| 20:33 Uhr

Breitbandausbau
Den Saarbrücker Grünen ist das Internet nicht schnell genug

Solche Glasfaserkabel und Leerrohre werden zurzeit in Saarbrücken für den Next-Generation-Access-Breitbandausbau verlegt.
Solche Glasfaserkabel und Leerrohre werden zurzeit in Saarbrücken für den Next-Generation-Access-Breitbandausbau verlegt. FOTO: Jan Woitas / dpa
Saarbrücken. Die Stadtratsfraktion befürwortet zwar den Ausbau, hält die angestrebten Geschwindigkeiten aber für nicht zukunftsfähig. Von Nina Drokur

Bis zu sieben Videos in Ultra-HD-Qualität gleichzeitig schauen, das können Nutzer von Streamingdiensten wie Netflix und Co. mit einer Internetgeschwindigkeit von 100 Mbit/s. Internetgeschwindigkeiten von 50 Mbit/s bis 100 Mbit/s für über 95 Prozent der Haushalte im Saarland sind das erklärte Ziel des Projekts Next-Generation-Access-Breitbandausbau (NGA) im Saarland. In Saarbrücken hat sich der Netzbetreiber VSE.net gegenüber dem Projektträger eGo Saar zu diesem Ausbau verpflichtet (wir berichteten).


Den Grünen im Saarbrücker Stadtrat ist dieser Ausbau jedoch nicht genug. Sie halten die aktuellen Bandbreiten für nicht zukunftsfähig: „Bandbreiten von 50 bis 100 Megabit/s beim Download, wie sie in der Landeshauptstadt bald wohl in den meisten Haushalten zu haben sein werden, mögen bis vor einigen Jahren für die meisten Anwender und Anwenderinnen ausgereicht haben. Doch Tatsache ist, dass der Datenhunger und das Erfordernis nach schnelleren Geschwindigkeiten sowohl beim Down- als auch Upload aufgrund immer komplexerer Anwendungen stetig wachsen“, sagt der Sprecher für digitale Technologie der Grünen im Stadtrat, José Ignacio Rodriguez Maicas.

Außerdem halten es die Grünen für wichtig, dass die Stadt beziehungsweise städtische Betriebe selbst in den Ausbau des Giganetzes investieren.

„Aktuell ist die Breitbandversorgung in Saarbrücken auf einem guten Stand. Die Landeshauptstadt selbst hat in den zurückliegenden Jahren massiv in ihr Glasfasernetz investiert und rund 200 Kilometer Glasfaser verlegt“, hält Stadtpressesprecher Thomas Blug dagegen. Zusätzlich zum aktuell laufenden NGA-Ausbau.

Die dünnen Fasern werden bis zu den grauen Kästen am Straßenrand, den Kabelverteilern (KBV), verlegt. Vom KBV bis zum Gebäude – auf der sogenannten letzten Meile – liegen meist langsamere Kupferleitungen. Die Grünen fordern die Stadt dazu auf, in den Ausbau des Hochleistungs-Glasfasernetzes bis zu den Gebäuden zu investieren. „Die zurzeit gängige Praxis, dass zwar Glasfaserkabel verlegt werden, aber die sogenannte letzte Meile bis in die Häuser immer noch auf Kupferleitungen basiert, führt in eine technologische Sackgasse“, sagt Rodriguez Maicas. Insbesondere für Unternehmen sei dieser Ausbau wichtig.



Für die letzte Meile gibt es im Saarland seit Ende des vergangenen Jahres ein Förderprojekt: die Gigabitprämie. Für Neuanschlüsse gewährt die Staatskanzlei bis Ende des Jahres Unternehmen und Trägern gemeinnütziger oder kultureller Einrichtungen einen Zuschuss von bis zu 25 Prozent der Baukosten für den Glasfaseranschluss.

Für die Grünen ist die Gigabitprämie keine Dauerlösung. Außerdem ist ihnen der Ausbau durch die privaten Unternehmer ein Dorn im Auge: „Diese Gigabitprämie kann nur eine Zwischenlösung auf dem Weg sein, flächendeckend ein Giganetz zu etablieren. Wäre dieses Netz in städtischer Hand, könnten Unternehmen daran angeschlossen werden, ohne selbst Baukosten für einen Glasfaseranschluss tragen zu müssen.“ Zudem befürchten die Grünen, dass die privaten Unternehmen anderen Anbietern den Zugang zu den Netzen verweigern könnten. Diese Sorge der Grünen sollte zumindest für die am NGA-Ausbau beteiligten Unternehmen (saarlandweit haben sich neben VSE.net Inexio und die Telekom gegenüber eGo Saar verpflichtet) unbegründet sein. In der „Open-Access-Vereinbarung“ mussten sich die am NGA-Ausbau beteiligten Netzbetreiber dazu verpflichten, anderen Anbietern „diskriminierungsfreien“ Zugang – also ohne Benachteiligung – zu den im Projekt geschaffenen Glasfasernetzen zu gewähren, heißt es im Projektsteckbrief.

„Die großen Koalitionen im Saarland und Berlin haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Voraussetzungen für eine Gigabit-Gesellschaft zu schaffen und mittelfristig den möglichst flächendeckenden Zugang zu Gigabit-Netzen zu ermöglichen“, so Blug. „Es ist gleichzeitig davon auszugehen, dass auch in Zukunft der weitere Breitband-Ausbau in großen Teilen über private Unternehmen passieren wird. Wir werden die weitere Entwicklung hin zum Gigabit-Ausbau genau beobachten und diesen bedarfsgerecht unterstützen.“