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Das Künstlerkollektiv Marie22 hat große Pläne

Porträt : 61 Künstlerinnen, DJs und Kreative: Marie22

In einer WG in der Paul-Marien-Straße fing es an. Jetzt sucht der etwas andere Saarbrücker Kulturverein nach Neuem.

Wenn sich ein Künstlerkollektiv Marie22 nennt und die zweite Vorsitzende Marie Wittges-Stoelben heißt, gerät man leicht auf die falsche Spur. Denn der Marie22 Komplex, so der vollständige Name, ist nicht nach ihr benannt. Der Name entstand in einer Wohngemeinschaft von jungen Künstlern in der Paul-Marien(!)-Straße 22.

Seit einem Jahr ist Marie22 Komplex als Verein organisiert, sitzt in der Großherzog-Friedrich-Straße 67 und hat im dortigen Hinterhof einen kleinen Kunsttempel erschaffen. Das beginnt damit, dass der Besucher in eine Atmosphäre voller Farben und Objekte eingehüllt wird – außerdem lässt es sich sehr gemütlich sitzen. „Wir hängen hier unsere Deko auf, die von Veranstaltungen übrig bleibt“, erzählt Wittges-Stoelben, die zusammen mit dem ersten Vorsitzenden Martin Prelop Auskunft über Marie22 gibt.

Die WG damals sei sehr groß gewesen, über zwei Etagen. Dort entstanden die Ideen für Partys, die neben der Musik auch visuell etwas bieten sollten: „Wir haben dafür Bühnen gebaut, Installationen oder Mobiles.“

Irgendwann wurde der Platz in der WG für die ganzen Party-Dekorationen zu klein, erinnert sich Thorsten Kraus, der mit Twin Town Production eines der ältesten Saarbrücker Platten-Labels führt. Also zog man vor sieben Jahren in den Hinterhof der Großherzog-Friedrich-Straße, in ein ehemaliges Farbenwerk. Auch das Atelier des Malers Michael Mootz befindet sich hier, das Studio von Kraus und das Vereinsheim – zwei stilvoll und antiquarisch eingerichtete Räume mit einer kleinen Theke.

Hier finden nach der Coronapause jetzt wieder dienstags und freitags die Vereinsabende statt. Für die Marie22-Veranstaltungen waren immer wieder andere Orte verwendet worden – früher häufig das Römerkastell, auch viele Clubs der Stadt, das Naturfreundehaus Kirschheck oder die Saarwiese neben dem Kulturbiergarten in St. Arnual.

Gerade haben ein paar Mitglieder beim Wettbewerb „20 x 1000“ gewonnen, den Union Stiftung und Pop-Rat als Hilfe für Künstlerinnen und Künstler in der Corona-Krise ausgerufen hatten. Da fand der Auftritt dann online statt.

„Meistens brauchen wir nur einen Gastronomen und eine Steckdose“, sagt Marie Wittges-Stoelben. Nachmittags beginnen die Veranstaltungen noch mit Jazz, Funk und Soul, je später der Abend, desto elektronischer werde es. Dabei können auch Livemusiker auftreten. „Unsere Veranstaltungen zeichnen sich durch ein familiäres Gefühl aus“, meint Prelop.

61 Mitglieder umfasse der Verein jetzt, „hauptsächlich Leute aus dem DJ-Bereich, aber auch bildende Künstler“. Dem Vorstand gehört noch Schatzmeister Nicolas Wagner an. Der nächste Schritt sei nun, eine feste Räumlichkeit zu finden. „Das hier ist ein wunderschöner Hof, eine top Location, das Herz unseres Vereinslebens“, sagt Wittges-Stoelben, „aber wir hätten gerne einen Betrieb, den wir bewirtschaften können, wo es ein regelmäßiges Programm geben kann und wo unsere Mitglieder ihre Ideen einbringen können.“

Martin Prelop ergänzt: „Das sollte viel hergeben: Platz haben für Ausstellungen, Modenschauen, Flohmärkte und gutes Essen. Oder vielleicht für Dinge, an die wir noch gar nicht denken. Etwa, dass Künstler kommen mit einem Konzept, wofür sie einen Raum benötigen. Das ist unser Traum, unser Ziel, so einen Beitrag zur Förderung der Kultur zu leisten.“

Früher sei so etwas häufig in Leerständen realisiert worden, etwa im Gebäude der alten Post. Nachhaltiger fänden die Vorsitzenden von Marie22 aber eigene Räumlichkeiten – „für regelmäßige Veranstaltungen“. Etwas Passendes zu finden, sei natürlich eine schwere Aufgabe, meint Prelop. Bis es so weit ist und sobald es wieder möglich ist, wird Marie22 weiterhin „Partys, Raves und Sessions aller Art“ veranstalten.

Auch stellt das Künstlerkollektiv Mixtapes her. Das sind Musikabfolgen, die tatsächlich auf dem antiken Format einer Kassette landen – das letzte nannte sich Lockdown Grooves.