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Flußschifffahrt
Der Kapitän bleibt noch an Bord

Bis die „Frohsina“ die Schleuse Güdingen wieder passieren kann, wird es wohl noch bis April dauern. Zurzeit wird das denkmalgeschützte Bauwerk renoviert.
Bis die „Frohsina“ die Schleuse Güdingen wieder passieren kann, wird es wohl noch bis April dauern. Zurzeit wird das denkmalgeschützte Bauwerk renoviert. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Günter Emmer hat bisher keinen Käufer für sein Personenschifffahrtsunternehmen gefunden. Saargemünd-Touren wohl erst ab April. Von Alexander Manderscheid

Boot? Nein, so sagt man aber nicht. Alles, was so 20, 30 Meter lang ist, das heißt hier Schiff. Günter Emmer ist schon ganz schön in Fahrt beim Erzählen über seine Flotte, die sich gerade gemütlich mit ein paar Tauen an der Berliner Promenade festhält. Gut so, denn andersherum wäre es auch komisch, da ja gerade Hochwasser ist und der Kapitän immer mit auf dem Schiff sein muss. Einfach so losschippern ist da mal nicht drin.


Günter Emmer ist der Boss von der Günter Emmer GmbH, was der Name der Firma ja schon nahelegt, und er ist der einzige, der hier in Saarbrücken Fahrgäste über die Saar bewegt. Das passiert dann in Form von zweidimensionalen Stadtrundfahrten, Elf-Stunden-Touren bis hoch zur Saarschleife und wieder zurück, gen Süden nach Saargemünd und Sonderfahrten: Einmal ging es mit 70 Zigarrenrauchern den Fluß hinab, „das war vielleicht ein Qualm!“: „Smoke on the water“, Emmer hat ein Händchen für treffende Tourentitel.

Alles gut und schön, nur nach Saargemünd geht es zurzeit leider nicht. Das Problem ist die denkmalgeschützte Schleuse Güdingen. Sie ist gesperrt, weil sie gerade renoviert wird. „Im letzten Jahr haben sie nur die Hälfte geschafft“, erklärt Emmer aus seiner Sicht. Die neuen Tore hätten sich beim Einbauen verbogen und mussten wieder ausgebaut werden. Aber im April soll sie dann endlich öffnen und den Weg nach Frankreich freigeben. Der Bund ist für die Renovierung zuständig, die Saar ist eine Bundeswasserstraße.

Seit 17 Jahren lässt Günter Emmer in Saarbrücken immer wieder die Anker ins Wasser plumpsen, davor haben es schon über Jahrzehnte hinweg andere getan. Zwei Schiffe nennt er die seinen. Da ist die „Stadt Saarbrücken“, die als der größere Dampfer gut und gerne 250 Passagiere schultern kann. Sie ist in Königswinter 1989 extra für die Saar gebaut worden. Die „Frohsina“ packt weniger, ist aber älter. Sie stammt von 1907, und das Gerippe, sagt Emmer, ist auch noch von damals. Sie diente in der DDR als Frachter für Kies und ähnliches, bis Emmers Vorgänger, die Familie Hauck, sie kurz nach der Wende ins Saarland holten und zu einem Fahrgastschiff umbauten. Beide Schiffe liegen dauerhaft an der Berliner Promenade an der einen der beiden Anlegestellen der Firma. An der zweiten am Staatstheater steigen immer die Passagiere zu. Auch die Landeshauptstadt hat Anlegestellen, eine an der Congresshalle und eine am Finanzamt. Aber hier hält Emmer nicht, denn dann müsste er Gebühren zahlen. Das will er schön bleiben lassen, auch wenn er schuldenfrei ist.

Was er an seinem Unternehmen unterm Strich verdient, fließt also praktisch direkt in sein Portemonnaie. „Wenn ich weiterarbeite, würde ich zwanzig-, dreißig-, vierzigtausend Euro im Jahr verdienen. Aber wenn ich sterbe, habe ich auch nichts mehr davon.“ 62 Jahre ist er inzwischen alt. Und nachdem seine Frau, die ordentlich mit anpackt, fünf Bypässe bekommen hat, soll mit dem Stress Schluss sein.



Erste Interessenten haben sich schon die „Frohsina“ angesehen. Aber während die einen aus dem Schiff und der „Stadt Saarbrücken“ Kneipen machen wollen, die nur noch vor Anker liegen, was für Emmer absolut nicht in Frage kommt, rollen den anderen die Schweißperlen schon von der Stirn, wenn sie nur hören, was sie als Nachfolger alles leisten müssten. „Ich leite eine Riesenfabrik“, sagt Emmer. Kapitän sein, sich um die Gäste kümmern. Und dann ist da noch der Maschinenraum und quasi ein Bürogebäude auf der „Frohsina“, die heute einen Wert von rund 300 000 Euro hat – gegenüber den 600 000 Euro für die Stadt Saarbrücken.

Letztere würde heute als werftneu 1,5 bis 2 Millionen Euro kosten. „Also muss ich wohl erst mal weitermachen“, sagt der Saarbrücker Kapitän. „Aber mit suchen höre ich nicht auf.“

Die „Stadt Saarbrücken“ (links) ist das größere der beiden Schiffe von Kapitän Günter Emmer. Auf sie passen 250 Fahrgäste. Die „Frohsina“ ist dafür das wesentlich ältere: 1907 hat sie ihre Werft verlassen. Sie diente mal als Kiesfrachter in der DDR.
Die „Stadt Saarbrücken“ (links) ist das größere der beiden Schiffe von Kapitän Günter Emmer. Auf sie passen 250 Fahrgäste. Die „Frohsina“ ist dafür das wesentlich ältere: 1907 hat sie ihre Werft verlassen. Sie diente mal als Kiesfrachter in der DDR. FOTO: BeckerBredel
Günter Emmer leitet mit dem Schiffsunternehmen eine „Riesenfabrik“, wie er sagt.
Günter Emmer leitet mit dem Schiffsunternehmen eine „Riesenfabrik“, wie er sagt. FOTO: BeckerBredel