Canta Nova Saar: KOnzertreise nach Paris

Chorreise an die Seine : Notre-Dame, St. Sulpice und das Mofa-Knattern

Canta Nova Saar war zu CD-Aufnahmen in Paris. Was das Ensemble bei der 30 000 Euro teuren Aufnahme erlebte, erzählt der Chorleiter.

Seit nahezu zwei Jahrzehnten zählt der Chor Canta Nova Saar (CNS) zu den festen Größen der saarländischen Klassiklandschaft. Nun weilten die rund 30 Sängerinnen und Sänger, die sich bevorzugt zeitgenössischer Musik widmen, zu CD-Aufnahmen in St. Sulpice, der zweitgrößten Pariser Kirche. Mit von der Partie waren Daniel Roth, der illustere Titular-Organist von St. Sulpice und einst Professor der Saar-Musikhochschule (HfM), und das Freiburger John Sheppard Ensemble (JSE). Nach der Rückkehr der Choristen aus Paris sprachen wir mit Bernhard Schmidt, dem Dirigenten von Canta Nova und dem Sheppard Ensemble.

Bei Paris-Heimkehrern kommt man derzeit um die Notre-Dame-Frage nicht herum: Inwiefern hat das Unglück Ihren Besuch überschattet?

Bernhard Schmidt: Ein solches Ereignis lässt einen natürlich nicht unberührt – und die dadurch ausgelöste Debatte über den Wert von Kunst und Kultur für eine Gesellschaft hat zumindest für mich persönlich unsere Aufnahme, die ja auch Dokumentation von 150 Jahren deutsch-französischer (Musik-)Geschichte ist, noch intensiver erleben lassen. Da viele Gottesdienste der Kathedrale jetzt in St. Sulpice stattfinden, war es zunächst unklar, ob wir unsere Aufnahme wie geplant realisieren können. Gott sei Dank hat sich schlussendlich alles so gefügt, dass wir an unseren Planungen nichts ändern mussten.

Haben Sie sich die beschädigte Kathedrale angesehen?

Bernhard Schmidt:  Dafür blieb mir leider keine Zeit – einige Choristen haben sie sich aber natürlich angesehen.

Wie empfanden Sie in dem Zusammenhang die Atmosphäre in der Seine-Metropole?

Bernhard Schmidt: Unsere französischen Freunde rund um Daniel Roth waren natürlich sehr mitgenommen von diesen Nachrichten, zumal es einige Wochen zuvor schon einen kleineren Brand in St. Sulpice gegeben hatte, dem eine der Seitentüren zum Opfer gefallen ist. Damals fürchteten wir, dass durch die Rauchentwicklung die Orgeln in Mitleidenschaft gezogen wurden und wir unsere Aufnahme absagen müssten – zum Glück für uns war dem dann nicht so. Mittlerweile überwiegt aber die Zuversicht und alle sind erleichtert, dass sich die Schäden in Notre-Dame in Grenzen halten und insbesondere die große Orgel kaum beschädigt worden ist.

Verliefen die CD-Aufnahmen zur Zufriedenheit?

Bernhard Schmidt: Die Stimmung war durchweg gut, und wir haben alles „in den Kasten“ bekommen. Dabei waren die Bedingungen nicht ganz einfach: Durch die große Entfernung der beiden Orgeln zueinander ergibt sich eine Differenz von fast einer halben Sekunde – das macht die Koordination für die Aufnahme recht schwierig. Außerdem liegt St. Sulpice an einer recht belebten Straße, wo vor allem zu späterer Stunde, als wir die leiseren Stücke aufgenommen haben, vorbeifahrende Busse und Mopeds doch ziemlich gestört und den Aufnahmeprozess in die Länge gezogen haben.

Wurde live vor Publikum oder in Studio-Manier aufgezeichnet?

Bernhard Schmidt: Wir haben das Programm in leicht abgewandelter Form vor zwei Jahren schonmal in einem Konzert in St. Sulpice gesungen. Damals entstand die Idee zur Aufnahme, daher gab es diesmal außer einigen wenigen Gästen keine Zuhörer.

Welches Repertoire wurde aufgenommen?

Bernhard Schmidt: Die ausgewählten Werke decken die ganze Geschichte der großen Orgel von St. Sulpice ab, deren Organisten auch immer Komponisten waren beziehungsweise sind – angefangen mit dem vormaligen Trierer Domorganisten Georg Schmitt über Louis James Alfred Léfèbury-Wély, Charles-Marie Widor (er amtierte 64 Jahre), Marcel Dupré und Jean-Jacques Grunenwald bis hin zum derzeitigen „Titulaire“ Daniel Roth. Außerdem haben wir auch zwei Werke von Gabriel Fauré eingesungen, der eine Zeit lang als Organist der Chororgel in St. Sulpice wirkte.

Dem Organisten Daniel Roth sind Sie ja seit Studienzeiten verbunden, bitte ein paar Worte zu seinen Kompositionen.

Bernhard Schmidt: Für die SängerInnen von Canta Nova, die ja gerne anspruchsvolle zeitgenössische Musik aufführen, waren natürlich vor allem die Werke von Daniel Roth eine spannende Herausforderung. Hier gilt es eine sehr farbenreiche Harmonik, große dynamische Spannungsbögen und Steigerungen und manch heikle intonatorische und rhythmische Klippe zu meistern. Dabei liegt aber alles immer sehr gut in der Stimme und macht Spaß zu singen.

Was sollte man über das John Sheppard Ensemble wissen?

Bernhard Schmidt: Das JSE ist ein gemischter Kammerchor, der sich der gehobenen A-cappella-Musik verschrieben hat. Anders als bei CNS liegt der Schwerpunkt aber eher im Bereich vom Barock bis zur Spätromantik. Bereits zwei Mal gewann das JSE die „Badische Chorprämie“, wird von Stadt und Land im Rahmen der Freiburger Chorförderung gefördert und war 1. Preisträger beim Landeschorwettbewerb Baden-Württemberg 2017.

Was hat es mit Ihrer „Crowdfunding-Aktion“ im Vorfeld auf sich?

Bernhard Schmidt: Ohne diese Spenden-Sammlung wäre es für uns nie möglich gewesen, diese CD zu realisieren. Alleine die Reise- und Übernachtungskosten für fünf Tage und 60 Personen betrugen schon um die 15 000 Euro, die Produktion noch einmal 15 000 Euro. Durch die Crowdfunding-Aktion haben wir etwa die Hälfte der Summe zusammen bekommen. Im Gegensatz zum John Sheppard Ensemble, das gefördert wird, ist das für Canta Nova Saar eine große finanzielle Herausforderung, da wir leider keinerlei Zuschüsse der öffentlichen Hand erhalten.

Daniel Roth an „seiner“ Orgel. Foto: Pierre-François Dub-Attenti
Das Team um Chorleiter Bernhard Schmidt (stehend) hat aus der Sakristei ein Tondstudio gemacht. Von links: Pierre-François Dub-Attenti, Assistent von Daniel Roth, und die Tontechniker Denis Fenninger und Noé Michaud. Foto: Pierre-François Dub-Attenti

www.cantanovasaar.de

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