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Das Start-up Minjo aus Saarbrücken will Kaffee mit Segelschiffen kommen lassen

Start-up aus Saarbrücken : Der Wind soll den Kaffee bringen

Erstes Start-up aus Saarbrücker Denkfabrik startet durch: Minjo will die Bohne mit Segelschiffen kommen lassen.

In einem kleinen Konferenzzimmer in Alt-Saarbrücken treffen sie sich, Laptops sind aufgebaut, jemand schreibt in einen Papierblock mit, ein Beamer projiziert. Besprechungsatmosphäre. Was fehlt, ist der Kaffee. Aber es duftet, eine Maschine steht nebenan.

Der Konferenzraum gehört zum „The House of Intelligence“ (THOI), wie Venoth Nagarajah, 26, sein großes Etwas nennt, das versammelt, vernetzt, inspiriert, betreut, sich selbst bereichert. Schwierig auf den Punkt zu bringen, ist es eine Art Gemeinschaft, in der Start-ups, also Existenzgründer versuchen, mit einer zentralen Idee großzuwerden und sich gegenseitig helfen. Nagarajah ist Gründer dieses „Hauses“, des Sammelpunktes in einem Erdgeschoss in Alt-Saarbrücken mit Büros, Meetingpoints, Sofas, Tischen und einer Playstation. Konzipiert wahrscheinlich nach modernsten Erkenntnissen, wie eine Ideenwerkstatt auszusehen hat. Vielleicht amerikanisch. Und nur wenige Monate, nachdem es losging, scheint es endlich ein Start-up zu schaffen: „Minjo“ hat mit seiner Idee einen Investor so sehr begeistern können, dass der jetzt sagt: Okay, das mache ich. Das könnte klappen. Diese Entwicklung ist für Nagarajah der Beweis, dass sein Prinzip des Netzwerkens im THOI funktioniert.

Minjo ist nach dem ersten König des alten Reiches Kaffa benannt, wo der Legende nach das herkommen soll, um das sich alles dreht: Kaffee. Yannick Scherer, 22, Maximilian Rink, 25, und Moritz Bauer, 21, machen kein Hehl daraus, dass sie noch keine echten Kaffee-Experten sind. Trotzdem wollen die Existenzgründer mit der Bohne etwas Großes schaffen und dabei konsequent nachhaltig sein – bis in die Hand des Kaffeetrinkers. Und das will das Start-up erreichen, in dem es sich die Bohnen mit Segelschiffen liefern lassen will. Also null Emission.

Tatsächlich gibt es schon Organisationen, auch in Deutschland, die kaputte Segelschiffe gekauft und restauriert haben, um Lieferungen zu übernehmen. Minjo will sich in Fuhren reinordern, so dass ein solcher Dreimaster neben seiner übrigen Ladung auch Kaffee für die Jungs aus Saarbrücken an Bord hat. Aber, und das gibt Rink zu, das ist nicht so einfach: „Man muss gewisse Kompromisse eingehen, um an das Ziel zu kommen.“ Es gibt noch eine Menge Haken. Zum Beispiel muss der Kaffee vom Hafen in Bremen auch irgendwie nach Saarbrücken kommen. Das soll zunächst mit Umwelt-Programmen von Lieferunternehmen klappen. Außerdem ist das mit den Segelschiffen ohnehin nicht so einfach. Das lohnt sich erst, wenn Minjo mit einer Bestellung einen ganzen Container füllen kann. Weniger geht nicht. Also kümmern sich die Jungs, die Kulturwissenschaften und Wirtschaftsinformatik studieren, im Moment noch darum, dass ihre Ware wenigstens mit hybridgetriebenen Frachtschiffen geliefert wird. Erst muss Kapital her, und dann könne man noch tiefgreifender an der Ökobilanz arbeiten, sagt Yannick Scherer. Immerhin: Der Investor ist an Bord, der erste Kaffee aus Brasilien ist beim Röster in Saarbrücken angekommen. Kostproben wird es schon am eigenen Stand auf der Genusswerk-Messe vom 3. bis 5. April im Burbacher E-Werk geben, der Online-Shop ist quasi startklar.

Eine Antwort darauf, was passiert, wenn Nachhaltigkeit nicht mehr so in aller Munde ist wie heute, haben die Jungs auch. „Die Leute sollen unseren Kaffee kaufen, weil er saugeil schmeckt und einfach der beste Kaffee im Regal ist“, sagt Scherer. Die Nachhaltigkeit dabei solle selbstverständlich sein, sagt Rink. Sie wollen als Marke beweisen, dass das entgegen des Handelns bekannter Großfirmen funktioniert, und glauben, dass der Verbraucher dann auch Preise von 30 bis 35 Euro pro Kilo akzeptiert – für Kaffee, der nach dem offiziellen Wert „SCA-Score“ nachweislich hochqualitativ ist und sich auch darin von den herkömmlichen Marken unterscheidet, so das Versprechen. Außerdem sei beispielsweise Kapsel-Kaffee aufs Kilo umgerechnet noch weit teurer. Wichtig nimmt Minjo auch ein ausgeklügeltes Design von Keramikdose und Papiertüte, das aus den Regalen herausstechen und große Lust machen soll, so etwas zu besitzen. „Wir wollen sie nicht nur als Kaffeedose verkaufen, sondern auch als Einrichtungsgegenstand“, sagt Scherer. Jetzt wird klar: Vor allem der Aufbau einer Marke reizt die Jungs enorm.

Überdies soll jeder Schritt volltransparent sein. Dazu gehört der direkte Kontakt zu den Kaffeebauern, den Minjo noch ausbauen will. Der erste Kaffee ist auch da noch ein Kompromiss. Freunde mit guten Kontakten nach Lateinamerika haben beim Suchen nach Bohne und dem richtigen Bauern geholfen. Für einen eigenen Flug hat das Geld noch nicht gereicht. Das soll aber bald passieren.

www.minjo.de

Venoth Nagarajah, Moritz Bauer, Maximilian Rink und Yannick Scherer (v.li.) nennen sich selbst das Kernteam von Minjo. Foto: Chiabellastyle/The House of Intelligence

www.thoi.info