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Corona-Regeln machen den Saarbrücker Schwimmern das Leben schwer

Schwimmverein Malstatt-Burbach in Not : Schwimmer leiden unter Corona-Regeln

Bärbel Knobes Verein musste den Betrieb schlagartig einstellen. Sie hofft, dass die Bäder bald öffnen.

Wenn Bärbel Knobe im Corona-Leitfaden des Deutschen Schwimmverbands (DSV) blättert, dann schüttelt sie den Kopf. Auf bunten Bildern ist skizziert, wie man sich im Wasser mit Abstand und ohne etwas zu berühren bewegen soll. „Reinspringen ins Becken ist verboten, man muss die Einstiege benutzen. Die soll man aber nicht berühren, man soll ein Handtuch benutzen, dass man dann auf einen desinfizierten Stuhl legt... Ob die Autoren dieses Regelwerks jemals einen Kinderschwimmkurs geleitet haben? Und ob sie wissen, wie es in unseren Bädern aussieht?

Für den nötigen Abstand braucht man ja ausreichend große Umkleiden, da geht es doch schon los“, sagt die Vorsitzende des Schwimmvereins Malstatt-Burbach, der mit dem Ausbruch von Corona den Betrieb für seine 600 Mitglieder schlagartig eingestellt hat und momentan kein Licht am Ende des Tunnels sieht. „Vielleicht können die Bäder nach den Herbstferien noch mal benutzt werden. Aber es kann auch sein, dass wir in diesem Jahr gar nicht mehr schwimmen werden. Die Stadt teilte nur mit „bis auf weiteres“ seien die Bäder geschlossen. Bis nach den Sommerferien wird definitiv nichts mehr stattfinden, das ist das Einzige, was wir als sicher gegeben annehmen“, sagt sie und versucht einen Schwimmverein ohne Schwimmer am Leben zu erhalten.

In WhatsApp-Gruppen versendet sie Nachrichten an die Mitglieder des Schwimmvereins, bittet sie um Geduld und Durchhaltevermögen. Im Hintergrund telefoniert sie mit Rechtsanwälten und Steuerberatern, weil die Frage des Beitragseinzugs und der Mittelverwendung Probleme aufwirft, oder sie liest kopfschüttelnd die Verlautbarungen des Schwimmverbands.

„Dieses Regelwerk bringt uns um. Das geht gar nicht“, sagt Knobe. „Wenn der Trainer nur noch sagt, tut dies nicht und macht jenes nicht… wer soll denn dann Spaß am Schwimmen haben?“, fragt sie. Und so glaubt die Schwimmtrainerin nicht daran, dass ihre Kurse kurzfristig wieder laufen werden.

„Für die Kleinsten bringt das Probleme. Viele werden um die Chance der Wassergewöhnung gebracht und kommen in die Angstphase. Trotzdem sollen sie zur zweiten Klasse am Schwimmunterricht teilnehmen. Das wird nicht immer klappen. Bei vielen werden wir auch ganz von vorn anfangen müssen mit den Schwimmkursen, weil sie bei so langer Pause das Schwimmen verlernen.“

Von den 600 Mitgliedern sind 500 Kinder. Viele Migranten sind dabei, auch behinderte Kinder machen Schwimmkurse mit Erfolg: „Wir haben schon Kindern mit einem Arm sicheres Schwimmen beigebracht“, sagt Bärbel Knobe, die selbst einen behinderten Sohn hat.

Den Vorsitz im Schwimmverein hat sie seit 2013, sie war Gründungsmitglied, ihre Eltern waren schon Schwimmtrainer. Auch sie hat den Trainerschein und hilft bei den Schwimmkursen und in der Wettkampfgruppe aus, wenn Übungsleiter fehlen.

Wirtschaftlich gehe es dem Schwimmverein gut, er erspare sich ja auch die Hallengebühren. Ansonsten sei der Verein aber regelrecht gelähmt, sagt die Bankkauffrau und sucht nach Lösungen. Der neue Leitfaden des DSV habe sie sehr entmutigt. „In den Umkleiden darf nur jeder vierte Spind benutzt werden. Die das geschrieben haben, waren nie in einem unserer Bäder.“ Die Hygieneregeln, die hier beschrieben seien, könne man nicht umsetzen. Nicht in einem so kinderfreundlichen Verein, wie in Malstatt-Burbach. „Die Fortschritte unserer Kinder gehen uns verloren“, ist ihr Fazit. Und sie hat keine Idee, wie man das lösen könnte.