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| 21:03 Uhr

Theater
Der junge Werther ganz unverstaubt

Saarbrücken. Raimund Widra feiert mit seinem Stück heute Premiere. Zurzeit nicht das einzige der unkonventionellen Art in der Alten Feuerwache. Von Silvia Buss

Für Raimund Widra ist es eine ganz besondere Saarbrücker Premiere, wenn er heute Abend auf der Bühne in der Alten Feuerwache steht. Denn „Die Leiden des jungen Werther“ als Solo und in der Regie von Maik Priebe ist eines seiner Lieblingsstücke. Am Theater Magdeburg, wo der 32-Jährige vorher engagiert war, hat er es schon 50-mal gespielt und auch schon mal in der Ukraine. Es ist also nicht nur eine Lieblings-, sondern eine sehr erfolgreiche Produktion, die der Schauspieler nach Saarbrücken „mitgebracht“ hat. Im Theater gibt es so eine Gelegenheit für Schauspieler nicht gerade häufig. Doch aufgrund des Intendantenwechsels in Saarbrücken konnte das Staatstheater kaum Produktionen aus der vorigen Spielzeit wiederaufnehmen. Also war noch Platz im Spielplan.

Nicht nur Widra, auch seine neuen Kollegen Philipp Weigand und Sébastien Jacobi haben die Einladung des neuen Leitungsteams angenommen, schon fertige Produktion, die ihnen am Herzen liegen, zu importieren. Weigand, 31 Jahre alt, hat aus Nürnberg einen „Winnetou“ als eine Art Live-Hörspiel mitgebracht. „Seit der Premiere 2012 habe ich es schon über 80-mal gespielt“, erzählt er. Die nächsten Vorstellungen im Januar und Februar sind schon so gut wie ausverkauft. „Ich hab mir vom Intendanten die Zusage geben lassen, dass ich die Hundert voll machen darf“, erzählt Weigand. Für Interessierte gibt es also noch Hoffnung. Sébastien Jacobi hat zwar nicht mitgezählt, doch sein Abend „Reise! Reiser!“, bei dem er nicht singt und spielt, sondern als Autor und Regisseur fungiert, lief zwei Spielzeiten lang am Theater Frankfurt und war zu Gast beim Thalia Theater in Hamburg und beim Berliner Theaterdiscounter.

Widra will heute Abend beweisen, dass Werther kein bisschen verstaubt ist. Der Schauspieler schlüpft nicht nur in alle Rollen, sondern macht auch Licht und Ton selbst. Unkonventionell sind auch die Inszenierung von „Winnetou“ und Jacobis Abend über Rio und Anton Reiser. Dass man unkonventionelle, interdisziplinäre Produktionen eher in der Freien Szene realisieren könnte, hält allen voran Jacobi für „Quatsch“. Der 47-Jährige hat zwischen Engagements an Stadttheatern auch immer in Gruppen der Freie Szene gearbeitet, zuletzt von Berlin aus. Ein festes Haus hat an Ressourcen und technischer Ausstattung viel mehr Möglichkeiten, sagt er. Trotzdem wollte er sich eigentlich nicht binden, gab dann aber dem intensiven Werben von Bettina Bruinier nach.

Zweisprachig, mit einer französischen Mutter und einem deutschen Vater in Köln aufgewachsen, hat ihn auch die Grenzlage Saarbrückens gereizt. „Saarbrücken hat was von der Kölner Südstadt der 80er-Jahre“, meint er. Weigand, der als Bayer in Nürnberg quasi „zu Hause“ engagiert war, fällt der Wechsel in eine fremde Gegend noch nicht so leicht, wie er gesteht. Doch die Saarländer würden es einem mit ihrer warmherzigen Art leicht machen. Das findet auch der gebürtige Potsdamer Widra, der die Magdeburger als „spröder“ empfand. Im Grunde komme es darauf an, dass man in der richtigen Band spiele, vergleicht Jacobi: „Die Kollegen sind toll, die Stimmung im Ensemble ist super, da ist wahnsinnig viel möglich, und das habe ich auch gesucht.“

„Die Leiden des jungen Werther“, heute Abend, 19.30 Uhr, „Reise! Reiser!“, 17. Dezember, 18 Uhr. Alte Feuerwache.