Das Mutantheater spielt "Unbeschreiblich weiblich"

Premiere : Ein Frauen-Mosaik zum Thema Weiblichkeit

Was bedeutet Frausein heute? Mit welchen Erwartungen und Fragen sehen sich Frauen konfrontiert? In ihrem Tanzstück „Unbeschreiblich weiblich“ versucht das Mutanth-Theater eine Annäherung.

Rund um das Thema Weiblichkeit gibt es zahlreiche Klischees: Alle Frauen wollen (oder sollen?) Mutter werden. Frauen gehören in den Haushalt, Frauen müssen schön sein, brauchen daher natürlich stundenlang im Badezimmer. Frauen haben sich damenhaft zu verhalten, und falls sie das nicht tun, ist direkt von wilder Weiblichkeit oder gar vom Vamp die Rede.

Obwohl die Emanzipation für eine Entwicklung Richtung Gleichberechtigung und Gleichstellung zwischen Mann und Frau steht, wurden die Erwartungshaltungen an Frauen dadurch nicht unbedingt weniger. Plötzlich ging es um Selbstverwirklichung, Frauen in Führungspositionen. Dass es im Angesicht dieser widerstrebenden Konzepte für Frauen immer schwieriger wird, ihre eigene Weiblichkeit zu begreifen, verwundert nicht.

In der selben Situation sah sich Eva Lajko, Tänzerin, Musikerin und Pädagogin, sowie Mitbegründerin von Mutanth – Musik-Tanz-TheaterLaboratorium in Saarbrücken. In einem Prozess der Annäherung an ihr Selbstverständnis als Frau sah sie sich immer wieder mit der Frage „Was ist wirklich meine Weiblichkeit?“ konfrontiert, musste sich mit Seiten ihrer selbst auseinandersetzen, die sie in ihrer „emanzipatorischen Zeit nicht fühlen wollte“, wie sie zugeben muss.

Aus dieser zunächst theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema entstand die Idee einer Umsetzung auf praktischer Ebene, in Form eines Tanztheaters. Dazu holte sich Eva Lajko die peruanische Schauspielerin und Sängerin Eliza Montes de Oca, sowie Gabriele Bernstein, Schauspielerin und Sprecherzieherin ins Boot.

Vor dem eigentlichen Probenprozess hieß es für die drei Frauen dann zunächst einmal: reden, reden, reden. Darüber, was Weiblichkeit für jede einzelne bedeutet, darüber, wie sich weibliche Konzepte und Feminismus im Laufe der Jahre entwickelt haben, da gebe es schließlich ganz „unterschiedliche Bilder“, so Gabriele Bernstein. Heute müsse man das Thema Feminismus noch einmal „neu denken, neu ankucken“, sagt sie weiter.

Aus dieser Beschäftigung mit dem Thema Weiblichkeit ist ein Tanztheater aus rund 20 Szenen entstanden, das keine zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern vielmehr collagenartig zusammengesetzt ist. Eben in der Zusammensetzung dieser Bruchstücke, in diesem Frauen-Mosaik, nähert sich das Tanztheater mal auf ironisch-lustige, mal auf erschreckend-ernste Weise dem hochkomplexen Thema Weiblichkeit an.

Schon die erste Szene quillt da an Klischees fast über: Bernstein, Lajko und Montes de Oca tragen enge Korsagen, riesige Reifröcke, haben ihr Dekolleté mit riesigen Ballons ausstaffiert, diese übergroßen Brüste wirken wie Fremdkörper. Während zunächst Spieluhrmusik ertönt, man sich fast an eine Art überfrauliche Puppen erinnert fühlt, folgt dann die provokante Frage: „Na, wollt ihr auch so schöne Brüste wie wie? Kostet nur 5000 Euro!“. Das Lachen bleibt einem fast im Halse stecken.

Später, die Ballons sind längst Geschichte, tanzen die drei Frauen. Zuerst frei, selbstbewusst. Doch dann: Erschrockene Gesichter, der Versuch den eigenen Körper mit den Armen zu verdecken. Fast so als hätte sich der Gedanke wie frei man sich als Frau überhaupt bewegen darf, was noch als rollenkonform und was nicht gilt, in ihre Köpfe geschlichen. Kein unbekannter Gedanke, zumindest für Frauen.

Eine andere Szene: Die Frauen streiten über das Thema Selbstverwirklichung. Aus den Boxen ertönt: „Ich hab keine Lust, meine Pflicht zu erfülln. Für dich nicht. Für mich nicht. Ich hab keine Pflicht“. Zeilen aus Nina Hagens Song: „Unbeschreiblich weiblich“, der für das Tanztheaterprojekt derart richtungweisend ist, das auch sie diesen Titel übernommen haben.

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