruppe Die Redner anschaut.

„Plus ultra“ heißt die und verbindet auf einzigartige Weise Auszüge aus Kolumbus’ Tagebüchern mit der viel zitierten Rede von Apple-Gründer Steve Jobs vor Studierenden in Stanford.

Diese Kombination zündet tatsächlich ein kleines Feuerwerk im Gehirn. Die Gruppe um den Jazz-Professor Oliver Strauch und den Künstler Florian Penner, bombardiert ihr Publikum mit Geistesblitzen. „Plus ultra“ ist eine einzigartige Melange aus mitreißender Musik, Tanzszenen und Texten, die im multimedialen Bühnenbild mit teils unglaublichen Bildern und Filmen ergänzt und kommentiert werden.

Angestachelt von diesem klugen Feuerwerk beginnt man zum ersten mal, im Hirn und im Herzen wirklich zu begreifen, was dieser eine Tag für Folgen hatte, als Kolumbus und seine bewaffneten Männer erstmals den  Strand der Bahamas betraten. Folgen für die gesamte Erde.

Klug ausgewählte Abschnitte aus dem Tagebuch dieses Eroberers im Namen Gottes und des Goldes werden teils live gelesen von Manuel Krass, teils eingespielt. Und man möchte am liebsten weinen. Weil einem bewusst wird, dass mit diesem ersten Kolonialismus alle Kriege, alle Goldgier und der religiöse Fanatismus von Europa aus in die Welt getragen wurden.

Dazu ist dieser Abend ein rauschhaftes, bildstarkes Theater mit einer großarigen Tänzerin (Lucyna Zwolinska) und einer tollen Posaunistin (Alisa Klein), die nicht mal auf dem Laufband aus der Puste gerät, dabei aber die Rastlosigkeit unserer Zeit wunderbar demonstriert.

„Plus ultra“ wird leider erst im März  wieder gespielt. Warum ich es Ihnen trotzdem jetzt schon empfehle: Es ist das beste Weihnachtsgeschenk, das sie einem Menschen machen können, der das Denken noch nicht ganz verlernt hat.

„Hört auf euer Herz“ rief Steve Jobs den Studierenden zu. „Follow your Heart“, riet ihnen ausgerechnet jener Mann, dessen Smartphones heute mit dafür sorgen, dass junge Leute immer weniger wissen, wofür ihr Herz eigentlich schlägt.

Vorstellungen von „Plus ultra“ sind in der Alten Feuerwache des Staatstheaters am Mittwoch, 11. März, 19.30 Uhr, Donnerstag, 12. März, 9.30 Uhr und 19.30 Uhr, und Samstag, 28.  März, 19.30 Uhr. Karten übers Theater: (0681) 3092-486.