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Die Duchows: zwei Ärzte, eine Leidenschaft für den Ophüls-Preis

Festival : Der Club der begeisterten „Ophülsianer“

Das Saarbrücker Filmfestival hat viele Fans. Besonders eingefleischte sind das Ärztepaar Duchow und neuerdings ihr Gast aus Berlin.

Saarbrücken, Anfang Januar. „Liebe Ophülsianer, die blauen Herzen schlagen wieder höher. . .“, tippt Claudia Luft-Duchow in die Tasten ihres Laptops. Es ist der Anfang ihrer alljährlichen Planungs-Rundmail an ihre „Ophülsianer“, einer festen Gruppe von Freunden, mit denen sie und ihr Mann Jochen Duchow sich alljährlich in den Festival-Wahnsinn stürzen.

Welche Filme schauen wir an, wer kann wann mitkommen – um all das kümmert sich Claudia Luft-Duchow, bis zur „Blauen Stunde“ muss die Planung abgeschlossen sein. Sie besorgt auch die Karten, „seit Ophüls kenne ich meine Kreditkartennummer auswendig“, sagt sie.

Ortswechsel. Berlin, selbe Zeit. Auch die Journalistin Bettina Hirsch befindet sich in der Planungsphase. Für ihren „MondayMovieTalk“, ein Radioformat zu den Themen Film und Theater bei Alex Berlin, entwickelt sie Beiträge. Auch in diesem Jahr wird sie vom Filmfestival Max Ophüls Preis berichten. Sie regelt die Anreise, sieht das Programm durch, plant Inhalte.

Bis auf ihre Leidenschaft zum Ophüls Festival, die eine als begeisterte Cineastin, die andere als Frau vom Fach, haben die beiden Frauen wenig gemeinsam. Und doch sitzen sie jetzt, ein paar Stunden vor Eröffnung des Festivals, gemeinsam in der Küche der Duchows, trinken Kaffee, auf dem Tisch steht Kuchen. Beide tragen ein Shirt, auf dem in großen Lettern „Ophülsianer“ steht. Sie wirken wie alte Bekannte, gute Freunde. Und irgendwie sind sie das in den letzten drei Jahren auch geworden.

Nach langen Jahren des „Ich fahr da mal hin“-Sagens, kam Bettina Hirsch vor drei Jahren zum ersten Mal zum Filmfestival Max Ophüls Preis nach Saarbrücken. Und weil man, wenn man als Journalistin zum ersten Mal zu so einem Festival fährt, nicht eingeladen wird, sondern sich um Anreise, Unterkunft und alles andere selbst kümmern muss, reaktivierte Hirsch damals ihr Profil auf dem Internet-Portal „Couchsurfing.com“. Dort ist die Anfang 50-Jährige übrigens schon seit vielen Jahren 41. Das hat aber nichts mit falscher jugendlicher Koketterie zu tun. „Ich wollte lediglich vermeiden, dass mir jemand ein seniorengerechtes Zimmer anbietet“, lacht sie.

Zum Saarbrücker Ärzte-Paar Claudia Luft-Duchow und Jochen Duchow ist sie dann auf Umwegen gelangt, eigentlich hatte sie nämlich eine Anfrage an deren Tochter Luise, die damals in einer Saarbrücker WG wohnte, geschickt. Die verwies sie aber schnell weiter an ihre Eltern, die würde sie mal fragen, schließlich seien die auch „Ophülsianer“. „Da habe ich das Wort zum ersten Mal gehört“, grinst Hirsch.

Die Idee mit den T-Shirts hatte Claudia Luft-Duchow im letzten Jahr zum Festival-Jubiläum, gerade hatte sie einen Kurs im Siebdruck gemacht. Bei ihren „Opühlsianern“ kamen die allerdings so gut an, dass sie in diesem Jahr wieder welche nachdrucken musste.

Für Bettina Hirsch ist das Shirt nicht nur ein Kleidungsstück mit Statement, sondern vielmehr auch Ausdruck der besonderen Begeisterung, die die Saarbrücker für ihr Max Ophüls Festival hegen. Das sei nicht überall so, in Leipzig etwa hätten viele Bürger noch nie was vom dort stattfindenden Dokumentarfilmfestival gehört. Auch die Atmosphäre sei sehr besonders, intim vor allem.

Während des Festivals rennt Hirsch eigentlich bloß von Film zu Film. Viel Zeit mit ihren Gastgebern, den Duchows, hat sie also nicht. Dennoch läuft man sich oft spontan über den Weg, in Lolas Bistro beispielsweise, oder kann sich dann doch noch einen Film zusammen ansehen, erzählt Hirsch. „Bei der Berlinale wäre so etwas undenkbar“, erklärt sie.

Um ihren Gastgebern das zu zeigen, hat Bettina Hirsch die Duchows im letzten Jahr zur Berlinale eingeladen. „Aufregend“ sei das gewesen, sagt Claudia Luft-Duchow mit großen Augen. Ein bisschen zu aufregend, so scheint es, als würde Luft-Duchow lieber weiter „ophülsen“, wie sie sagt. Und auch Bettina Hirsch scheint dem blauen Zauber verfallen, schließlich ist sie seit ihrem ersten Besuch Jahr für Jahr zurück gekommen, schläft Jahr für Jahr bei den Duchows.