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Der ewige Galerist: Werner Redzimski
Die Kunst hat ihn noch fest im Griff

Ehemaliger Galerist Werner Redzimski im Odeon in Saarbrücken.
Ehemaliger Galerist Werner Redzimski im Odeon in Saarbrücken. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Auch zehn Jahre nach dem Ende seiner Galerie 48 organisiert Werner Redzimski Ausstellungen und stellt Kontakte her. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Als die Saarbrücker Galerie 48 im Jahr 2008 geschlossen wurde, wurde in der Saarbrücker Kunstszene orakelt, was wohl die Gründe wären. „Dabei war es ganz einfach. Ich habe von vornehinein gesagt, dass ich mit 60 Jahren aufhören werde“, erzählt der frühere Galerist Werner Redzimski. „Und ich habe mit dem Künstler aufgehört, mit dem ich auch angefangen hatte. Das war Max Neumann“, erinnert er sich. Dass Werner Redzimski eine lange Zeit seines Berufslebens der Kunst gewidmet hat, ist bekannt. Dass er aber auch selbst gemalt und gezeichnet hat, wohl weniger. „Schon im Alter von 15 Jahren habe ich eine Zeichnung der Ludwigskirche von Fritz Ludwig Schmidt abgemalt und in einer Ausstellung in Pont-à-Mousson gezeigt“, erzählt er.


Doch an die Kunsthochschule ging es erst später. Zuerst lernte Werner Redzimski den Beruf des Bauzeichners, arbeitete zwei Jahre in einer Baufirma. Ende der 60er-Jahre hat er sich dann an der damaligen Schule für Kunst und Handwerk eingeschrieben, studierte Innenarchitektur. „Im Jahr 1969 habe ich dann beim Blutspenden Max Neumann kennengelernt. Er meinte, ich solle Grafik studieren.“ So wechselte Werner Redzimski das Studienfach, studierte Grafikdesign und schloss das Studium 1973 ab.

„Danach habe ich erstmal beim Saarländischen Rundfunk gejobbt und an einem Bericht über die Arbeiterwohlfahrt mitgearbeitet. Dabei ist mein Entschluss gefallen, dort arbeiten zu wollen“, berichtet er. So kam es, dass Redzimski die Kunst hinten anstellte, und für viele Jahre Menschen mit Behinderungen betreut hat. Die Kunst wurde sein Hobby, allerdings damals schon als Sammler und Ankäufer. Doch irgendwann stellte er sich die Frage, ob er nicht doch versuchen sollte, aus der Kunst seinen Beruf zu machen. „Es müsste das Jahr 1990 gewesen sein. Da habe ich dann den Entschluss gefasst, doch noch eine Galerie zu eröffnen“, fährt Redzimski fort. Das Ladenlokal in St. Arnual bot sich an, der Name war schnell gefunden. „Galerie 48. Denn 1948 ist mein Geburtsjahr“, sagt er.

Die erste Ausstellung war eine Schau des früheren Studienkollegen Max Neumann. „Das war seine erste Ausstellung in Saarbrücken, nachdem er in Berlin große Erfolge feiern konnte“, erzählt Redzimski. Künstler Neumann habe ihn am Anfang unterstützt, denn es war nicht einfach, eine Galerie zu eröffnen. „Um internationale Künstler wie Andy Warhol oder Robert Rauschenberg auszustellen, musste ich deren Werke ankaufen. Von meinem Geld. Denn mit einer unbekannten Galerie wollte keiner zusammenarbeiten“, erläutert er.

Mit der Zeit setzte sich die Galerie durch. Das Konzept, pro Ausstellung internationale und saarländische Künstler abwechselnd zu zeigen, ging auf. Zu den saarländischen Künstlern zählten Hans Schröder, Werner Constroffer, Ute Lehnert, Sigrún Ólafsdóttir oder Jörg Munz, zu den international Renommierten Gottfried Helnwein, Paul Wunderlich oder Manfred Deix. Kooperationen mit bekannten Galerien entstanden, wie der Galerie Tammen und Busch in Berlin oder der Galerie Maeght in Paris. „Dazu fällt mir eine nette Geschichte ein. Die Kooperationspartner der Galerie Maeght wurden zu einem Essen ins Elsass eingeladen. Und jeder musste eine Tischrede halten. Als ich dran war, bedankte ich mich für die Ausstellungen, die ich mit der Galerie machen durfte, obwohl meine Galerie nur so groß war, wie deren Toiletten. Daraufhin sagte die Galeristin, sie werde ihre Toiletten vergrößern“, erzählt er lachend.



Die letzte Ausstellung der Galerie 48 fand 2008 statt. Und obwohl Werner Redzimski, der seit 32 Jahren verheiratet ist und einen erwachsenen Sohn hat, mit 60 Jahren aufhören wollte, macht er doch noch weiter in Sachen Kunst. „Ich arbeite viel an deutsch-französischen Projekten. Und mit Künstlern wie Jörg Munz, Gisela Zimmermann, Werner Constroffer und André Mailänder. Dann habe ich Ausstellungen im Finanzministerium organisiert, aber auch in Paris, habe Kontakte hergestellt, mit dem Museum St. Wendel kooperiert und arbeite derzeit an einem neuen Projekt mit der Stadt Sulzbach“, erzählt er. Langweilig wird ihm also nicht, auch wenn er keine Galerie mehr führt. Als Außenstelle und Treffpunkt dient ihm heute oft das Odeon am St. Johanner Markt, wo man ihn mit seinen Künstlern sitzen sehen kann.