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Die Raumskulptur von Martin Steinert am KuBa, Kulturzentrum am Eurobahnhof

Kunst im öffentlichen Raum : Ein Kunstwerk, an dem der Wein mitarbeitet

Martin Steinerts Skulptur am Eurobahnhof hat schon viele Nachfolger. Die nächsten baut er in Prag und ins albanische Tirana.

Hinter dem Kuba, dem Kulturzentrum am Eurobahnhof, steht eine der größten Skulpturen im öffentlichen Raum von Saarbrücken. Sie ist an manchen Stellen bis zu fünf Meter hoch und 13 Meter lang, dabei vollführt die Installation sogar eine Kurve.

Sie besteht aus einfachen Holzlatten, die scheinbar kreuz und quer an einem stabilen, aber fast unsichtbaren Rahmen aus Stahl befestigt wurden, bildet mal ein Zelt, mal einen Schiffsbug. Die Farbe des Holzes ist verwittert, sie geht mittlerweile in ein Grau-Braun über, dazu ist die Skulptur zum Teil mit Wildem Wein überwuchert.

Es handelt sich bei dieser Installation um die Figur „Raumskulptur“ von Martin Steinert. Der bekannte Saarbrücker Bildhauer hat mit seinen „wooden clouds“ mittlerweile schon in fünf europäischen Metropolen ähnliche Installationen gezeigt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Arbeiten von Martin Steinert ist die „Raumskulptur“ am Eurobahnhof keine kurzzeitige Installation. Denn der Bildhauer hat sie bereits vor acht Jahren gebaut. „Ich hatte als Vorbereitung damals im Herbstsalon des Kuba einen Prototyp gezeigt. Er stand ganz in der Nähe, und es war meine erste Arbeit aus Holzlatten. In diese Skulptur konnte man hineingehen“, erklärt der Künstler. Kurz danach begann er mit den Arbeiten an der „Raumskulptur“. „Sie weicht aber von dem Prototyp ab, denn sie wurde länger, schmiegt sich in eine Kurve. Aber die Idee und der Name der Skulptur sind geblieben“.

Martin Steinert hat sich weit über unsere Region als Schöpfer der „wooden clouds“ einen Namen gemacht. Der gelernte Bildhauer, der anschließend Kunstgeschichte studierte und seit 1988 als freischaffender Künstler lebt, zeigte im Jahr 2015 seine erste dieser Skulpturen in der Saarbrücker Johanneskirche. In diesen „Architekturen der Wünsche“ bringt Martin Steinert Menschen zusammen, indem er sie in den Entstehungsprozess des Kunstwerks einbindet, sie können ihre Ideen, Hoffnungen, Träume, Sorgen oder Ängste auf die Holzstäbe schreiben, die so Eingang in die Skulptur finden.

Die Lebensdauer der „wooden clouds“ ist begrenzt, denn es sind temporäre Objekte, die wieder aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Mittlerweile konnte Martin Steinert schon in St.Petersburg, in Berlin, in Paris, sowie in Ramallah im Westjordanland diese Wünsche-Installationen realisieren.

„Mitte August fahre ich nach Prag. Dort soll eine „wooden cloud“ auf einer Insel in der Moldau entstehen. Und im Oktober ist eine weitere als Teil der deutsch-albanischen Kulturwoche in Tirana, Albanien, geplant“, erzählt er. All diese Arbeiten sind kurzfristig, nur wenige Wochen zu sehen.

 Da steht die „Raumskulptur“ am Eurobahnhof schon länger. Sie unterscheidet sich auch darin, dass sie mit Pflanzen bewachsen ist. Der Wilde Wein schmiegt sich an die Holzlatten, wächst hindurch und fällt von oben herab, rundet die Formen der kantigen Holzlatten ab. Als Teil der Skulptur färbt er diese im Sommer grün, im Herbst knallrot und im Winter, ohne Blätter, kann man dann wieder die originalen Formen und Farben der Skulptur sehen.

Da diese Skulptur aus Holzlatten besteht, wird auch sie eines Tages der Vergangenheit angehören. Bis dahin dauert es aber, denn sie besteht aus Lärchenholz, hat eine Lebensdauer von über 30 Jahren. Und bis dahin akzentuiert sie den Raum, wertet ihn auf und wirkt als Außenposten des Kulturbahnhofs, eines der künstlerischen Hotspots von Saarbrücken, wo auch der Künstler sein Atelier hat.