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Deutsche Bahn will mehr Lärmschutzwände

Auch Saarbrücken soll davon profitieren : Deutsche Bahn will mehr Lärmschutzwände

Unternehmen sagt, dass viele im Regionalverband gebaut werden sollen. Aber auf der Prioritätenliste steht die Region nicht weit oben.

„Wir machen Deutschland leiser!“, so lautet der Slogan der Abteilung Lärmsanierung der DB Netz AG – das ist  ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. 1999 hat die Bundesregierung das freiwillige Programm „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen des Bundes“ gestartet. Seither haben Bund und Bahn 1,4 Milliarden Euro in Lärmschutzmaßnahmen investiert. 1700 von insgesamt 3700 Streckenkilometern hat die Deutsche Bahn mit Lärmschutz ausgestattet. Das klingt erst einmal vielversprechend. Doch wie sieht die Umsetzung der Lärmsanierung in der Stadt und im Regionalverband Saarbrücken aus?

2016 berichtete die SZ bereits, dass aufgrund neuer Vorschriften neue Gutachten erstellt werden mussten. „Mit dem Bau von Lärmschutzwänden an Bahntrassen und dem Einbau von Schallschutzfenstern in Häusern sollte man frühestens 2019, realistisch 2020 rechnen“, hieß es damals. Zu diesem Zeitpunkt waren die Maßnahmen bereits mehrmals verschoben. Einziger Trost war, dass durch die neuen Richtlinien fast doppelt so viele Haushalte berücksichtigt werden sollten und somit Lärmschutz an mehr Bahntrassen möglich würde.

Das Jahr 2020 ist schon fast vorbei, aber konnten die Versprechen eingehalten werden?

Die Deutsche Bahn Projektbau GmbH erklärt, dass der Bau von rund 21 Kilometer Lärmschutzwänden geplant sei, 2015 waren es lediglich sechs Kilometer. Aus den ursprünglichen acht Lärmschutzwänden werden durch die Neuerungen 19. Davon sollen im Stadtgebiet fünf Wände mit einer Gesamtlänge von 5670 Metern auf der Strecke zwischen Saarbrücken und Konz, neun Wände mit einer Länge von 8310 Meter zwischen Saarbrücken und Homburg und wiederum fünf Wände mit 7460 Meter Länge zwischen Bingen und Saarbrücken gebaut werden. So steht es in einer Vorlage für den Umweltausschuss der Stadt Saarbrücken.

Allerdings haben die Baumaßnahmen für die genannten Strecken demnach noch nicht begonnen. Zunächst müsse jeweils ein Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahnbundesamt beantragt werden. Dieses Verfahren gehört zu den neuen Vorschriften, die seit 2015 gelten. Es ersetzt das bisher angewandte Plangenehmigungsverfahren und ist weitaus umfangreicher. Demnach werden allein die Anträge bis 2022 dauern. 2024 soll schließlich der Bau der Lärmschutzwände beginnen. „Das Ende der Baumaßnahmen wird voraussichtlich 2026 sein“, heißt es in der Vorlage. Für die Wände entstehen Stadt und Anwohner keine Kosten.

Weshalb es zu erneuten Verzögerungen kommt, kann niemand wirklich beantworten. Ein Grund dafür könnte die sogenannte Prioritätenliste sein. Denn jeder Streckenabschnitt erhält eine Priorisierungskennziffer (PKZ). Diese richtet sich nach dem Ausmaß der Lärmbelästigung und der Anzahl der Anwohner. Je lauter die Strecke ist und je mehr Anwohner vom Lärm betroffen sind, desto höher ist die Kennziffer. Je höher die PKZ ist, desto eher wird wiederum eine Strecke saniert. Dieser Wert liegt für Bereiche des Saarlandes beispielsweise bei 6,849 sowie 0,436. Zum Vergleich: Berlin verzeichnet in bestimmten Gebieten einen Wert von 106,492 und in Niedersachsen liegt die PKZ für einzelne Streckenabschnitte sogar bei 151,127. Demzufolge steht Saarbrücken nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste.

Welche weiteren Gründe für die erneute Verzögerung verantwortlich sind, bleibt offen. Die Pressestelle der Deutschen Bahn in Frankfurt am Main erwidert auf die Anfrage der Saarbrücker Zeitung lediglich: „Eine Vielzahl neuer Schallschutzwände ist im Regionalverband geplant. Bitte haben Sie jedoch Verständnis, dass wir uns aufgrund der laufenden Planungen nicht weiter im Detail äußern können.“