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Die Ex-Bosse von Fury In The Slaughterhouse

Interview mit Thorsten und Kai Wingenfelder : „Das erfolgreiche Fury-Jahr war Fluch und Segen“

Thorsten und Kai Wingenfelder blicken auf ihre Zeit als Bosse von Fury In The Slaughterhouse zurück.

Kai und Thorsten Wingenfelder, ist der Erfolg mit Fury in the Slaughterhouse Fluch und Segen zugleich für Wingenfelder? Zuletzt titelte eine Tageszeitung „Neues Fury-Album“ und abgelichtet waren nur Sie beide?

Thorsten Wingenfelder: Das erfolgreiche Fury-Jahr war auch Fluch und Segen, da manche Medienvertreter immer noch nicht wechseln können zwischen Fury und Wingenfelder. Manche sagen spannend, interessant, manche sagen, das hatten wir ja schon. Das ist leider so heute, wir leben in Headlines. Da sieht man uns am Maschsee in Hannover und drüber steht „Neues Fury-Album“ statt „Neues Wingenfelder-Album“. Ärgerlich, aber okay.

War es schwer von Fury- auf Wingenfelder-Shows umzuswitchen?

Kai Wingenfelder: Für Thorsten nicht, für mich ist es schon schwierig. Andere Leute, mit Fury proben, ein anderes System, aber es macht trotzdem Spaß. Davor haben wir acht Jahre als Wingenfelder gespielt und dann kam Fury. Wingenfelder ist in unseren Herzen und hat sich in unseren Köpfen festgesetzt.

Warum der Album-Titel „Sieben Himmel hoch“?

Thorsten Wingenfelder: Es ist ein cooler Titel eines Songs auf unserem Album und er passt zu der heutigen Zeit wie die Faust aufs Auge. Wie sich viele Leute heutzutage benehmen, ist es eher wie drei dunkle Wolken tief, als sieben Himmel hoch. Wir könnten alle viel größer sein, hätten mehr Möglichkeiten und wären zu größeren Leistungen fähig, wenn wir uns nur ein bisschen aufmachen würden.

Musiker sagen immer über das aktuelle Album, dass es das beste und intensivste ist, ist es bei Ihnen auch so und welche Message hat „Sieben Himmel hoch“?

Kai Wingenfelder: Genau das würde ich jetzt auch sagen, aber das ist so eine Plattitüde und man sieht es schon daran, dass es ein Doppelalbum in der Zeit geworden ist, in dem normalerweise eine einzelne CD entsteht. Dieses Album ist auf der einen Seite sehr authentisch und privat, auf der anderen Seite, ist es sehr nah an der Zeit, wo wir uns gerade befinden, hat einen politischen Touch, bei dem man sich auch mal beschwert und deutlich Nein sagt. Von der Art, wie wir es produziert haben, ist es genau so, wie wir es jetzt machen sollten. Jetzt sind wir in der Lage die Sachen so zu produzieren, dass sie einigermaßen klingen und sollte es mal nicht so toll klingen, haben wir Leute, mit denen wir zusammen arbeiten. Stand jetzt auch mit der aktuellen Band ist es das beste Album, dass wir je gemacht haben, das sagen uns alle Leute, die schon ein Wingenfelder-Album im Schrank haben.

21 Songs ist eine Menge. War das beabsichtigt fernab von allen Plattenfirmen-Strategien?

Kai Wingenfelder: Wir haben zuerst gar nicht damit gerechnet, dass wir 21 Songs auf dem Album haben wollen. Am Ende des Tages fanden wir alle Lieder cool und wollten die auch alle veröffentlichen und haben uns gesagt, dass dieses Zurückhalten blöd ist. Wir glauben, dass dieses Album ein absolutes Statement ist in der Zeit, in der wir gerade leben. Wenn man dann zwei Jahre danach dies veröffentlichen würde, gibt es vielleicht ganz andere Themen, über die man Songs schreiben will. Wer weiß, was sich Donald Trump bis dahin hat einfallen lassen. Wir mussten die Songs jetzt einfach raushauen. Die Platte ist heute und genau so, wie wir denken, fühlen und lieben.

Kai Wingenfelder: (lacht) Ich war ja für 96 Himmel hoch, aber Thorsten meinte dann, das wäre zu offensichtlich (beide sind Fans von Hannover 96, Anmerkung.

Fury 2017 war überaus erfolgreich, wie viel Platz hatte denn da schon der Gedanke an Wingenfelder?

Kai Wingenfelder: Wingenfelder war immer dabei und fährt immer mit. Aber am Ende des Tages war Fury so groß und wir hatten schon die Sorge, ob wir das neue Wingenfelder-Album überhaupt fertig bekommen und es verschieben müssen. Doch wir hatten im Fury-Jahr extrem gute Laune und alles war harmonisch, es lief super, das hat es um vieles einfacher gemacht. Die wenige Zeit, die wir hatten, waren wir für Wingenfelder wirklich voll da, hatten uns hauptsächlich von Deutschland verabschiedet, sind nach Schweden und Dänemark gereist, Köpfe zugemacht, haben uns komplett nur mit dem neuen Album beschäftigt und haben das echt gut hinbekommen.

Das neue Album ist von viel Hoffnung getragen, in welcher Hinsicht?

Kai Wingenfelder: Das sagen viele Leute über die Platte. Wir empfinden es als Kompliment, wenn die Leute uns sagen, dass es kein Album ist, auf dem wir nur meckern und uns beschweren. Viele Lieder haben am Ende einen leichten positiven Dreh, wir sind kritisch, heben aber nicht mahnend den Zeigefinger von wegen, es ist alles schlecht. Man kann die Dinge bewegen und sollte nicht vergessen, dass das Leben schön ist. Sonst lohnt es sich nicht dafür zu kämpfen.

Was bedeutet Ihnen beiden Wingenfelder und wie besonders ist es?

Kai Wingenfelder: Wingenfelder ist unser Baby, Fury dagegen war eine klassische Band und manchmal vermisse ich das auch etwas. Es ist toll eine Band zu haben, manchmal relativiert sich das Ganze, auf der anderen Seite ist Wingenfelder genau das, was wir eigentlich machen wollen, dieses Album ist authentisch und so nah dran an uns wie nichts anderes. Es ist eine wunderbare Möglichkeit sich auszudrücken, nichts anderes zu machen, als das, was wir am meisten lieben, nämlich die Musik. Es ist schön, dass wir das haben.

Thorsten Wingenfelder: Ich sehe das ganz genauso. Wir versuchen mit unseren Jungs, mit denen wir bei Wingenfelder spielen, Vollgas zu geben und es ist auch schon fast ein Band-Gefühl, weil wir mit allen schon Jahre zusammen spielen und unterwegs sind. Eine Sache, die auch großartig ist, ist das Zusammensein mit Kai, wenn du kreativ bist. Das Schöne an der Musik ist nicht immer unbedingt das live spielen, es ist das Kreativsein und das macht einfach viel mehr Spaß. Wenn du einen Song irgendwo geschrieben hast, der sich total geil anfühlt und der dann auch so rüberkommt, das ist ein Glücksgefühl und das dann zu zweit, dann ist es halt sehr befriedigend. In diesen Kreativmomenten liegt etwas Heiliges, das schon ein wenig süchtig machen kann.

Ist das Brüdersein durch Wingenfelder noch intensiver und schöner geworden?

Thorsten Wingenfelder: Es bringt uns viele Tage im Jahr zusammen, das hat seine Vorteile und auch Nachteile, wobei es mehr Vorteile gibt. Wenn wir jetzt beide verschiedene Berufe hätten und würden 600 Kilometer voneinander entfernt wohnen, dann würde man ab und zu mal telefonieren, sich auf Familienfesten sehen und sich hier und da mal über den Weg laufen, das wäre dann so wie bei anderen Brüdern. Wir sind ja drei Brüder, und alle dick miteinander. Wenn man eine gemeinsame Karriere hat und viel Zeit gemeinsam verbringen kann, auch viel schweigt, ist das schon was Feines.

Wingenfelder spielen am 6. November in Saarbrücken. Thorsten und Kai Wingerfelder sind die früheren Bosse von Fury In The Slaughterhouse.