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Dehoga wirft der Stadt Untätigkeit vor

Tourismus : Hotelbranche wirft Stadt Saarbrücken Untätigkeit vor

In Saarbrücken wird ein Hotel nach dem anderen gebaut, doch woher sollen die Gäste kommen? Das fragen sich Branchenkenner. Ihrer Ansicht nach braucht es schnell ein Tourismuskonzept.

Der Landesverband Saar des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) hat massive Kritik an der Stadtverwaltung geübt, weil diese erst jetzt einen ersten Entwurf für ein Messe- und Tourismuskonzept vorgelegt hat. „Das kommt alles viel zu spät. Es muss jetzt etwas passieren“, sagte Dehoga-Präsidentin Gudrun Pink gestern beim Verbandstag in Saarbrücken. Die Stadt habe es über Jahre versäumt, ein Tourismuskonzept aufzustellen. Der Geschäftsführer des Dehoga, Frank Hohrath, bekräftigte die Kritik: „Die Stadt hat beim Tourismuskonzept jahrelang geschlafen.“

Pink begrüßte die neuen Vorschläge der Stadt, sorgt sich aber, ob diese Bestand haben werden. „Man weiß ja nicht, welche Vorstellungen der neue Oberbürgermeister dazu hat.“ Am 1. Oktober tritt Uwe Conradt dieses Amt an, nachdem er am 9. Juni die Stichwahl gegen die bisherige Amtsinhaberin Charlotte Britz (SPD) gewonnen hatte.

Handlungsbedarf sieht die Dehoga-Chefin auch, weil andere Städte Saarbrücken als Kongresszentrum Konkurrenz machen. Das gelte zum Beispiel für Metz, Trier, Wiesbaden oder auch Karlsruhe. Das Messe- und Tourismuskonzept von Metz lobte sie ausdrücklich: „Dort hat man erst eine neue Eventhalle gebaut und dann die Hotels. Angesichts rückläufiger Übernachtungszahlen schlägt die Dehoga-Chefin Alarm: In zwei der fünf saarländischen Landkreise habe es im ersten Halbjahr 2019 ein Minus von bis zu elf Prozent gegeben.

„Im Regionalverband Saarbrücken kann man zwar einen Anstieg der Übernachtungszahlen erkennen, dieser dürfte jedoch bewirken, dass man sich ungefähr auf dem Vorjahresniveau befindet, nachdem im letzten Jahr erstmalig kein Wachstum der Übernachtung festzustellen war“, teilte Pink mit. In der Landeshauptstadt wüchsen zwar Hotels wie Pilze aus dem Boden, „aber was nutzen uns höhere Betten- und Zimmerzahlen, wenn uns die Gäste fehlen?“, fragte Pink. Vor allem die Zahl der Geschäftstouristen sei stark rückläufig. Die Dehoga-Chefin plädierte deshalb vehement dafür, „neue Reiseanlässe“ zu schaffen, um mehr Touristen in die Stadt zu locken. „Wenn das Ludwigsparkstadion fertig ist, kann man ja mal darüber nachdenken, ob dort auch andere Veranstaltungen wie Open-Air-Konzerte stattfinden können“. Die Wirkung des Fußballs sei keinesfalls zu unterschätzen, daher hofft Pink, dass der 1. FC Saarbrücken in die Dritte Liga aufsteigt. Als Saarbrücken in der zweiten Liga gespielt habe, seien die Übernachtungszahlen in der Landeshauptstadt deutlich höher gewesen.

Andere Anreize, nach Saarbrücken zu kommen, könnten Ausstellungen, Festivals und Modeschauen sein. Auch den Wissenschaftstourismus müsse man ausbauen. „Das einzige, was richtig gut läuft in Saarbrücken, ist das Filmfestival Max Ophüls“, sagte Pink. Der stellvertretende Dehoga-Präsident Michael Buchna beklagte, dass man im ganzen Land keine herausragende Veranstaltung mehr habe. „Wir brauchen dringend eine Veranstaltung, die bundesweit auffällt. Warum zum Beispiel nicht eine Landesgartenschau?“, sagte Buchner.

Beide wünschen sich von der Politik mehr Wertschätzung. „Wir arbeiten hart, wenn andere feiern. Und die Verbandsarbeit machen wir ehrenamtlich. Das hat mehr Respekt verdient“, sagte Pink.