Das Blue Future Projekt sorgt in Afrika für sauberes Wasser

Saarbrücker Blue Future Projekt : Für sauberes Wasser in Tansania

Zwei Saarbrücker haben ohne Kapital und Kontakte eine Firma gegründet, die in Afrika mittlerweile viel bewegt.

Winzig klein ist das, womit Tibor Sprick, 24, und Christoph Dillenburger, 26, zu tun haben, unglaublich klein: Nanofilter mit Partikeln, die man gar nicht sehen kann. Aber diese Nanofilter bewirken so viel, dass Leute am Leben bleiben, die eben dieses vorher vielleicht verloren hätten. So einfach klingt das, obwohl so viel dahinter steckt.

Die beiden jungen Saarbrücker haben ein Unternehmen aus der Taufe gehoben, dessen Struktur und Ziel sich so logisch anhören, dass man sich fragt, wieso man das vorher nicht selbst schon so gemacht hat. Die zwei Freunde treibt ein gemeinsames Faible für globale Probleme an. Vor rund einem Jahr bekamen sie die Idee, ein „soziales Unternehmen“ zu gründen, wie sie sagen. Das Blue Future Project entstand, mit dem Ziel, so vielen Afrikanern und vielleicht eines Tages auch noch mehr Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen wie möglich. Aber sie wollten nicht einfach so Spenden nach Afrika pumpen, „sondern das Ganze mal von einer anderen Seite angehen“, wie Tibor Sprick das formuliert: mit Knowhow von dort, damit sich alles, einmal angestoßen, auch erhält. Um Experten und Ansprechpartner in Afrika zu finden, klickten sie sich durchs Internet und stießen auf Dr. Askwar Hilonga, einem Chemie-Ingenieur aus Tansania. Der war begeistert, eine tiefe Zusammenarbeit entstand. „Wir sind mit viel Feuer hingeflogen und mit noch mehr Feuer wieder zurückgekommen“, sagt Dillenburger.

Der technische Kern der Sache ist der von Dr. Hilonga entwickelte Nanofilter. Dillenburger und Sprick finanzieren mit ihrer Firma Wasserstände, ihr neuer afrikanischer Freund kümmert sich vor Ort um die Infrastruktur, Kontakte und ähnliches. In einem solchen Wasserstand, der etwa 700 Euro kostet und wie ein Kiosk aussieht, befindet sich ein sehr simples System aus Eimern, Schläuchen und Filtern, zum Beispiel mit Sand gefüllt. Oben gießt man das dreckige Wasser rein, unten fließt es sauber wieder heraus. Als letztes passiert es den Nanofilter, dessen Membran alle paar Monate ausgetauscht werden muss. Das kostet dann fünf Euro.

Das Ganze ist weniger anfällig als ein Brunnen, der einfach nur irgendwohin gebaut, dann sich selbst überlassen wird und nach zwei Jahren kaputtgeht. Mit einem Wasserstand dagegen macht sich ein Afrikaner selbstständig und ernährt mit dem Verdienst sich und seine Familie, während er nur eine kleine Gebühr an Blue Future beziehungsweise Dr. Hilonga zahlt, was der Wartung der Stände zugutekommt. Dieses System schafft Arbeitsplätze.

Die Finanzierung steht derweil auf zwei Beinen: Zum ersten haben Strick und Dillenburger ein Sprudelunternehmen aus unserer Region an Land gezogen, über das sie selbst etikettierte Flaschen bald in über 50 Gaststätten in der Stadt vertreiben – auch das Saarbrücker Rathaus macht mit. Und zum anderen verkaufen sie online Armbänder, die Massai-Frauen in Tansania gebunden haben und die von diesem Job leben können. Ein Armband steht für einen Menschen, der Zugang zu sauberem Wasser bekommt.

Sprick und Dillenburger sind ohne Kapital, ohne Netzwerk und ohne Kontakte gestartet. Sprick studiert, Dillenburger lebt derzeit von Erspartem. Mittlerweile haben sie schon ungefähr 500 Menschen in Tansania nachhaltig helfen können. „Jedes Problem könnte ein noch nicht gegründetes Start-up-Unternehmen sein,“ sagt Dillenburger. Im August wollen sie wieder nach Tansania fliegen, sich ums Wasser kümmern, aber auch etwas Neues aufgreifen: Aufforstung – wieder über ein bewährtes simples System.

www.bluefutureproject.com

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