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neuer Saarbrücker kunstverein geht fremd
Wieso Saarbrücker eine Ulmer Burg bespielen

Zu Burgfestspielen auf der Ulmer Wilhelmsburg lädt der Neue Saarbrücker Kunstverein. Während der gemeinsamen Zeit auf der Burg wird auch schon mal frisch gewaschene Wäsche zum Kunst-Objekt.
Zu Burgfestspielen auf der Ulmer Wilhelmsburg lädt der Neue Saarbrücker Kunstverein. Während der gemeinsamen Zeit auf der Burg wird auch schon mal frisch gewaschene Wäsche zum Kunst-Objekt. FOTO: Kunstverein
Saarbrücken. Der Neue Saarbrücker Kunstverein hat seinen Radius enorm erweitert. Seit August sind die Mitglieder in der Ulmer Wilhelmsburg aktiv. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Derzeit ist es etwas ruhig um den Neuen Saarbrücker Kunstverein – aber nur in Saarbrücken. Eingeweihte wissen, dass die jungen, aktiven Mitglieder und Künstler des Vereins gerade ein sehr großes Projekt stemmen. Der Verein hat eine Ausschreibung in Ulm gewonnen, wo er für zwei Monate die Wilhelmsburg mit außergewöhnlichen Kunstaktionen bespielt.


Die Wilhelmsburg ist ein Teil der Bundesfestung Ulm und wurde von 1842 bis 1859 erbaut. Und ist daher eigentlich kein Wohnquartier. „Es ist eine Festungsanlage. Nur ein kleiner Bereich eignet sich zum Wohnen, wenn überhaupt. Und dort leben wir derzeit“, erzählt Myriam Kind. Sie ist aktives Mitglied des Vereins und gemeinsam mit den Vereinsmitgliedern Frédéric Ehlers und Martina Wegener in Ulm vor Ort. Dorthin haben sie in den letzten Wochen verschiedene internationale Künstler eingeladen, um mit ihnen zu wohnen, Kunstaktionen zu entwickeln und durchzuführen.

Die Kunst vor Ort stammt daher von den eingeladenen Künstlern, während die Unterstützung, das Gesamtkonzept und die Organisationen beim Neuen Saarbrücker Kunstverein liegen. „Alle zwei Wochen, immer sonntags, präsentieren wir dann, was in der Zeit passiert ist“, erläutert Myriam Kind das Programm ihrer „Burgfestspiele“.



Insgesamt stellen in den zwei Monaten neun internationale  Künstler ihre Installationen, Projekte und Performances den Ulmer Bürgern vor. Und das kommt in Ulm richtig gut an. „Am letzten August-Sonntag hat Niklas Bardeli in einem Fledermauskostüm an einer Orgel gehangen, darauf gespielt und Texte vorgetragen. Diese Performance war toll.“ Die Ulmer finden das auch und kommen in Scharen. „Wir hatten an dem Sonntag über 500 Gäste hier, allein 120 Teilnehmer bei unseren Führungen. Und die Presse hat auch groß berichtet“, erzählt Kind. Die Freude darüber sei groß, aber die Tage sind auch anstrengend. Denn es gibt immer viel zu regeln, zu organisieren.

Zum Beispiel auch die Frage, wie kann man die Saarbrücker in die Burgfestspiele einbinden? „Da haben wir uns etwas ausgedacht. Wir werden einen Shuttle-Bus einsetzen“, erklärt Myriam Kind. Am Sonntag, 23. September, wird ein Bus von der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) in der Keplerstraße abfahren und 36 kunstinteressierte Saarbrücker nach Ulm zur Wilhelmsburg fahren. „Das ist eine Exkursion der HBK, die sich daran beteiligt. Für die Mitglieder unseres Vereins ist die Fahrt kostenlos.“ Nichtmitglieder, die sich für die Fahrt und den Neuen Saarbrücker Kunstverein interessieren, können im Bus eine Mitgliedschaft abschließen – für zwölf Euro im Jahr.

Und was erwartet die Bus-Reisenden? „An dem Sonntag werden die Künstlerinnen Cornelia Fachinger aus Berlin und die Schwedin Johna Hansen ihre Werke präsentieren. Was genau, das wissen wir noch nicht. Denn das wird erst beim gemeinsamen Wohnen in der Festung entwickelt. Genau das ist ja das Spannende an den Burgfestspielen“, sagt Myriam Kind.

Wer mitfahren will am 23. September, kann sich per E-Mail an info@neuersaarbrueckerkunstverein.de anmelden.
www.die-wilhelmsburg.de/pop-up-space
www.neuersaarbrueckerkunstverein.de

In Saarbrücken ist der Neue Kunstverein für eigenwillige Kunstaktionen bekannt, wie hier das „Theoretische Tischtennis“ mit: Martina Wegener, Hannah Mevis, Myriam Kind und Andreas Golczewski (von links).
In Saarbrücken ist der Neue Kunstverein für eigenwillige Kunstaktionen bekannt, wie hier das „Theoretische Tischtennis“ mit: Martina Wegener, Hannah Mevis, Myriam Kind und Andreas Golczewski (von links). FOTO: Foto ¬© Rich Serra - www.rich-se / Rich Serra