Porträt : „Little Hollywood“ ist Jungfilmers Traumland

Schon in der Schulzeit am Willi-Graf-Gymnasium entdeckte Justin Irsch seine Begeisterung für Dokumentarfilme. Heute macht er eine Ausbildung beim Südwestdeutschen Rundfunk.

Justin Irsch hat allein von seiner Körpergröße her einen guten Überblick – der 21-Jährige misst genau zwei Meter. Auf Dinge blicken, genauer hinsehen, eine andere Perspektive einnehmen, das alles passt gut zu einem Dokumentarfilmer. Vor einigen Wochen hat der in Riegelsberg aufgewachsene Irsch den ersten Preis für sein Schaffen einheimsen können, nämlich den Jugendfilmpreis des Bundes der deutschen Filmautoren (BDFA) und der saarländischen Kultusministerin Christine Streichert-Clivot.

Sein Dokumentarfilm „Little Hollywood“ beschreibt den schwierigen Kampf eines Kinobetreibers im Schwarzwald ums finanzielle Überleben. Wer sich den viertelstündigen Film anschaut (einfach auf Youtube die Suchbegriffe „Irsch Little Hollywood“ eingeben), käme nie auf die Idee, dass hier ein Jungfilmer am Werk war. Denn Kameraführung, Bildqualität und Einfühlsamkeit sind auf professionellem Niveau.

Das liegt daran, dass Irsch zum einen sehr früh mit dem Filmen angefangen hat und zum anderen gerade beim Südwestrundfunk (SWR) in der Ausbildung ist. „Ich sehe manchmal die Fotos von meinem Opa, da hatte ich ganz früh seine Kamera in der Hand. Ich habe also schon sehr früh etwas gedreht.“

Zur Kommunion bekam er dann eine eigene Kamera von seiner Oma geschenkt, mit der er gerne spaßige Experimente durchführte – etwa jemanden beim Essen filmen und das rückwärts ablaufen lassen.

So richtig kam Irsch dann während seiner Zeit auf der Saarbrücker Willi-Graf-Realschule zum Filmen. „Die Schulleiterin hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, ein kleines Filmprojekt zu machen anlässlich des 70. Todestags von Willi Graf.“ Der Filmautor war damals 13 Jahre alt. „Da hat es mich richtig gepackt.“

Irsch suchte dann nach einer Organisation, die ihm weiterhelfen könnte, und stieß auf den AFW (Amateur-Filmclub Würzbach) in Blieskastel. „Jürgen Baquet, der erste Vorsitzende, setzt sich sehr für die Jugend ein.“ Irsch drehte dann zum Beispiel eine Dokumentation über einen Firmenlauf. „Ich finde es einfach schön, über Menschen eine Geschichte zu erzählen, die es wirklich gibt.“

Um mehr an die Jugend heranzukommen, wurde Irsch Jugendbeauftragter des AFW, später auch vom BDFA Saar. Dass er von der eigenen Organisation einen Preis bekam, ist in keiner Weise verwerflich: „Das entscheidet eine unabhängige Jury. Es wäre auch schade für mich, wenn ich als Jugendbeauftragter keine Filme mehr einreichen dürfte.“

Klar war für ihn, dass er nach dem Abitur auch eine Ausbildung anstrebt, die er mit seinem Hobby verbinden kann. Der SWR in Baden-Baden griff bei Irschs Bewerbung als Mediengestalter etwas früher zu als der Saarländische Rundfunk, sodass er dort zusagte, obwohl ihn mit dem Saarland viel verbindet. So hat er die technische Leitung des Kurzfilmfestivals „Filmreif“ in St. Ingbert inne.

Aber der Jungfilmer ist doch fasziniert von der reichhaltigen Ausstattung des SWR. Bei verschiedenen Tatort-Produktionen konnte er schon früh als Materialassistent mitarbeiten, bei großen Musikfestivals wie dem Southside als Kameramann filmen. Über den SWR kam er auch in die Kleinstadt Gernsbach, deren Kinobetreiber Roland Julius er in „Little Hollywood“ porträtiert.

„Ein Kameramann vom SWR hat mir gesagt, du musst dir das Kino mal anschauen, und tatsächlich war ich gleich von diesem Kino im alten Stil fasziniert. Daraufhin stand für mich fest, dass ich eine Dokumentation über dieses Kino mit dem Protagonisten machen wollte.“

Zunächst musste Irsch Julius’ Vertrauen gewinnen. Dazu seien viele Gespräche, auch ohne Kamera erforderlich gewesen. In diesen Unterhaltungen kam dann auch heraus, mit welchen Problemen ein kleiner Kinobetreiber, der nicht einer großen Kinokette angehört, zu kämpfen hat. Das fand Irsch sehr beeindruckend. Doch am Ende war der Kinobetreiber glücklich mit der Dokumentation.

Der Jungfilmer erzählt: „Ich habe Roland Julius gesagt, wenn der Film fertig ist, setzen wir uns gemeinsam in den Kinosaal und schauen uns seinen Film an. Dann sagst du, wie du ihn findest. Er war erst mal sprachlos. Er meinte, er habe gar nicht mehr gemerkt, dass ich gefilmt habe. Das war für mich eines der schönsten Komplimente: Ich bin in seiner Wahrnehmung als Filmer verschwunden und habe ihn so zeigen können, wie er ist.“

Anderthalb Monate fuhr Irsch jeden zweiten, dritten Tag nach Gernsbach, unterstützt wurde er von Jonas Hirschen (Musik) und Verena Zwaygardt (Ton). Für die Zukunft schwebt Irsch unter anderem eine Dokumentation über Spiel- und Wettsüchtige vor, beruflich würde er gerne Kameramann oder Live-Bildregisseur werden. Vielleicht könnte er diese Tätigkeiten ja mit einer halben Stelle ausführen – und dann doch noch Dokumentationen drehen.