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Das Erlebnisbergwerk Velsen ist auch im Sommer ein kühler Ort.

Industriekultur : Der Berg, in dem die Kühle wohnt

Das Erlebnisbergwerk Velsen ist ganzjährig ein spannender, im Sommer auch ein angenehmer Ort.

Es ist Samstagnachmittag, und Carsten Grammes ist einer der Männer, die in die Kälte gehen. Na, ja, Kälte. „Wenn man durch die Wettertür durch ist, dann ist es 12 Grad kälter. Wir haben dort eine konstante Temperatur von 13 Grad“, erklärt Grammes. Dort, das ist der Stollen des Erlebnisbergwerks Velsen. Grammes ist der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, der dieses Bergwerk betreibt.

Von etwa 26 auf 13 Grad schafft man es an diesem Samstag innerhalb von wenigen Metern. Es sei denn, man lässt sich nach dem Durchschreiten des Gittertors von Klaus Lage nach zwei Metern in die Knubbebud locken. Die Knubbedud ist ein Raum, der aussieht wie ein Stollen, den der Verein zur Partyzone umgebaut hat. „Du warst als Kind für mich der stärkste Mann, einer, der irgendwie alles lösen kann“, tönt Klaus Lage aus den Lautsprechern. Diskolicht huscht über eine Figur der heiligen Barbara und Helme, die für eine Führung bereitliegen.

Den Raum vermietet der Verein für Feiern, sagt Carsten Grammes. Aber das sei wegen der Corona-Auflagen gerade nicht machbar. Führungen im Stollen sind aber erlaubt, sogar ohne Masken, sagt er. Aber natürlich mit Helm. Bevor die Besucher für ein bis zwei Stunden mit einem Führer in den Stollen gehen, werden sie mit der Grubenbahn, in der früher Männer und Material transportiert wurden, einmal ums Gelände gefahren.

Dass es im Berg so angenehm kühl ist, liege daran, dass da „alles Sandstein ist“, erklärt Grammes. In dem Berg wurden seit Kriegsende bis ins Jahr 2011 Bergleute ausgebildet. Im ehemaligen Lehrstollen Velsen, also im westlichsten Teil der Landeshauptstadt Saarbrücken, sind „sämtliche Maschinen und Technik des aktiven Bergbaus vorhanden und betriebsbereit“, macht der Verein einen Besuch schmackhaft. Der Erlebnisbergwerk Velsen e.V. hat nach Beendigung des Ausbildungsbetriebs den Lehrstollen übernommen und betreibt ihn weiter als Besucherbergwerk. „Mit der Besonderheit, dass hier die komplette Bergtechnik in Betrieb vorgeführt werden kann. Das Erlebnisbergwerk befindet sich unter Tage, ist aber durch einen übertägigen Stollen zu befahren“, erklärt der Verein. Und: „Rund 800 Meter Strecke auf drei verschiedenen Sohlen erkunden die Besucher im Bergwerk, das seit 2019 unter Denkmalschutz steht. Unsere Besucher werden 1,5 Stunden durch die Welt des Steinkohlenbergbaus geführt.“

Dass die „Technik unter Tage einzigartig ist“, wie Carsten Grammes sagt, liegt auch an den aktiven Mitgliedern des Vereins, die sich selbst um die Instandhaltung kümmern. Mit Familienmitgliedern hat der Verein rund 500 Mitglieder, sagt der 2. Vorsitzende. „Hier wird Bergbau gelebt“, lautet das Credo des Vereins.

Ziel des Vereins sei es aber nicht nur, Wissen zu vermitteln und Geschichte lebendig zu halten, sagt Grammes. Man wolle auch „die Politik begeistern“, Geld für das Gesamtareal lockerzumachen. Im deutschen Steinkohlebergbau sei das Ausbildungsbergwerk Velsen „das älteste noch im bergmännischen Bestand einschließlich der umfangreichen Ausstattung erhaltene in Deutschland“, versucht der Verein, der Politik eine Förderung schmackhaft zu machen. Kein Bergwerk sei auch länger ununterbrochen in Betrieb gewesen.

 Am Eingang des Erlebnisbergwerks ist es sommerlich warm.
Am Eingang des Erlebnisbergwerks ist es sommerlich warm. Foto: Martin Rolshausen
 Am Eingang des Stollens ist es konstant 13 Grad kühl.
Am Eingang des Stollens ist es konstant 13 Grad kühl. Foto: Martin Rolshausen
 Carsten Grammes, der Vize-Vorsitzende des  Erlebnisbergwerks Velsen.
Carsten Grammes, der Vize-Vorsitzende des  Erlebnisbergwerks Velsen. Foto: Martin Rolshausen
 Die Heilige Barbara in der Knubbebud.
Die Heilige Barbara in der Knubbebud. Foto: Martin Rolshausen
 In der Knubbebud glitzert Diskolicht über den Helmen für Führungen.
In der Knubbebud glitzert Diskolicht über den Helmen für Führungen. Foto: Martin Rolshausen
 Eine gestickter Bergmann im Eingang zum ehemaligen Lehrlingsraum.
Eine gestickter Bergmann im Eingang zum ehemaligen Lehrlingsraum. Foto: Martin Rolshausen

Dass der Velsener Stollen ein verlässlich kühler Ort ist, dürfte die Politik nicht interessieren, zumindest nicht, wenn es um Geld geht. Dass er ein sicherer Ort ist, schon eher. Im Stollen gebe es wegen des Sandsteins kein gefährliches Grubengas, erklärt Carsten Grammes. Das war einst gut für die Lehrlinge und erlaubt nun, Besucher in den Berg zu lassen.