Reso beim Artwalk: Das jüngste Werk des Wand-Verwandlers 

Reso beim Artwalk : Das jüngste Werk des Wand-Verwandlers 

Reso wusste, was er will. Viel Blau statt Grau. Klare Formen statt Tristesse. Aber seine Wand hatte es in sich. Und dann war da noch der Regen.

So störrisch und abweisend hat sich bisher noch keine Wand gegenüber einem der Artwalk-Künstler verhalten. Drei bis viermal müsse er die Farbe auftragen, damit sie überhaupt halte, sagt Patrick Jungfleisch alias Reso. Gerade musste er seinen Hubsteiger vor der zur Saar gerichteten Wand der Saarbrücker Musikhochschule mal wieder verlassen, weil ihn jemand sprechen will. Jetzt klingelt auch noch das Telefon. Als Kurator des Artwalks hat Reso viel um die Ohren.

„Könnte sein, dass die Wand früher mal nanoversiegelt wurde“, hört man ihn ins Smartphone sprechen. Am Himmel ziehen gerade wieder dicke graue Wolken auf. Auch das Wetter meint es nicht gut mit ihm. Eine Woche hatte sich der Kurator eigentlich Zeit gegeben, um seinen eigenen Beitrag zum Artwalk fertigzustellen. Stattdessen sind es zwei geworden.

Sturzflutartige Regenfälle verhinderten in den ersten Tagen, dass er überhaupt anfangen konnte. Als er begann, die Vorzeichnung auf die breite Wand aufzutragen, zeigte die sich auch noch recht willig, sie anzunehmen. Denn die großen Linien, erzählt Reso, habe er aus der Dose aufgesprüht.

Doch als er dann die einzelnen Felder ausmalte, mit Rollen und handelsüblichem Außen-Binder, sei der einfach abgeperlt. Und wenn die Farbe dann beim dritten oder vierten Auftrag endlich hielt, habe oft der Regen wieder eingesetzt und alles wieder verlaufen lassen. So mancher hätte da vermutlich die Farbeimer entnervt gegen die Wand geklatscht.

Doch Reso bleibt die Ruhe selbst. „Da muss ich noch nachbessern“, sagt er auf dicke schwarze Schlieren zeigend und lächelt freundlich, als habe er mehre Kurse in Zen-Buddhismus besucht. Auch ganz abgesehen von der Versiegelung, von der er nichts ahnen konnte, hatte er sich nicht gerade die einfachste Wand ausgesucht. Sie ist mit 315 Quadratmeter nicht nur die größte Wand des Artwalks, sondern auch die einzige, die viel breiter als hoch ist. Dazu ist sie auch noch vorstrukturiert durch Nischen, an deren Seiten Fenster angebracht sind.

Da sei es gar nicht einfach gewesen, die großen geschwungenen Bogen-Linien aufzuzeichnen, ohne dass sie unterbrochen wirken, gesteht Reso, dessen Markenzeichen es ist, die vier Buchstaben seines Namens zu abstrakt wirkenden Kompositionen zu gestalten. Auch die Gesamtkompostion an dieser unruhigen Wand gut auszutarieren war eine Herausforderung. „Sie soll wie eine Oszillation in einem Musik-Verstärker sein, mit einem bestimmten Bereich, der spannungsgeladener ist und anderen, die ruhiger sind, wie Ausläufer“, erläutert der Künstler. Linkerhand, wo die Wand weniger unterbrochen ist, hat er die vier Buchstaben nun quasi übereinandergelagert, erklärt er. Nach rechts hin laufen die Farbfelder dann in großen Schwüngen aus. „Manche haben mich schon gefragt, ob das ein Schiff darstellen soll“, erzählt Reso und lacht. Auch farblich wollte er eher Ruhe in das Bild hineinbringen.

Zwischenbilanz: Resos unverwechselbare Handschrift lässt sich bereits erkennen. Doch noch liegen Herausforderungen vor ihm. Foto: Iris Maria Maurer
Leere Herausforderung: Künstler Reso vor Beginn der Arbeiten an der Wand der Hochschule für Musik in Saarbrücken. Foto: Iris Maria Maurer

„Ich habe habe mich auf nur sechs verschiedene Farbtöne beschränkt“, sagt Reso. Zwei Blautöne, zwei Grautöne und weiß. Blau dominiert dabei. Es passe gut zum Grün der Wiese, findet er und weist auf die zwei blauen unterbrochenen Kreissegmente im rechten Teil des Bildes hin: Je nachdem wie die Wolken stehen, verbinden sie sich mit dem Himmel zu einem geschlossenen Firmament.