Cake Sensation: Kuchen und Torten auf Messe in Saarlandhalle Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Cake Sensation in Saarbrücken : So entstehen drei Kekse in drei Stunden auf der Tortenmesse

Tausende haben am Wochenende wieder auf der Saarbrücker Kuchenmesse Cake Sensation süße Kunstwerke bestaunt. Angeboten wurden auch Workshops – wir haben an einem teilgenommen.

Backen und Verzieren – das ist längst zu einer Kunstform geworden. Dies wird mir auf der Saarbrücker Messe „Cake Sensation“ bereits nach wenigen Schritten klar. Gleich der erste Stand scheint überhaupt nicht auf eine Backwaren-Messe zu passen. Der Inhalt der edlen Mappen, die es da zu kaufen gibt, sehen für mich eher nach Kosmetik-Zubehör aus. Falsch: Es sind Modellier-Werkzeuge. Daneben kann man sie in Aktion sehen: Zwei Profis aus Italien arbeiten an einer riesigen Nachbildung des St. Johanner Marktbrunnens aus Fondant. Ein Stoff, der inzwischen fast zum Standard-Repertoire eines jeden Hobby-Bäckers gehört, von dessen Existenz ich allerdings bis vor kurzem nichts wusste.

Dabei kann ich backen! Von klein auf war ich dabei, wenn Mama, Oma oder Tante zu Geburtstagen tolle Kuchen zauberten. Erst durfte ich nur den Rührlöffel abschlecken, später ihn dann selbst schwingen. Mit Erfolg: Marmorkuchen gelingt mir wunderbar fluffig und meine bunten Amerikaner waren der Verkaufsschlager auf dem Kuchen-Basar der Schule.

Als ich dann für mein Studium wegzog, landete ich in einer WG mit kaputten Backofen. Tiefkühlpizza war noch machbar, Kuchen jedoch wurde außen schwarz und innen roh. Ein paar Jahre Übung fehlen mir also – und das hat anscheinend gereicht, um den Anschluss zu verlieren. Smarties auf Schokoladenguss? Damit punktet man höchstens noch auf einem Kindergeburtstag. Auf der „Cake Sensation“ gelten andere Standards, das ist eine Welt für sich mit drei Dutzend Sorten Zuckerperlen, 50 verschiedenen Farbtönen für Buttercreme.

Als ich mich schließlich auf dem Weg zu meinem Workshop mache, ist mir flau im Magen. Das liegt nicht allein an den vielen kostenlosen Probehäppchen. In einem Anfall von Größenwahn hatte ich mich für „Kekse verzieren für Fortgeschrittene“ angemeldet. Eine Anfängerin bin ich ja nicht... dachte ich, bis ich die Beschreibung des Kurses las. „Wir erarbeiten uns Techniken wie Quilten, Basket-Weave und Ornamentik ähnlich der Lambeth-Methode.“ Ähm… was? Ich verstehe kein Wort.

Trotzdem bin ich nun hier, zusammen mit drei weiteren Frauen. Geleitet wird der Workshop von Kathrin „Käthe“ Oehme, die seit 2013 Kekse verziert. Sie ist keine gelernte Konditorin, sondern hat eigentlich Maschinenbau studiert. „Ganz viele Frauen in der ,Szene’ kommen aus technischen Berufen“, erklärt sie. Und technisch wird es durchaus, als gleich nach der Vorstellungsrunde eine Fachdiskussion über die beste Küchenmaschine entbrennt. Wie peinlich, dass ich nur ein Handrührgerät besitze. Der nächste Kratzer für mein Ego folgt sofort: Alle außer mir nicken wissend, als Käthe über Hersteller, Materialen und die richtigen Tüllen spricht. Tüllen…? Ach ja, Spritzbeutel-Spitzen.

Ich bin froh, als wir zur Praxis übergehen. Zunächst zeigt Käthe uns, wie man perfektes „Royal Icing“ herstellt, was offensichtlich eine Kunst für sich ist. Es entpuppt sich als eine Art Guss aus Puderzucker und Eiweiß, allerdings mit der Konsistenz von Zement. Zunächst müssen wir mit Stiften mit Lebensmittelfarben Hilfslinien auf unsere Kekse zeichnen. Dann dürfen wir zu den Spritzbeuteln greifen. Käthe zeigt uns die richtige Technik. Ich setze meinen Spritzbeutel an, drücke... und atme erleichtert aus. Meine Zuckerguss-Linie ist ein wenig schief und der Abstand zum Rand etwas zu groß, aber ansonsten... gar nicht schlecht! Ich bekomme ein Lob und freue mich.

Die Spritzbeutel stammen übrigens aus China. Das Goldpulver, das Käthe mit Wodka mischt, um Farbe herzustellen, kommt dafür aus Südafrika. Überhaupt, die richtige Farbe – eine Wissenschaft für sich. Am Schwierigsten sei Schwarz, dafür eigne sich am besten Aktivkohle aus der Apotheke. Dort bekäme man auch Titandioxid, ein weißer Farbstoff. „Um den weißen Zuckerguß noch weißer zu machen?“, frage ich ungläubig. Tatsächlich, Käthe macht es vor.

Das weiße Icing benutzt sie für das „Basket-Weaving“. Ein Effekt, der aussieht wie Korbgeflecht. Ein letztes Mal verkrampfe ich mich innerlich... aber auch diese Aufgabe gelingt mir besser als befürchtet. Eigentlich braucht man dafür nichts weiter als eine halbwegs ruhige Hand. Wieso genau war ich nochmal so eingeschüchtert? Ich verpasse meinem Keks noch schwungvoll ein paar Details, dann ist der Workshop auch schon vorbei. Drei Stunden für drei Kekse!

Das Ergebnis unserer Autorin aus dem Workshop. Foto: Aline Pabst

Ich schaffe es, meine Meisterwerke heil nach Hause zu bringen. Ein bisschen stolz bin ich ja schon, als ich sie meinem Freund präsentiere. Ein Erinnerungsfoto noch, dann schnappt er sich den ersten, beißt hinein... und verzieht das Gesicht. Das ist leider der Nachteil, die Kehrseite des Kekses: Der dicke Zuckerguss macht die Kekse sehr, sehr süß. Hübsch sind sie aber – und das ist heute die Hauptsache. Immerhin kenne ich nun ein paar Deko-Tricks. Vielleicht führe ich auf der nächsten „Cake Sensation“ ja selbst auch Fachgespräche über die richtigen Tüllen?

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