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Stadtbibliothek Saarbrücken
Der Weg zum Wohnzimmer der Stadt

Adin Hajric war am Freitag in der Stadtbibliothek, um für die Schule zu lernen.
Adin Hajric war am Freitag in der Stadtbibliothek, um für die Schule zu lernen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Längere Öffnungszeiten, mehr Service, geringere Gebühren – der neue Leiter der Stadtbibliothek hat mit der Politik einiges zu besprechen. Von Martin Rolshausen

Vor ein paar Tagen um kurz nach acht hatte Gerald Schleiwies sein erstes saarländisches Problem. Der 44-Jährige wollte auf dem Heimweg noch schnell etwas einkaufen und stellte fest: Die Läden haben alle zu. In Niedersachsen, wo der neue Leiter der Saarbrücker Stadtbibliothek bis vor kurzem lebte, seien die Ladenöffnungszeiten wesenlich flexibler, sagt er. Und er hat den Verdacht, dass er bald selbst mit dem saarländischen Ladenöffnungszeitengesetz in Konflikt geraten könnte.


Zu den Ideen, die der Neue aus Salzgitter mitgebracht hat, gehört nämlich auch die Ausweitung der Bibliotheks-Öffnungszeiten. Seine Vorgängerin Karin Lauf-Immesberger hatte die Zeiten vor etwa einem Jahr etwas erweitert. Von Dienstag bis Freitag ist die Bibliothek neben dem Rathaus von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Das sei „Normalität“ in Deutschland.

Dass Bibliotheken, vor allem solche, die wie die Saarbrücker sehr zentral in der Stadt liegen, mehr können, zeige sich aber in Skandinavien. In einer norwegischen Stadt, die gerade halb so viele Einwohner hat wie Saarbrücken, sei die öffentliche Bücherei zum Beispiel von 7 bis 22 Uhr geöffnet, schwärmt Gerald Schleiwies. Geöffnet, das heiße nicht, dass die ganze Zeit über Fachpersonal da ist. In den Randzeiten sei nur ein Wachmann in der Bibliothek rumgelaufen. Das sei auch in Ordnung so, denn: „Wenn ich morgens um acht Zeitung lesen will, brauche ich kein Personal. Wenn ich abends noch um neun noch mal schnell ins Internet will, auch nicht.“



So etwas kann sich Gerald Schleiwies auch in Saarbrücken vorstellen. „Wenn die Politik das will“, sagt er, „denn Wachpersonal kostet ja auch Geld.“ Längere Öffnungszeiten würden jedenfalls helfen, die Bilbliothek zu dem zu machen, was sie im günstigsten Fall sein sollte: „das „Wohnzimmer der Stadt“, also „ein sozialer Ort“.

„Das Haus gehört den Bürgern der Stadt“, sagt der neue Leiter. Das heiße: „Die Bibliothek ist nicht nur für die Bücher da, sondern in erster Linie für die Menschen.“ Und über deren Bedürfnisse will er mit den 27 Frauen und drei Männern, die zu seinem Team gehören, nachdenken. Das bedeute auch, sich mit dem Thema Armut auseinanderzusetzen. Vor allem für Arbeitslose könne eine Bibliothek ein Ort sein, der Struktur ins Leben bringt. Es gebe Menschen, die zu festen Zeiten, manche jeden Tag, in die Bücherei kommen. Und weil Armut ein Thema ist, müsse man auch über Gebühren neu nachdenken.

In Skandinavien gebe es zum Beispiel anders als in Saarbrücken keine Jahresgebühr, die Ausleihe und die Internetnutzung seien dort frei, „aber die Nutzung der Toilette kostet etwas“.

Ob das ein Modell für Saarbrücken sei, müsse das Bibliotheksteam mit der Stadtpolitik diskutieren. Auch darüber, wie man den Service „im Kleinen“ verbessern kann, etwa durch die Möglichkeit, Leihfristen übers Handy zu verlängern. Und die Zusammenarbeit mit anderen Bibliotheken im Saarland könne sicher auch verbessert werden. Da sieht er aber kein saarländisches Problem.

Gerald Schleiwies, Leiter der Saarbrücker Stadtbibliothek.
Gerald Schleiwies, Leiter der Saarbrücker Stadtbibliothek. FOTO: Martin Rolshausen