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Créajeune, der Wettbewerb für ganz junge Filmer

Festival : Umweltdetektive sind manchmal sehr jung

Filme zu Mobbing oder Umwelt-Themen bestimmten die 12. Ausgabe des „Créajeune“-Filmfestivals. Neun Filme von Kindern aus der Großregion standen im Wettbewerb.

Kino statt Schule. Was für eine Überraschung. Am Freitagmorgen entführten Jutta Krümmel und Philipp von Funck ihre beiden ersten Klassen der Saarbrücker Ostschule ins Kino Achteinhalb. Dort wurden im Rahmen des „Créajeune“-Festivals kurze Filme aller Genres von Kindern aus der Großregion gezeigt.

In dem renommierten, grenzüberschreitenden Wettbewerb werden alljährlich Filme von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der Großregion präsentiert und prämiert. Der Wettbewerb für junge Erwachsene und Jugendliche hatte vor ein paar Tagen bereits in Luxemburg und Trier stattgefunden. In Saarbrücken waren nun die Filme von Kindern dran. Neun Stück an der Zahl – davon sechs Animationsfilme, zwei Dokus und ein Clip von der Waldschule Fürstenhausen.

„Die Filme versteht man, auch wenn man nicht jedes Wort versteht“, erklärt Hausherrin Sigrid Jost. Denn die meisten Filme stammen aus Wallonien, sind also Französisch. Die Kleinen Besucher sind hörbar aufgeregt, manche hungrig – doch gevespert wird später. Also Licht aus und Projektor an.

Bereits während des bunten Festival-Trailers beginnen die ersten Schüler zu lachen und das Gesehene zu kommentieren. Im ersten Beitrag, dem belgischen Animationsfilm „Cochonou et le gang des félins“, geht es ans Eingemachte. Eigentlich scheint alles normal. Cochonou und sein Bruder wollen nicht aufstehen, als Mama Schaf sie aus dem Bett zitiert. Natürlich haben sie auch keine Hausaufgaben gemacht, aber das schlaue, süße Schweinchen trumpft dennoch im Unterricht auf. Was der geistig schwachen und körperlich starken Raubkatzen-Gang nicht gefällt. Sie mobben das arme Schwein. Die verbalen und körperlichen Attacken machen Cochonou ganz traurig – Cochonou will nicht reden und rückt erst nach mehreren Anläufen mit der Sprache raus.

Mobbing – ein schwieriges Thema. Da besteht Redebedarf. Jost eröffnet nach dem siebenminütigen Film ein kindgerechtes Publikumsgespräch. Die Schüler haben verstanden, dass die „Tiger“ dem „armen Schwein“ erst den Keks abgenommen und es dann auf der Toilette verprügelt haben. „Das Schweinchen war deshalb traurig und hat sich ausgeschlossen gefühlt“, erklärt ein Schüler. Wem so was passiert, der muss sich jemanden anvertrauen: dieses Botschaft nehmen die Kinder mit.

„Und was war das für ein Film?“, fragt Jost weiter. „Ein Film aus Papier und Pappe“, antwortet eine versierte Schülerin und führt weiter aus: „Der Film ist aus gebastelten Bildern, die werden aufgenommen und dann mit dem PC zum Film gemacht.“ Völlig richtig. Fünftklässler der École des Etoiles de Liège kreierten mit Papier, Stiften und Scheren die putzigen Filmfiguren des ersten Films. Im Abspann erhascht man einen Blick in die Schülerwerkstatt.

Auch die folgenden Animationsfilme bereiten dem jungen Publikum keine Verständnisschwierigkeiten. „J‘ai perdu mon Papa“ („Ich habe meinen Papa verloren“), schluchzt Picopatata, der süße kleine Außerirdische mit den großen Ohren – und alle verstehen das. Denn die von Kinderhand geschaffenen Bildwelten mit vielen Tieren und Außerirdischen überwinden spielerisch die Sprachbarriere und bringen die unterschiedlichen Sujets kinderleicht auf den Punkt.

En passant werden so virulente Themen wie Plastik, Ernährung, Freundschaft, Rassismus mit der Macht der Phantasie verhandelt. In den zwei gezeigten Dokumentationen wird das Prinzip des Kompostierens anschaulich erläutert, und eine farbige Schülerin nach ihrer Meinung zu Rassismus interviewt – mit dem Fazit, dass alle Menschen gleichbehandelt werden sollten.

Auch im Musik-Videoclip der Waldschule Fürstenberg wird die multikulturelle Einigkeit mit viel Konfetti und der Interpretation von Mark Forsters Song „Chöre“ beschworen.

„Mir hat gut gefallen, wie die Kinder die Filme gemacht haben“, befindet Matthes (6) beim anschließenden Workshop. Denn im Anschluss an die Vorführung bastelten alle Kinder ihre eigenen Daumenkinos in den Räumen der Nauwieser 19 und lernten so spielerisch, dass Filme aus vielen Einzelbildern bestehen.

Das findet auch Grundschullehrerin Jutta Krümmel toll: „Ich fand die Filme und die ausgewählten Themen super, vor allem haben mir die Papierfiguren gefallen, und dass den Kindern gezeigt wurde, wie die Filme gemacht wurden.“

Am Ende des Festivals „Créajeune“ vergab die dreizehnköpfige Jury (die meisten der Juroren selbst Jugendliche aus der Großregion) viele Preise. Als bester Film wurde „Game Over“ aus Luxembourg prämiert, der Preis für Humor ging an „Videogames“ (Luxembourg). Der Umweltkrimi „M.A.P.“ wurde mit einem Umweltpreis ausgezeichnet.

 Auch ein Workshop Daumenkino gehörte zum Programm von Créajeune. Hier lernten die Kleinen auf simple Weise, wie Film funktioniert.
Auch ein Workshop Daumenkino gehörte zum Programm von Créajeune. Hier lernten die Kleinen auf simple Weise, wie Film funktioniert. Foto: David Lemm

Eine besondere Erwähnung gab es für „Diamant“, einen Film von Mitgliedern der Volkshochschule Neunkirchen, für „Lasst uns einfach filmen!“ der Video-AG der Max Ophüls Grundschule Saarbrücken, und für „Chöre“ von der Waldschule Fürstenhausen.