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Lichtinstallation: Der Reiz einer Brücke von unten

Lichtinstallation : Der Reiz einer Brücke von unten

Künstler Martin Fell taucht in wenigen Tagen die Bismarckbrücke in funkelndes Licht.

Wenn Martin Fell am 24. November endlich das „Flusslicht“ anknipst, wird das vielleicht kein großer Schritt für die Menschheit sein, doch ein Riesensprung für Saarbrücken.

Denn bisher war die Landeshauptstadt total unterbelichtet – zumindest was den Umgang mit ihren Brücken betrifft. Wie es sich für eine Großstadt am Fluss gehört, hat sie davon eine stattliche Anzahl und trägt sie sogar im Namen. Doch während andere Flussstädte, die was auf sich halten, ihre Brücken längst in Serie mit Lichtkunst inszenierten, strahlten auf Saarbrücker Brücken bisher nur Straßenlampen. Und darunter war es finster.

Damit ist es ab kommenden Freitag, 24. November, 19 Uhr, vorbei: Dank Martin Fell wird es nun zumindest unter einer der Saar-Brücken magisch funkeln. Wer abends an der Bismarckbrücke vorbeiflaniert, kann ein richtiges Schauspiel erleben, für das der aus Völklingen stammende Absolvent der Hochschule der Bildenden Künste und Meisterschüler von Daniel Hausig nur zwei Zutaten braucht: Wasser und Licht.

Die Idee zu dieser Media-Art-Installation hatte Martin Fell schon 2013, erzählt der Künstler. Damals wirkte er unter Leitung von Hausig am Saarbrücker „Light-Act“, der großen Video-Mapping-Bespielung der Berliner Promenade durch die HBKSaar, mit. Im Vorfeld dieses Projekts sollten die Studierenden sich laut Fell in der ganzen Stadt umschauen nach weiteren Orten, die man mit Media Art bespielen könnte.

Dabei entdeckte Fell den Reiz der Brücken von unten. „Brückenunterseiten werden ja meist nicht beachtet, weil sich alles Wichtige auf der Oberseite abspielt“, sagt Fell. Außerdem hätten sie einen schlechten Ruf, wie schon der Spruch „Willst Du unter der Brücke landen?“ beweise. Die Bismarckbrücke gefiel dem Künstler besonders: Weil sie in einem einzigen Bogen den Fluss überspanne und damit eine große, nicht unterbrochene Fläche biete, erklärt er.

Damals also machte Fell im Seminar erste Entwürfe, schnappte sich Projektoren, lieh sich Strom vom Saarbrücker Saarstrand-Betreiber und machte vor Ort Versuche. Dabei stellte er fest: Man braucht gar keine Videoprojektion, um ein dynamisches Bild aus Linien und hellen und dunklen Strukturen zu erzeugen. „Das ist eigentlich alles schon in diesem Medium Wasser gespeichert, in einer bildnerischen Qualität, mit der kein Computer konkurrieren kann“, sagt Fell. So konnte der Künstler den Einsatz von Geräten auf zwei Profilscheinwerfer reduzieren, die auf die Saar strahlen und das Spiel der Wellen auf die Brückenunterseite reflektieren.

Doch 2013 kamen viele andere wichtige Projekte, die Idee verschwand in der Schublade. Erst 2016 nach dem Diplom, bei dem Martin Fell mit der Gruppe „Tjurip“ ein ganzes Industriegebäude im Fasanenweg bespielte, holte er das „Flusslicht“-Projekt wieder hervor. Anfang 2017, erzählt der Künstler, reichte er es als Initiativbewerbung beim Kulturamt ein – und überzeugte alle nötigen städtischen Gremien. Wochenlang hat Fell dann noch abends an der Brücke tüfteln müssen. Denn die richtigen Scheinwerfer richtig auszurichten, dass die Licht-Reflektionen ein perfektes Bild ergeben, ist gar nicht so einfach. Mit Profilscheinwerfern müsse man etwa das Licht so „zuschneiden“, dass es über die Ränder des Brückbogens nicht hinausscheine, erklärt er.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt prüfte, dass das Licht nicht etwa Schiffskapitäne blendet. Außerdem galt es, die perspektivischen Verzerrungen, die durch die Biegung der bestrahlten Fläche entstehen, auszugleichen, fügt Fell hinzu. Doch am 24. November, wenn Fell im Beisein von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Kulturdezernent Thomas Brück, das „Flusslicht“ um 19 Uhr offiziell startet, soll diesen Aufwand niemand mehr ahnen und sich ganz der Poesie des Zusammenspiels von Licht und Wasser überlassen.