Der Förderverein für Kirchenmusik St. Michael

Porträt : Sie träumen vom großen Klang der alten Orgel

Der Förderverein St. Michael sammelt fleißig für die Restaurierung der Späth-Orgel. Am Sonntag ist wieder Evensong.

Wenn Thomas Kitzig, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Kirchenmusik in St. Michael/Saarbrücken e.V., von der dortigen Orgel redet, gerät er ganz schnell ins Schwärmen. „Die Orgel hatte ursprünglich einen romantisch sinfonischen Klang. Bei dem Klang hat man sich an einem Orchester orientiert. Und der Klang selbst ist fast schon mystisch. Man fühlte sich im Klang geborgen“, erzählt er über die historische Späth-Orgel von St. Michael.

Dass der Klang der Orgel aus dem Jahr 1925 so besonders war, liegt auch an einem Fernwerk, das sich noch heute im Gewölbe des Kirchenschiffs befindet. „Dieses Fernwerk konnte man früher vom Spieltisch aus elektronisch ansteuern. Und dann erklang aus dem Gewölbe direkt über dem heutigen Altar das Orgelspiel. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist diese Ansteuerung aber nicht mehr möglich“, erklärt Thomas Kitzig. In den 1980er Jahren wurde die Orgel restauriert, erforderliche Erhaltungsmaßnahmen wurden durchgeführt. Aber es wurde der Klang der Orgel verändert, und auf eine Instandsetzung des Fernwerks wurde verzichtet.

Heute hätte man liebend gern den ursprünglichen Klang der Orgel zurück. Daher wurde im Jahr 2010 der Verein zur Förderung der Kirchenmusik in St. Michael gegründet, der heute 30 Mitglieder hat. Dieser Verein hat sich neben der Förderung der Kirchenmusik zum Ziel gesetzt, die Pfarrkirche bekannter zu machen und die historische Orgel zu restaurieren, zu erweitern, ihren ursprünglichen Klang wieder herzustellen und das Fernwerk zu integrieren.

Dafür unternimmt der Verein verschiedene Aktivitäten. Neben der Organisation von Konzerten mit Gastorganisten werden Gottesdienste mit besonderer Orgelmusik veranstaltet, es werden Orgelführungen nach den Gottesdiensten angeboten, und einmal im Monat wird sonntags um 17 Uhr ein Evensong gehalten. „Der Evensong ist ein Abendlob, eine Form des Gottesdienstes aus dem anglikanischen Raum. Mit viel Musik und wenig Worten spricht er viele Menschen an. Der Schwerpunkt liegt auf der Musik“, erklärt Eugen Vogt, Pfarrer in der Pfarreigemeinschaft St. Johann und Vorstandsmitglied des Fördervereins.

Rund 100 Besucher kommen sonntags zu den Evensongs, „oft mehr als zu den regulären Gottesdiensten“, fügt Eugen Vogt hinzu. Die Verantwortlichen des Fördervereins freuen sich darüber, auch weil man mit den Evensongs eine Möglichkeit gefunden hat, kirchenferne Menschen anzusprechen. Außerdem organisiert man regelmäßig Konzerte.

Die meiste Arbeit bereitet dem Förderverein jedoch die Restaurierung der Orgel. „Wir wollen sie wieder in den Zustand von 1925 versetzen. Denn schließlich stehen Kirchenbau und Orgel unter Denkmalschutz“, erläutert der Thomas Kitzig. Für diese Restaurierung benötigt der Verein Geld. Viel Geld. Denn die Restaurierung wird insgesamt 550 000 Euro kosten.

„Die Arbeiten wurden in vier Bauabschnitte aufgeteilt“, erklärt Monika Sommer-Hasenstein, ebenfalls Vorstandsmitglied des Vereins. Zuerst werde die linke Seite der Orgel restauriert, dann die rechte Seite, anschließend der Spieltisch, der ein viertes Manual benötigt, damit man das Fernwerk wieder anspielen kann, das dann im letzten Bauabschnitt wiederhergestellt werden soll. „Leider gibt es vom Bistum für Orgeln und Glocken kein Geld, daher müssen wir für die Restaurierung der Orgel Spendengelder sammeln“, erzählt sie weiter.

Der erste Bauabschnitt, die Reinigung der linken Seite der Orgel samt Erneuerung von Verschleißteilen und klanglicher Aufarbeitung, wird 100 000 Euro kosten. „Die Spenden kommen zum Großteil von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, vom Landesdenkmalamt, von Saartoto und von privaten Spendern. Allerdings sind 15 000 Euro noch offen, die wir dringend benötigen, auch für die Genehmigungen der Restaurierung der übrigen Teile“, sagt Monika Sommer-Hasenstein. Trotzdem ist man im Förderverein zuversichtlich, im nächsten Frühjahr mit der Restaurierung beginnen zu können. „Und dann hoffen wir, dass zur 100-Jahr-Feier die Orgel samt Fernwerk wieder im Originalzustand erklingen kann“, sagt Thomas Kitzig – aber er lässt lieber mal offen, ob die 100-Jahr-Feier des Kirchenbaus 2024 gemeint ist, oder aber der 100. Geburtstag der historischen Orgel im Jahr 2025.

Der nächste Evensong findet am Sonntag, 2. Februar, 17 Uhr, in der Pfarrkirche St. Michael (Schumannstraße 25) statt. Die musikalische Gestaltung übernimmt diesmal das Ensemble des Prodekanats Vokal der Hochschule für Musik Saar unter der Leitung von Lutz Gillmann. Die historische Späth-Orgel spielt Štefan Iľaš . Eintritt frei, Spenden erwünscht.
www.pfarrei-st-johann.de/foerderverein-st-michael.html