1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt

Der Saarbrücker Schauspielschüler Carsten Lepper hat es weit gebracht

Porträt : Von Saarbrücken aus in die Musicalwelt

Auch kleine Hürden konnten Carsten Lepper nicht davon abhalten, die großen Musicalbühnen zu erobern.

Heute zählt Carsten Lepper zu den großen Musicalstars. Seit seinem Durchbruch als Königinnen-Mörder Luigi Luccheni in der Essener Inszenierung von „Elisabeth“ (neben Uwe Köger als Tod) 2001, hat der 43-jährige gelernte Schauspieler, der heute in Wien lebt, in rund 30 großen Musical-Produktionen mitgespielt. Dass Leppers Gesangsstimme den Ausschlag für seine Karriere geben würde, war dabei nicht unbedingt abzusehen, als er sich Mitte der 90er auf der Saarbrücker Schauspielschule bewarb. Schon seit dem elften Lebensjahr spielte der Westfale auf der Freilichtbühne Coesfeld Amateurtheater, in der „Linie 1“ vor 800 Zuschauern war er als Teenager auf den Geschmack von Musicals gekommen. In deutschen Schauspielschulen, die traditionell Sprechtheaterschulen seien, sei dieses Genre aber total verpönt.

Detlef Jacobsen sei ein toller Lehrer gewesen, sagt Lepper. Wie man Rollen erarbeite, sie ganz aus sich selbst heraus entwickle, da habe man als Studierender bei Jacobsen Entscheidendes fürs Leben gelernt. Doch Leppers „eigentlicher“ Lehrer und Mentor wurde Schauspieler Jürgen Kirchhoff. „Er war mein Star“, schwärmt Lepper. Nur bei Kirchhoff fand er offenes Gehör für seinen Wunsch, auch Musicals anzuvisieren. Kirchhoff bescheinigte ihm dafür Talent und bestärkte ihn, es auszubauen. Das wiederum übernahm dann Brigitta Matthieu: Die Sopranistin am Staatstheater, die Gesang an der Schauspielschule lehrte, gab Lepper zusätzliche Privatstunden, um seine Stimme auszubilden. „In kürzester Zeit wurde meine Gesangstimme sehr, sehr groß, das wirkte sich auch aufs Sprechen aus, die Lehrer waren irritiert“, erinnert sich Lepper.

Matthieu bekam einen Anruf aus der Chefetage. Man verbot ihr, Lepper über das für Schauspieler nötige Maß hinaus stimmlich auszubilden. Fortan machten die beiden heimlich weiter. Drei Jahre lang gab sie ihm mehrmals wöchentlich nach ihren Abendvorstellungen am Staatstheater Unterricht. Und mehr noch: Sie habe keinen Cent dafür gewollt, habe gesagt, er sei ihre Berufung. „Ich bin dieser Frau bis heute zu größtem Dank verpflichtet“, sagt Lepper ehrfürchtig.

Nun ließ sich das Talent nicht mehr aufhalten: Im Jahr vor seinem Abschluss ließ sich Lepper in Hamburg auf der neueröffneten Musical-Akademie des Stella-Konzerns „testen“. Der Konzern, der die mit Cats, Phantom der Oper und Starlight Exprese ersten großen Musicalproduktionen in Deutschland einführte, litt unter Nachwuchsmangel. Sie nahmen Lepper sofort mit Kusshand und gaben ihm, als er sagte, er könne das Schulgeld nicht zahlen, sogar ein Vollstipendium. Jacobsen wiederum räumte dafür die letzte Hürde aus dem Weg, der Lepper einen vorgezogenen Studienabschluss ermöglichte.

Noch während der Fortbildung auf der Stella-Akademie wurde Lepper dann „vom Fleck weg“ von einem Schweizer Regisseur für Andrew Lloyd Webbers „Aspects of Love“ in Bern engagiert. „Es war eine Riesenpartie, ich trat in 38 von 44 Szenen des Musicals auf“, erzählt der Sänger-Darsteller. Kaum war das Stück abgespielt, folgte das Engagement für die Essener „Elisabeth“- Inszenierung, die Lepper endgültig zu Bekanntheit verhalf – und zu einem Kritikerpreis als „Bester Darsteller“. Danach folgte eine große Rolle nach der anderen. Seit zwei Jahren führt Lepper auch bei Musicals Regie – warum nicht auch mal in Saarbrücken? Er hätte nichts dagegen.