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Der Schneemann am Kraftwerk Römerbrücke

Kunst im öffentlichen Raum : Eiskalte Kunst an einem manchmal ziemlich heißen Ort

Der Schneemann von Peter Fischli und  David Weiss ist eines von mehreren Kunstwerken, die das Kraftwerk Römerbrücke zu etwas Besonderem machen.

In einem transparenten Kühlschrank steht er da – der Schneemann vor dem Kraftwerk Römerbrücke im Gewerbegebiet Ostspange in Saarbrücken. Er ist in etwa lebensgroß, besteht aus drei mehr oder weniger kugelrunden, weißen Formen, genau so, wie das jedes Kind von einem Schneemann kennt.

Sein Gesicht bildet eine lange, spitze Nase, allerdings nicht aus einer Karotte bestehend, sondern aus einem weißen, matten Kunststoff. Mund- und Augenöffnungen sind dagegen tief ausgehöhlt. Ein Schild hinter ihm gibt über ihn Auskunft, zeigt zudem, wie er gelegentlich auch aussehen kann – nämlich von einer glitzernden, eiskalten Raureifschicht überzogen. Allerdings steht auch gleich dabei, dass dieser Raureif nur gebildet wird, wenn im Kraftwerk Strom produziert wird, und das komme nicht immer vor.

Der Schneemann ist ein Kunstwerk der Schweizer Künstler Peter Fischli und David Weiss. Sein Reiz besteht neben dem Zitat des kindlichen Schneemannbauens auch aus dem Gegensatz „von Eis (beim Schneemann) und Feuer (für die Stromerzeugung) und ist für die Künstler ein sehr starker Kommentar über den Ort“, so erläutert das Schild weiter.

Peter Fischli und David Weiss waren bis zum Tod von David Weiss im Jahr 2012 ein Künstlerduo und zählten zu den renommiertesten Gegenwartskünstlern der Schweiz. Die beiden legten sich in ihrer Kunst nicht fest, arbeiteten neben Plastiken aus den unterschiedlichsten Materialien auch mit Videos, Fotografie und Installationen. Oft finden sich in ihren Arbeiten Gegenstände des Alltags, die sie humorvoll und ironisch in andere Zusammenhänge bringen. Ganz so, wie ein Schneemann in einer Kühlvitrine, der eben nur manchmal eiskalt glitzert.

Der Schneemann ist jedoch nur eines von mehreren Kunstwerken rund um das Kraftwerk Römerbrücke. Im Jahr 1985 wurde der Erweiterungsbau des 1964 gebauten Kraftwerks begonnen, geplant von dem Architektenteam Jochem Jourdan und Bernhard Müller. Und schon das Konzept sah vor, das Gebäude auch künstlerisch zu gestalten.

Man verpflichtete den damaligen Leiter der Frankfurter Städelschule Kaspar König als Berater, der im Jahr 1990 fünf Künstler auswählte, Werke für den Ort zu erschaffen. Neben Peter Fischli und David Weiss waren das auch Katharina Frisch mit „Die Mühle“, ein stilisierter Mühlenbau, unweit des Kraftwerks an der Spitze der Landzunge gegenüber dem Osthafen. Der „Tempel“ von Edward Allington stürzt an der Saarseite fast vom Dach des Kraftwerks, die „Häuserlandschaft aus Leuchtkörpern“ von Thomas Schütte ist eine Lichtinstallation aus 28 quadratischen Kessel­hausfenstern als Fassadengestaltung.

Alle Kunstwerke nehmen Bezug zur modernen Architektur des Kraftwerks, sowie zum Thema der Energieversorgung. Sie sorgen dafür, dass das Kraftwerk auch als Gesamtkunstwerk angesehen werden kann.