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Gegen jede Form von Diskriminierung
Die Mügelsbergschule setzt ein Zeichen

Erst vier saarländische Berufsschulen gehören zu dem „Courage-Netzwerk“ dazu. Das TGBBZ  I ist eine von ihnen.
Erst vier saarländische Berufsschulen gehören zu dem „Courage-Netzwerk“ dazu. Das TGBBZ  I ist eine von ihnen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Das Technisch-Gewerbliche Berufsbildungszentrum I in Saarbrücken ist jetzt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Von Alexander Manderscheid

Alles lief glatt. Vier Reden, dann fand das Schild seinen Weg auf die Bühne. Noch ein Gruppenfoto, und schon darf sich die Mügelsbergschule in Saarbrücken „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen. Das Schild soll am Haupteingang hängen.


Aber Stopp. So einfach geht das natürlich nicht. Also noch mal alles auf Anfang. Schulen, die diesen Titel tragen, gibt es viele, und das ist ja auch wichtig. Denn eigentlich müssten alle Schulen daran teilnehmen, wie Mohamad Lahham meint. Der 18-Jährige ist Schüler an der Mügelsbergschule. Aber das Technisch-Gewerbliche Berufsbildungszentrum I (TGBBZ I), um genau zu sein, ist eine von nur vier Berufsschulen im Saarland, die jetzt dazugehören. Denn für eine Berufsschule ist das gar nicht so einfach, sagt Schulleiterin Rita Lauer. Um eine „Schule mit Courage“ zu werden, muss die Einrichtung Kriterien erfüllen. Sie muss mit Aktionen die Philosophie gegen jede Form von Diskriminierung leben. Das macht die Mügelsbergschule schon seit Jahren. Sie muss einen Paten vorweisen: Nun, das TGBBZ I hat mit Hip-Hopper und Ex-TGBBZ-Schüler EstA einen echten Treffer gelandet: Ein Raunen ging durch die Schüler, als sie merkten, dass auch er zur Titel-Übergabe gekommen war. Fortan steht er der Schule zur Seite. Und sie muss mit Unterschriften belegen müssen, dass 70 Prozent der Schüler hinter der Sache stehen.

Das war aber gar nicht so einfach auf einer Schule, in der so viele Leute mit unterschiedlichstem Umfeld aufeinander treffen. Die unter einen Hut zu bringen – da haben Chefin Rita Lauer und Lehrer Bastian Heinz, der intern das Projekt von Beginn an als Koordinator in die Hand genommen hat, offenbar eine Menge Arbeit hinter sich. Denn nicht jeder Schüler wollte unterschreiben – und musste ja auch nicht. Fast genau vor einem Jahr hatten sie dann 1000 Unterschriften zusammen. Die reichten.

Dass Schüler sich weigerten, die Erklärung zu unterschreiben, bringt praktisch aufs Papier, dass am TGBBZ I unterschiedliche Weltauffassungen aufeinander prallen, die sich beißen. „Wir unterhalten uns mit ihnen, versuchen, uns ihnen mit Argumenten zu nähern, und fordern sie, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, antwortet Bastian Heinz auf die Frage hin, was sie denn mit Schülern machen, die rassistisch, sexistisch oder ähnlich auffallen: „Das ist gelebte Sozialkunde“, sagt er. Aber andererseits hatte Schüler Mohamad Lahham bisher noch keine Probleme mit Rassismus an der Mügelsbergschule, wie er von sich aus erzählt. Seit drei Jahren ist der Syrer aus Aleppo in Deutschland und paukt seit sechs Monaten am TGBBZ I in einer der beiden Flüchtlingsklassen. Er will mal Automobil-Kaufmann werden, wie er sagt. Übrigens war bei einem Projekttag Rassismus auch in seiner Klasse ein Thema, das Überwinden von eigenen Ressentiments unter den Flüchtlingen gegenüber Deutschen und anderen.

Das TGBBZ I tritt nicht erst seit diesem Freitag engagiert gegen jede Form von Diskriminierung ein. Aber das neue Schild am Eingang macht schon was her. „Damit wissen die Schüler, und auch die, die zu uns kommen wollen, welche gesellschaftliche Haltung bei uns gelebt wird“, sagt Schulleiterin Rita Lauer dazu. Das Schild ist eine Aufforderung für alle, weiter am Ball zu bleiben. Und das werden sie auch. Für Ende des Jahres ist schon eine ganze Projektwoche zum Thema geplant.