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Saarbrücker Kino
Das Filmhaus wird 2019 barrierefrei

Für Rollstuhlfahrer sind die Pflastersteine im Innenhof des Filmhauses hinderlich. Bislang gibt es jedoch noch keine konkreten Pläne für eine neue, rollstuhlgerechte Pflasterung.
Für Rollstuhlfahrer sind die Pflastersteine im Innenhof des Filmhauses hinderlich. Bislang gibt es jedoch noch keine konkreten Pläne für eine neue, rollstuhlgerechte Pflasterung. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Saarbrücker Kino erhält einen Treppenlift und eine behindertengerechte Toilette. Der Innenhof bleibt hingegen so, wie er ist. Von Silvia Buss

Der barrierefreie Umbau des Saarbrücker Filmhauses wird voraussichtlich bereits im ersten Halbjahr 2019 erfolgen. Das teilt der Saarbrücker Kulturdezernent Thomas Brück auf Nachfrage der SZ mit. Den neuen Plänen, die die Verwaltung am Donnerstag im nicht-öffentlichen Teil des Kulturausschusses vorstellte, haben laut Brück alle Fraktionen zugestimmt. „Sie haben sie ausdrücklich begrüßt“, sagt Brück.


Anstelle eines Außenaufzugs, wie es viele Jahre lang der Plan war, soll das Filmhaus nun einen Treppenlift bekommen, der Rollstuhlfahrern den Zugang zum Kinosaal im ersten Stock ermöglichen soll. „Den Aufzug konnten wir aus Gründen des Denkmalschutzes nicht bauen, er hätte auch den Fluchtweg versperrt“, erklärt Brück. Der Treppenlift hat eine Plattform, auf die Besucher mit ihrem Rollstuhl fahren können. Dann befördert der Lift sie nach oben. Vom Foyer aus können sie durch eine Tür neben der Bar ebenerdig in den Kinosaal und durch einen Gang bis vor die Leinwand fahren. Von dort kann man über die Rampe der Tribüne zu den Sitzreihen fahren.

Einige Sitze der Reihen sollen dann abmontiert werden, um Plätze für Rollstuhlfahrer zu schaffen. Dafür werde aber kein größerer technische Aufwand nötig sein, sagt Brück. In den Plänen, die der SZ vorliegen, wird zudem berücksichtigt, wie Rollstuhlfahrer das Kino im Brandfall über den Notausgang neben der Leinwand möglichst schnell verlassen können.



Die erforderliche behindertengerechte Toilette wird durch den Umbau einer bestehenden Toilette im Erdgeschoss des zweiten Gebäudeflügels, der auch die Büros des Filmfestivals Max-Ophüls-Preis beherbergt, eingerichtet. Insgesamt kostet die Sanierung 60 000 Euro, wovon 30 000 Euro durch Zuschüsse der deutschen Filmförderanstalt (FFA) übernommen werden sollen. „Sie fördert bis zu 50 Prozent der Kosten, das versuchen wir im vollen Umfang auszuschöpfen“, sagt Brück. Den Plänen muss jetzt noch der Stadtrat zustimmen.

Noch keine konkreten Planungen gibt es jedoch für eine rollstuhlgerechte Pflasterung im Innenhof. Man wolle erst abwarten, bis das neue Gastronomiekonzept für den Trakt zur Mainzer Straße stehe, sagt Brück. Außerdem sei die Stadt ja nur Mieterin der Immobilie.

Im nicht-öffentlichen Teil hatte Brück auch den neuen Mietvertrag vorgestellt, dem nach den Fraktionen im Ausschuss nun auch noch der Stadtrat zustimmen muss. „Es wird natürlich eine leichte Mieterhöhung geben, denn der Quadratmeter-Preis ist seit 2006 nicht mehr erhöht worden, aber das ist haushaltstechnisch vertretbar“, erklärt der Kulturdezernent. Insgesamt sieht Brück das Filmhaus mit dem neuen Konzept „auf einem guten Weg“. Das zeigt ihm auch die Besucher-Statistik für die Monate Januar bis Ende Oktober, die die Filmhaus-Verantwortliche Christel Drawer im Kulturausschuss vorlegte. Danach zählte das Kino in den zehn Monaten 16 482 Besucher (11 406 verkaufte Tickets). Laut Drawer hatte das Filmhaus mit einem Kinosaal damit genau so viele Besucher wie 2016 mit drei Sälen. Bundesweit seien die Kinobesucherzahlen 2018 weiter eingebrochen, was nicht nur auf den Hitzesommer zurückzuführen sei. Es sei ein Trend, sagt Drawer.

Den Rückgang bei den Filmbesuchen könne man jedoch mit den Ringvorlesungen auffangen, darin sieht Drawer die Bestätigung, „dass das neue Konzept richtig war“. Als Erfolg wertet sie auch die Wiederaufnahme des Open-Air-Kinos, das mit drei Vorstellungen 562 Besucher in den Innenhof zog. Hoffnungsfroh macht sie die Initiative des Otto-Hahn-Gymnasiums, das jetzt mit Schulklassen eine Art Kino-Club im Filmhaus veranstaltet. Angesichts der Konkurrenz durch Streaming-Dienste müsse man sich verstärkt um den Nachwuchs bemühen, sagte Drawer.