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Eine Schnake macht noch keinen Winter
Das Biotop in meiner Zimmerecke

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Hausarbeit ist nicht die Lieblingsbeschäftigung unserer Kollegin. Und sie hat ein Herz für fast alle Tiere. Das könnte einer Schnake womöglich zum Verhängnis werden. Von Susanne Brenner

Ich habe es an dieser Stelle möglicherweise schon mal erwähnt: Als seinerzeit das Hausfrauen-Gen verteilt wurde, habe ich nicht wirklich „Hier!“ gerufen. Wenn ich unser Heim betrete, ziehe ich einfach gleich die starke Brille aus. Schon bin ich völlig tolerant gegenüber den Wollmäusen und ihren Freundinnen und Freunden. Ich sehe sie ja nur, wenn ich ganz nah rangehe.


Überhaupt habe ich es eher mit Leben und Leben lassen. In unserem Garten dürfen die Wühlmäuschen wühlen. Wenn dabei ein  paar Tulpen-Zwiebeln auf der Strecke bleiben, was soll’s. Die Spatzen krakeelen fröhlich und laut in den Büschen, die ich auch nur unter nachbarlichem Zwang hin und wieder zurückschneide. Ich kille auch keine Wespen und begleite jede verirrte Fliege freundlich vor die Tür.

Es gibt allerdings einen Punkt, an dem dieses totale Toleranz-Prinzip normalerweise nicht zählt: Wenn sich Schnaken ins Schlafzimmer verirren. Da gehe ich erbarmungslos auf die Jagd.



Wobei ich nicht mal Probleme damit hätte, dass so eine Schnake ein Tröpfchen von meinem Blut bekommt. Tut ja nicht weh, und ich hab auch genug davon. Aber dieses Gesirre! Diese nervtötend hochfrequenten Töne, die die Tierchen von sich geben, machen mich verrückt. Da hüpfe dann sogar ich mit der gerollten Zeitung in der Hand mordlüstern auf dem Bett herum.

Gestern war es mal wieder soweit.  Trotz meiner insektenfressenden Spatzen-Armee im Garten sirrte es plötzlich um meinen Kopf, den ich gerade zum Schlafen aufs Kissen gebettet hatte. Also hieß es: Licht an, Zeitung greifen, rauf aufs Bett. Und da saß sie auch schon an der Decke. Klein und ehrlich gesagt ja auch nicht gerade hübsch mit diesen dürren, langen Beinchen. Ich hatte die Zeitung bereits zum Schlag erhoben, da fiel mir auf einmal ein, dass  schon Oktober ist. Dass es draußen nachts sehr kalt ist. Dass also eigentlich gar keine Jahreszeit für Schnaken mehr ist. Vielleicht war sie die letzte ihre Art? – für dieses Jahr.

Auf einmal war diese eine  Schnake etwas Besonderes. Und etwas Besonderes kann man nicht töten. Also suchte ich mir Oropax und beschloss, der kleine Quälgeist darf bei uns überwintern. Am nächsten Morgen fiel mir allerdings ein, dass es da ein Problem gibt: mein fehlendes Hausfrauen-Gen. Kombiniert mit meiner Abneigung dagegen, irgendein Lebewesen zu töten,  führt das natürlich dazu, dass im Herbst so manches Spinnchen mit seinen Netzen bei uns einzieht . . .