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Was macht eigentlich... trepesch
Saarländer leitet Augsburger Museen

Christoph Trepesch vor der Modernen Galerie in Saarbrücken.    
Christoph Trepesch vor der Modernen Galerie in Saarbrücken.     FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Christof Trepesch war Kustos der Alten Sammlung – heute ist er Chef der Arbeitsgemeinschaft der Museen in Bayern. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Es war ein Besuch in der Gemäldeabteilung der Residenzgalerie in Salzburg, die Christof Trepesch als jungen Menschen sehr beeindruckt hat. „Ich glaube, das war der Auslöser, sich mit Kunst und Kunstgeschichte zu beschäftigen“, erzählt der promovierte Kunsthistoriker in einem Saarbrücker Café.


Seit 2004 ist Trepesch der leitende Museumsdirektor der Kunstsammlungen und Museen Augsburg, aber den Saarbrücker Kunstinteressierten ist sein Name noch in bester Erinnerung - war er doch seit 1998 Kustos der Alten Sammlung und im Jahr 2003 kommissarischer Direktor des Saarland Museums und Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Damit war er gleich für mehrere aufsehenerregende Ausstellungen in Saarbrücken verantwortlich.

Geboren wurde Trepesch in Neunkirchen, studierte ab 1987 an der Universität des Saarlandes Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Vor- und Frühgeschichte. Bereits 1993 schloss er sein Studium mit einer Promotion über die spätgotische Skulptur ab, war zeitgleich archäologisch als verantwortlicher Grabungsleiter auf dem Saarbrücker Halberg tätig.



Nach Studienabschluss konnte er ein wissenschaftliches Volontariat in der Alten Sammlung beginnen, als diese noch gegenüber der Modernen Galerie in der Alten Schillerschule untergebracht war. Von 1998 bis 2002 war er als Kustos der Alten Sammlung tätig.

„Wir haben damals den Fokus auf die alte Kunst gelegt, denn sie war unterrepräsentiert. Die Alte Sammlung verwahrt den wichtigsten kunst- und kulturhistorischen Bestand für die Saarregion. Daher haben wir sie in dieser Zeit herausgearbeitet und mehrere große Ausstellungen mit vielen Neuentdeckungen aus den Depots organisiert“, erzählt er weiter.

Kuratiert hat er in dieser Zeit die Ausstellungen über die Gartenkunst in Saarbrücken (1999), das Ottweiler Porzellan (2000) und über den Biedermeier-Maler Louis Krevel (2001). Gerade auch die Gartenausstellung ist bei ihm noch sehr präsent. „Wir haben mit Wissenschaftlern aus den unterschiedlichsten Disziplinen zusammengearbeitet. Und es war die erste Ausstellung, in der wir neue Medien eingesetzt haben.“

Wichtig war ihm, über Grenzen hinweg zu arbeiten und die Sammlung auch international zu positionieren. „Daher hatten wir im Jahr 2003 eine Alexander Archipenko-Ausstellung im Nationalmuseum in Kiew kuratiert“, erinnert er sich. Als er in dem Jahr auch kommissarischer Direktor des Saarland Museums und Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz wurde, ahnte er bereits, dass es nur eine Übergangsregelung war.

Als Ralph Melcher der neue Leiter des Saarland Museums wurde, bewarb er sich im Jahr 2004 als Direktor der Museen in Augsburg, wurde unter 50 Bewerbern ausgesucht. Seither ist Trepesch der leitende Museumsdirektor der Kunstsammlungen und Museen in Augsburg. Das sind acht Häuser und Institutionen, sogar mit einer eigenen Abteilung Stadtarchäologie.

„Es ist super“, sagt er zu dieser Stelle und lächelt. Denn als Trepesch nach Augsburg kam, wurden gerade vier der acht Häuser renoviert und restauriert. „Und da konnte ich viel mitgestalten“, erläutert er. Bei der Neuausrichtung Akzente zu setzen, Chef von 130 Mitarbeitern zu sein und eine kunsthistorische Palette mit Barock, Gegenwartskunst, Mozarthaus, Römermuseum und Brechthaus abzudecken, sind seither seine Aufgaben.

Hier führt er auch die internationale Zusammenarbeit fort, die für ihn schon in Saarbrücken so wichtig war: „Wir arbeiten intensiv mit den Partnerstädten Augsburgs zusammen, aber auch mit Moskau, Santiago de Chile oder den USA. Die Vernetzung ist uns sehr wichtig, vor allem auch das Ausstrahlen unserer Häuser.“

Die wichtigste Ausstellung für dieses Jahr hat er gerade eröffnet. „Es ist eine Ausstellung über die Wasserkunst in Augsburg. Denn die Stadt bewirbt sich im nächsten Jahr mit diesem Thema um den Titel des Unesco-Weltkulturerbes.“

Überhaupt, Augsburg sei eine tolle Stadt, er und seine Frau, ebenfalls promovierte Kunsthistorikerin, fühlen sich dort sehr wohl. „Es gibt eine unglaubliche Vielzahl an bedeutenden historischen Themen, aber auch viele Freizeitgestaltungsmöglichkeiten“, schwärmt der Museumsleiter, der mittlerweile auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Museen in Bayern ist.

Trotzdem ist er noch häufig im Saarland, hat hier noch Freunde und Familie - und verfolgt auch heute noch das Kunstgeschehen an der Saar. So fand er die Ausstellung zum Thema Tod in der Stadtgalerie sehr beeindruckend und berührend, mochte aber auch die Präsentation „Prominente“ im Historischen Museum mit ihren liebevollen, lokalpatriotischen Details. Und er hat aktuell einen Text zum Ottweiler Porzellan für die in diesem Herbst zu eröffnende Wilhelm- Heinrich-Ausstellung beigesteuert. Und wie findet er den Neubau der Modernen Galerie? Das Haus, das er mal geleitet hat? Dort, wo man sich zu diesem Gespräch getroffen hatte? „Ich halte das Ausstellungskonzept für sehr gelungen. Das ist eine gute Entwicklung, die noch viel erwarten lässt, da die wunderbare Sammlung ein sehr großes Potential hat.“