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Der eingebildete Kranke feiert Premiere in Völklingen

Theater : Der eingebildete Kranke feiert Premiere in Völklingen

Das Titania-Theater ist vom alten Bahnhof in eine Turnhalle umgezogen und bringt dort Molière auf die Bühne.

Vom Bahnhof in die Sportstätte. Theater bespielen häufig und gerne die ungewöhnlichsten Orte, sie entfalten ihre Kreativität und Kraft am besten in Räumen, die so etwas wie Geschichte oder Authentizität verströmen. Das Theater Titania Völklingen feierte nun mit Molières „Der eingebildete Kranke“ die Eröffnung seiner neuen Räume in Luisenthal, dort wo früher der Turnverein Obervölklingen Jahrzehnte lang beheimatet war. Die ehemalige Turnhalle in der Straße des 13. Januar 177 verfügt über alles, was ein Theater braucht: Bühnenraum, Parkett, Empore und die übliche Ver- und Entsorgungsinfrastruktur.

Die Amateurtheatergruppe Titania okkupierte im besten Sinne ihre neue Spielstätte. Nach knapp 20 Jahren im Alten Bahnhof Völklingen war es an der Zeit. Die treue Fangemeinde der Titania-Leute folgte nur zu gerne in die neue Spielstätte, die Ränge waren ausverkauft. Der neue Spielort bietet Schauspielern wie Ausstattern Chancen, Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Der künstlerische Leiter des Titania-Theaters, Jürgen Reitz, schöpfte aus dem Vollen. Seine Inszenierung und das Bühnenbild (Ralf Westermann) beatmeten am Samstag bei der Premiere die Ambitionen der Völklinger Theaterfreunde. So ließ Reitz das berühmte Bild von Hieronymus Bosch „Die Hölle auf Erden“ mal als Ganzes, mal im Detail auf die Bühne projizieren, eine Metapher für den Tod, und bei Jean-Baptiste Poquelin alias Molières „Eingebildetem Kranken“ geht es ja auch um den Tod im weiteren Sinne. Immer wieder sickerten Klänge von Johann Sebastian Bach in die Inszenierung; während Boschs Gemälde und das Theaterstück die Abgründe der menschlichen Seele zeichneten, konnte Bachs Musik den Rezipienten Trost und Hoffnung versichern.

„Der eingebildete Kranke“ beschreibt, was den reichen Bürger Argan am Leben hält, nämlich seine Krankheiten. Der leidenschaftlich Leidende hält seine Umgebung mit einer Mischung aus Egomanie und Hypochondrie auf Trab. Ohne Krankheit wäre er ein gutmütiger Familienvater. So aber wird er zum Tyrannen seiner Tochter Angelika und zum Werkzeug seiner erbschleichenden zweiten Frau Béline, während die junge Hausangestellte Toinette mit ihm ihr eigenes Spiel treibt. Überdies wird er vom Doktor Purgon und dem Apotheker Fleurant übers Ohr gehauen. Arztrechnungen sind teuer. Damit Argan die  Rechnungen bezahlen kann, will er seine Tochter Angelika gegen ihren Willen mit dem jungen aber wenig attraktiven Arzt Thomas Diarrhoerius verheiraten. Er weiß jedoch nicht, dass sie den jungen Cléante liebt und seine Ehefrau ihn mit dem Notar betrügt – und nichts sehnlicher als seinen Tod wünscht. In dieser Komödie diene die Krankheit als Zerrbild einer dekadenten Gesellschaft, die in der Dauererschöpfung angelangt zu sein scheint, schrieb einmal ein Kritiker. Der Titania-Inszenierung ist es gelungen, dass das Stück in Völklingen nicht zu einer albernen Burleske werden zu lassen. Die Ernsthaftigkeit überwog.

Die Künstlerinnen und Künstler: Argan: Erwin Irmisch, Toinette: Dorothee Martin, Beline: Marion Runco, Angelika: Anne Schultheis, Luise: Jennifer Mai, Cleante: Dino Fiorica, Thomas Diaforius: Matthis Löw, Dr. Purgon: Armin Mertes, Dr. Diaforius: Armin Mertes, Fleurant: Hans-Jürgen Schmidv, von Bonnefoy: Hans-Jürgen Schmidt, Kostüme: Marion Runco, Bühne: Ralf Westermann, Projektionen: Armin Mertes, Regie: Jürgen Reitz, weitere Termine am 13. April, am 10. und am 11. Mai jeweils um 19 Uhr 30.