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Das Stück "Wasser unter" im Saarbrücker Theater im Viertel

Kostenpflichtiger Inhalt: Theater im Viertel : Wenn Männer eine Bootstour machen

Skurril, kritisch und abenteuerlich – das Stück „Wasser unter – Männergespräche auf dem Fluss“ von und mit Tiv-Leiter Dietmar Blume bietet humorvollen Tiefgang.

Ein paar beste Freunde, die zusammen ein paar Tage auf einem Fluss schippern wollen, das ist spätestens seit Jerome K. Jeromes „Drei Mann auf einem Boot“ ein beliebter Stoff für Komödien. Ja richtig, da wäre schon mal die Verfilmung von 61 mit Kulenkampff, Giller und Heinz Erhardt. Bei Dietmar Blumes „Wasser Unter – Männergespräche auf dem Fluss“ sind es zwar nur zwei Mann, die auf einem gemieteten Motor-Kahn auf Tour gehen, und Frauen spielen hier keine Rolle. Und doch steht das Blume-Männerpaar in der gleichen Tradition. Skurril wird es auch bei dieser Videoinszenierung, die am Freitag vom Saarbrücker Theater im Viertel gegen Spende gestreamt wurde.

Fast wäre Blumes Theaterprojekt mit seinem „TheatreSkurril“ wegen Corona ganz ins Wasser gefallen. Weil Theaterspielen nicht möglich war und sein zweiter Mann, der Musikus Eric Falchero aus Luxemburg – ebenfalls coronabedingt – nicht mit ihm zusammen proben konnte, versuchte sich Blume im Ein-Mann-Betrieb an einer fürs Aufzeichnen geeigneten Bühneninszenierung. Worum es geht? Um Fred, den lispelnden (Figuren-)Kerl mit wilder Künstlermähne und Oskar alias Blume, zwei Freunde, die, statt entspannt auf dem Wasser durch deutsche Lande zu schippern, es mit allen Widrigkeiten zu tun bekommen, die man sich nur vorstellen kann: Da stürmt und regnet es wie verrückt, knallt ein Baum aufs Bootsdach, fließt Wasser ein, fällt der Strom und damit auch die Pumpe aus. Sogar ein Krokodil – African Queen lässt grüßen? – rückt ihnen irgendwann auf die Pelle.

Dass die beiden Buddies diese Gefahrensituationen keineswegs mit dem Heldenmut durchstehen, den man und auch sie selbst von Männern klassisch erwartet, gibt Blume viel Gelegenheit, das Zittern, Jammern, Selbstbemitleiden humorig zu zelebrieren.

Blume ist vielseitig. Der Wahlsaarbrücker mit Berliner Schnauze, von Haus aus Figurentheaterspieler, TIV-Geschäftsführer und Intendant einer eigenen kleinen Bühne im deutschen Osten, musste bei „Wasser unter“ aber nicht nur Stückentwicklung, Regie und drei Rollen (davon zwei Puppen) meistern, sondern auch noch Kulissen und Requisiten selbst bauen und alles selbst filmen. Entsprechend hat das 54-minütige humorige Schiffsabenteuer-Stück einen gewissen Heimwerker-Charme und ist in seinen besten Momenten wunderbar trashig. Da steht dann Blume etwa wie ein begossener Pudel in einer Fußbad-Emailleschüssel und von Plastikflaschen getroffen, die wie Geschosse umherfliegen. Und während die Schiffsabenteuer in einem schwarzdunklen Bühnenraum spielen, meldet sich der filmisch dazwischen geschnittene Luxemburger Falchero in orange-gelber Outdoor-Kluft unter tanzenden Schneeflocken auf einer Gartenliege liegend wie aus einer anderen Welt, um das Treiben der beiden Antihelden in selbstgeschriebenen Songs mit Gesang, Flöte, Gitarre und Ukulele zu kommentieren.

Das alles würde schon reichen für eine runde Geschichte, doch irgendwie will Blume noch mehr erzählen, von Umweltverschmutzung und Plastikflut etwa. Und im Prolog und Epilog macht Blume noch als Sensenmann seine Aufwartung. Nicht immer kann man da akustisch verstehen, was er will. Für die Nach-Corona-Zeit, erzählt Blume im Gespräch, will er „Wasser unter“ noch mal umarbeiten und neu für die Bühne inszenieren. Denn Theaterfilm und Bühnenspiel folgten bekanntlich anderen Gesetzen.

Dass er jetzt zweimal nacheinander, erst auf Landesebene, nun auf kommunaler Ebene, von den neu installierten Jurys für die Vergabe von Projektzuschüssen für die Freie Szene ignoriert wurde, stimmt Blume sehr verärgert. Er gehe ihm dabei nicht um sich, betont der Absolvent der renommierten Ernst-Busch-Schule, sondern darum, dass angesichts der Lockdowns alle und nicht nur wenige Gruppen eine Förderung bräuchten, um wieder auf die Beine zu kommen. Sonst sei es bald vorbei mit einer breiten, vielfältigen freie Kulturszene.