Theaterschiff Saarbrücken : Der Schiffsbauch wird mit Kultur gefüllt

Auf dem Theaterschiff war es eine Zeitlang etwas ruhiger. Es galt, einiges Neues auzudenken. Was jetzt an Bord ansteht, erzählt der Chef.

Es dümpelte eine Zeitlang vor sich hin, das Saarbrücker Theaterschiff Maria-Helena. Aber in diesem Jahr wird die alte Peniche wieder ordentlich Strömung unterm Bug haben. „Wir stellen die Compagnie Lion neu auf“, erzählt Frank Lion, der Chef auf dem Schiff, im SZ-Gespräch. Auch viele andere Kulturveranstaltungen unterschiedlichster Art wird es an Bord geben.

Die letzte Premiere der Compagnie Lion war das Stück „Schule der Piraten“ und ist über zwei Jahre her. Seither war es etwas ruhiger am Liegeplatz Alte Brücke. Aber jetzt geht es Schlag auf Schlag. Neue Gesichter, neue Stücke, neue Kooperationen. Fast alles wird neu auf dem alten Kahn.

Die Compagnie, die viele Jahre meist von Frank Lion selbst geschriebene Kinderstücke aufführte, hat sich in der alten Besetzung aufgelöst. „Nach 20 Jahren“, meint Lion, „war es Zeit“. Eher projektbezogene Teams will er in Zukunft, keine feste Stammbesetzung mehr. Auch um freier zu sein in der Stückauswahl.

Die erste Premiere wird noch kein Lion-Stück sein. Aufgeführt wird „Die zweite Prinzessin“ von Gertrud Pigor. Regie führt Corinna Preisberg, gebürtige Saarländerin, die lange an Theatern auswärts gearbeitet hat. Die Regisseurin kehrt just wieder ins Saarland zurück. Die Schauspielerin des Ein-Personen-Stücks, Viola Altmann, reist extra an. Premiere ist am 7. April auf dem Schiff.

Im Herbst wird es dann wieder ein Lion-Stück geben. „Es gärt noch“, meint Lion, viel steht noch nicht fest. Außer: Es werden neue Darsteller aus der Region auf der Bühne stehen. „Wir haben schon interessante Leute getroffen, wollen aber nichts überstürzen“, sagt Lion.

Bis alles soweit ist, stehen aber viele andere Sachen an. Vor allem viele Kooperationen. So ist die Kinder- und Jugendbuchmesse als Partner an Bord. Der neue Leiter der Messe, Igor Holland-Moritz, will die Messe das Jahr über präsent machen in der Stadt. Einmal im Monat wird die Messe auf dem Schiff Lesungen für Erwachsene veranstalten. Auftakt ist am 16. Mai um 20 Uhr mit dem Schweizer Autor Nicola Bardola, der „Die 50 wichtigsten Jugendbücher“ vorstellt.

Das just anlaufende saarlandweite Literaturfestival „Erlesen“ hat sich das Schiff für seine Abschluss-Veranstaltung am 13. April ausgesucht. Mehrere Autorinnen und Autoren und Poetry-Slammerin Andrea Maria Fahnenkampf werden an Bord den Buchstaben huldigen.

Das Studierenden-Theaterfestival Grafiti entert vom 27. bis 29. Mai das Schiff. Und auch K 8, das Institut für strategische Ästhetik an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, hat das Schiff für sich entdeckt. Am 30. April veranstalten die Kunst-Studierenden einen „Maschinenraum-Salon“.

„Dann haben wir noch eine Kooperation mit der Hochschule für Musik“, sagt Barbara Bruhn, Organisations-Chefin im Zwei-Personen-Team der Compagnie Lion. Die Abteilung für Neue Musik der HfM will hier Konzerte machen, „die haben einen Narren am Schiff gefressen“, sagt Barbara Bruhn. „Sono.Collider“, der erste Termin des Labors für experimentelle Musik und neue Medien, findet am 21. Juni statt.

Und: Die Maria-Helena geht in die Kirche. Beziehungsweise die Kirche kommt an Bord. Die Jugendkirche Elija mit ihrem extrem rührigen Pfarrer Christian Heinz kommt nicht nur zu einem Stationen-Gottesdienst im Schiff vorbei. Frank Lion und Barbara Bruhn geben auch Workshops in der Kirche in der Hellwigstraße. Angelehnt an die Demos von „Fridays for Future“, mit denen Jugendliche auf der ganzen Welt mehr Anstrengungen im Kampf gegen die Klimakrise fordern, erarbeiten sie improvisierte Szenen mit den jungen Leuten. „Je nachdem, was dabei rauskommt, wird es Teil des Ostergottesdienstes“, sagt Frank Lion.

Es wird also ziemlich bunt und vielseitig auf dem Schiff in den nächsten Monaten. Es sind praktisch alle Kulturinstitutionen des Landes an Bord. Und mit dem einen oder anderen Angebot, wird das Theaterschiff auch wieder andere Häfen im Land ansteuern. Aber bis dahin wird noch ein bisschen Wasser die Saar runter fließen. . .

„Die zweite Prinzessin“ hat nächste Woche Premiere. Gertrud Pigors Stück nach einem Kinderbuch von Tony Ross hat die Geschwister-Rivalität zum Thema. Foto: Lion
Frank Lion an Bord. Foto: Iris Maria Maurer

Kontakt: Tel. (06 81) 6 58 17, E-Mail an crew@theaterschiff-maria-helena.com.