1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt

Capucine Venus, Wort-Künstlerin mit vielen Vornamen

Poetry-Slammer : Diese junge Dichterin fällt aus dem Rahmen

Capucine Venus studiert Psychologie und ist als Poetry-Slammerin keine, die mit Comedy auf Lacher-Jagd geht. Ihre Themen sind Feminismus, Umwelt und Religion.

Capucine Venus – wer bei dem Namen sofort an ein Pseudonym denkt, liegt zur Hälfte falsch. Denn Venus ist nicht ihr Nachname, sondern ihr dritter Vorname. Capucine heißt sie tatsächlich, Das kommt daher, dass die 21-jährige Poetry-Slammerin halbe Französin ist.

Aufgewachsen ist Capucine in Augsburg, dort begann auch ihre Poetry Slam-Karriere. „Ich habe an einem Donnerstag auf Facebook gesehen, dass am nächsten Tag ein Slam ist und mich einfach in die Liste eingetragen“, erzählt Capucine, die noch nicht mal einen passenden Text dafür hatte.

Sie schreibe zwar, seit sie zwölf ist, aber für einen Slam seien ihre Texte viel zu persönlich gewesen. Das Schicksal entschied dann, dass sie erstens für den Slam ausgelost wurde („sonst hätte ich wohl nie damit angefangen“) und zweitens es fertigbrachte, innerhalb von 24 Stunden einen adäquaten Text zu verfassen.

Nach diesem ersten Auftritt wurde Capucine von anderen Slammern ermutigt, weiterzumachen. Nach einigen Slams in Augsburg probierte sie sich im nahe gelegenen München aus, von dort aus ging es dann quer durch Deutschland.

Selbst in Spanien machte sie nach gerade mal vier Monaten Aufenthalt mit, in der Landessprache – und gewann. Das bezeichnet Capucine als ihren größten Erfolg bislang.

Dass sie nebenbei noch über ein recht ansprechendes Äußeres verfügt, gereicht ihr sicher nicht zum Nachteil. Selbst die Wahl zur Miss Saarbrücken gewann sie, sagte dann aber aus persönlichen Gründen ab.

Trotzdem ist es nicht so, dass sie automatisch in allen Bereichen Erfolg hätte. Zum Beispiel sei ihr Text über Gott beim letzten Poetry Slam in der Camera Zwo nicht gut angekommen: „Ich finde es schade, dass Menschen so wenig mit offen gelebtem Glauben auf der Bühne anfangen können“, meint die gläubige Christin, die einer freien Kirche angehört.

Capucine studiert derzeit noch Psychologie in Saarbrücken und forscht bereits als Mitarbeiterin an der Fakultät. Später möchte sie als Psychotherapeutin arbeiten, auch deshalb ist es ihr lieber, wenn ihr richtiger Nachname verborgen bleibt.

Selbstverständlich lebt die Studentin vegan, den Klimaschutz hat sie in ihren Lebensstil integriert. Sie sieht allerdings noch einen langen Weg vor sich, welcher den Lebenswandel einer großen Menschenmenge mit sich bringe: „Weg vom Massenkonsum hin zum Umweltbewusstsein.“

In ihren Texten gehe es immer um Gesellschaftskritik, das sei auch der Grund, weshalb sie selten die Slams gewinne. Feminismus, Umweltschutz, Frieden, Glaube, Selbstliebe und Selbstbestimmtheit sind ihre Themen. „Ich wünsche mir mehr Liebe auf der Welt, weil ich glaube, dass sich damit viele fundamentale Probleme der Welt lösen lassen würden“, meint sie, wohl wissend, dass sie auf der Bühne auch als verklärte Träumerin wirken kann. „Aber ich meine das tatsächlich und habe wissenschaftlich fundierte Fakten dazu“, sagt sie.

Poetry Slams würden häufig Richtung Comedy gehen, und sie sei eben nicht lustig. Obwohl sie im Gespräch alles andere als einen bierernsten Eindruck macht. Und als sie den im Herbst ausgetragenen Feminismus-Slam anscheinend mit Leichtigkeit gewinnt, gelingt ihr dies auch mit humorvollen Sätzen. Vor allem aber mit der Souveränität des Vortrags und ihren ausgereiften Formulierungen.

Eigenartig nur, dass sie sich in ihrer Muttersprache Französisch nicht aufzutreten traut, aber: „Slam ist halt das Spiel mit den Worten, da muss man jedes Detail beherrschen.“