Carolin Römer: Zwischen Cutter-Tisch und mörderischen Zeilen

Porträt : Von Pony-Träumen zu Mordanschlägen

Vom Schneide- an den Schreibtisch: Carolin Römer aus Saarbrücken ist Cutterin beim Fernsehen und schreibt Irland-Krimis.

Cutten, also Filme schneiden, ist eigentlich wie zu schreiben. Zumindest anfänglich. Ohne Idee, ohne Plan funktioniert es nicht. Doch anders als am Schneidetisch, wo das Filmmaterial erst aufgedröselt wird, um es dann Sequenz für Sequenz neu zusammenzusetzen und mit Geräuschen, Sprache und Musik zu kombinieren, stehen beim guten alten Schreiben nur Buchstaben und Satzzeichen zur Verfügung – die hoffentlich beim Leser Bilder erzeugen.

Läuft es richtig gut, glaubt dieser vielleicht sogar, den Wind pfeifen zu hören, spürt die feine Gischt im Gesicht, schmeckt ihr Salz und spürt das Raue und Wilde Irlands fast körperlich. Denn das ist der Sehnsuchtsort von Carolin Römer, die beides kann: Fernsehen und Kopfkino, schneiden und schreiben.

In ihrem kürzlich erschienenen fünften Fin O’Malley-Krimi entführt die Cutterin ihre Leser erneut auf den grünen Inselstaat im Atlantik. Ende der 80er Jahre verschlug es sie erstmals dorthin: „Ein interessantes Land, ich bin alle ein bis zwei Jahre dort.“ Vor allem der urwüchsigen, ursprünglichen Landschaft wegen. „Man findet da Orte mit keinerlei menschlichen Spuren.“ Und das Meer. Und sie mag die Sprache. „Die lese ich gern im Original.“

2011 startete Carolin Römers Buchreihe über den Dubliner Detective Sergeant, dessen Ehe gescheitert ist, der ein Alkoholproblem hat und der hartnäckig vom Pech verfolgt wird. Geschrieben hat sie aber schon viel länger, anfangs als eine Art Selbsthilfe.

Sie stammt aus Kirn an der Nahe. „Damals ein 10 000-Seelen-Örtchen“, dessen Einwohnerzahl inzwischen auf 8000 geschrumpft ist. „Es gab nur einen Laden mit Büchern.“ Genaugenommen sogar nur ein Bücherregal. Und die Stadtbücherei. „Alles, was mich da interessierte, habe ich gelesen“, erinnert sich die Wahlsaarländerin. „Als ich damit durch war, blieb mir nichts anderes übrig, als selbst zu schreiben.“ Pferdegeschichten vor allem, da war sie 13. Selbst reiten ließ sie ihre Mutter leider nicht. Der waren die großen Tiere nicht geheuer.

Der Schritt vom literarischen Pony-Ausritt zur ersten Leiche war kein so riesiger, findet Carolin Römer. Erstens, weil sie gern Krimis liest. Und zweitens aus beruflichen Gründen. „Ich bin nach Saarbrücken gekommen, um Grafik zu studieren.“ Sie hielt es ganze zwei Semester Werkkunst an der Staatlichen Schule für Kunst und Kunstgewerbe aus. „Dort habe ich mich zu Tode gelangweilt.“ Zu der Zeit liefen gerade Aufnahmeprüfungen beim SR. „Ich dachte: Was hast du zu verlieren und bewarb mich.“ Carolin Römer wurde genommen und durchlief eine interne Ausbildung in Cutterassistenz. „Heute heißt das Mediengestalter.“

Diese Entscheidung musste sie nie bereuen. Sie liebt ihren Beruf bis heute, auch wenn längst alles digital läuft. Beim SR sammelte die Cutterin auch ihre ersten „kriminellen Erfahrungen“ – mit ARD-Tatorten.

Ihr Erstlingswerk hatte Carolin Römer „lange im Schreibtisch“ liegen. Endlich setzte sie sich eine Deadline: „Bis ich 50 bin, will ich das Buch veröffentlicht haben.“ Aber wie und wo? Nun, es gibt Ratgeber à la „Zehn Fehler, die man als Anfänger tunlichst vermeiden soll“. Auf Buchmessen Verlage anquatschen zum Beispiel. Gelesen hat sie diese Tipps allerdings erst, nachdem sie sich auf eben einer solchen Messe an den Conte-Verlag gewandt hatte. Zum Glück! Nach der Lektüre ihrer 50-seitigen Textprobe meldete sich der Verleger und meinte: Ich würde gern noch den Rest lesen.

Seitdem läuft’s. Inspiriert wird Carolin Römer durch Fotos – oder Zeitungsartikel. „Ich denke mir dann: Was wäre, wenn“ und schon setzt sich das Denkkarussell in Bewegung.

Wie bei dieser Meldung, als jemand betrunken mit dem Auto einen Unfall verursacht hatte. Als Strafe verurteilte ihn der Richter zu einer Pilgerreise. „Ich dachte, das passt zu meinem Helden, der ist so neben der Spur, das gönn ich ihm. Da muss er jetzt durch.“ Nachzulesen in Band 3: „Das Labyrinth des Malers“.

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